Meinung
31.03.2017

Eierpecken

Zum Färben von zwölf Eiern braucht man die Schalen von 20 roten Zwiebeln.

Zum Färben von zwölf Eiern braucht man die Schalen von 20 roten Zwiebeln.

Mag. Simone Hoepke | übers Eierfärben

Eine Freundin sammelt alles. Von vergilbten Briefen, die seit Generationen auf dem Dachboden verstauben bis zu Wohnzeitschriften, die sie nie mehr anschauen wird. Jetzt sammelt sie Zwiebelschalen. Für Ostern.

Sie will die Eier heuer selbst färben. Dezente Hinweise, dass das andere besser und schneller können – Fabriken schaffen 30.000 Stück die Stunde – verhallen ungehört. Auch meine empirischen Studien, wonach industriell gefärbte Exemplare beim Eierpecken stets gewinnen, prallen an ihr ab.

Zum Färben von zwölf Eiern braucht sie laut Rezept die Schalen von 20 roten Zwiebeln. Gemessen an ihrem Verbrauch also in etwa eine Jahresration. Deswegen fordert sie mich auf, mehr griechischen Salat mit roten Zwiebeln zu essen. Bis spätestens Gründonnerstag. An dieser Stelle hab ich ihr geraten, sich einfach ein Babette-Huhn zu kaufen. Dieses legt grüne Eier, was ihr Problem mit roten Zwiebeln lösen könnte.

Im Handel sieht man diese mintgrünen Eier eher selten. Eine Babette-Henne lässt sich nicht hetzen. Sie legt keine 320 Eier im Jahr, so wie ihre Kolleginnen in den Hochleistungsställen. Diese haben das quasi in die Wiege gelegt bekommen. Von der deutschen Firma Lohmann, die ihre Legehennen in mehr als 100 Länder der Welt verschickt. Per Flugzeug. Die Turbo-Huhn muss nur rechtzeitig bestellt werden. Die Eier kommen in die Brutstation, 21 Tage später schlüpft daraus ein Wunderwuzzi von Henne und mutiert quasi sofort zum Globetrotter. Flugs sitzt sie im Flugzeug und hebt Richtung Industriestall ab. Aus einem solchen würde eine Babette-Dame in hohem Bogen rausfliegen. Bleiben darf nur, wer Höchstleistungen bringt. So gesehen gelten Spielregeln wie in Konzernen.

Meine Freundin kann keinen griechischen Salat mit roten Zwiebeln mehr sehen. Ich auch nicht. Selbst gefärbte Eier sind damit gestrichen. Der Plan B heißt Eierlikör. Geht schnell und watscheneinfach – und der Wodka vom letzten Fest gehört eh weg.