Meinung
17.05.2017

Ein Jahr danach: Kerns harter Aufprall

Ein harter Aufprall für jenen Mann, der davor warnte, sollte sich der politische Umgang nicht ändern

Bernhard Gaul | über ein Jahr Kanzler Christian Kern

Jedem Anfang liegt ein Zauber inne, hatte der damalige ÖVP–Vizekanzler Reinhold Mitterlehner die Angelobung von Christian Kern als SPÖ-Bundeskanzler vor einem Jahr im Parlament kommentiert.

Kern hatte kurz zuvor in seiner allerersten Rede als designierter Bundesparteiobmann für ein Aufatmen in und außerhalb der Politikblase gesorgt.

„Viele teilen die Meinung, wenn wir so weitermachen, dieses politische Schauspiel weiter liefern, dann haben wir nur noch wenige Monate bis zum endgültigen Aufprall, bis das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik restlos verbraucht ist“, sagte er damals.

Na bumm. „Frische Luft reinlassen“, das kündigte Kern an.

Und heute, ein Jahr später?

Kern steht nur mehr Resten einer Bundesregierung vor. Der neue ÖVP-Obmann Sebastian Kurz stiehlt dem Slim-fit-Kanzler Kern die Show und hat ihm die Möglichkeit zur Weiterarbeit aufgekündigt. Erstmals in der Geschichte Österreichs ist ein Parteifreier Vizekanzler, was angesichts ausstehender Reformen, die auch einer politischen Lösung harren, in der Praxis kaum möglich sein wird.

Oder, wie es der neue Vize Wolfgang Brandstetter so schön trocken formulierte: „Diesem Neuanfang liegt sicher kein Zauber inne.“