Meinung
11/01/2021

Was, wenn die Querdenker Recht hätten?

Für Argumente sind Impfverweigerer nicht mehr zugänglich. Wagen wir ein kühnes Gedankenexperiment.

von Christoph Schwarz

Wenn die Österreicherinnen und Österreicher am heutigen Dienstag (2. November) an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, steht ihnen ein ungewohnter Empfang bevor. Auch im Job gilt angesichts der beunruhigend hohen Infektionszahlen ab sofort flächendeckend die 3-G-Regel, bald wird sie gar zur 2,5-G-Regel.

Dem Ziel, die Ansteckungsgefahr zu senken, wird die Verschärfung zweifellos dienlich sein. Dass sie dazu führt, Scharen an Impfunwilligen doch zum Stich zu bewegen, kann zugleich leider ausgeschlossen werden. Im Gegenteil: Je höher der politische Druck, desto stärker kapseln sich die Impfverweigerer ab. Der Anteil jener, die rationalen Argumenten noch zugänglich sind, liegt laut Studien im einstelligen Prozentbereich.

Verschwörungstheorien treiben in der inhomogenen Gruppe der querdenkenden Impfverweigerer unterdessen immer seltsamere Blüten. Verdichtet klingt das, was man in ihrer digitalen Echokammer liest, dann ungefähr so: Die von den Regierungen künstlich geschaffene Pandemie wird mittels Propaganda ebenso künstlich in die Länge gezogen, bis alle Geimpften (!) trotz oder wegen der Impfung (das ist unsicher) gestorben sind, während die Gesunden (ja, so nennen sich die Ungeimpften selbst) überleben werden.

Klingt nach Satire? Tja. Trauen wir uns und nehmen – um die Absurdität zu zeigen – den Ball auf: Was wäre, wenn die Querdenker Recht hätten? Innerhalb weniger Wochen (genaue Datumsangaben finden Sie auf Social Media) sterben also drei Milliarden Menschen nach und nach an der Impfung, darunter 64 Prozent der Österreicher. Weite Teile der Welt liegen nun brach. (Nur in Oberösterreich ist die Lage etwas besser.) In den USA sind die Anhänger von Donald Trump jetzt klar in der Mehrheit, ohne den geimpften Trump aber führungslos. Chinas Übervölkerungsproblem hat sich gelöst, dafür sieht es mit Weihnachtsgeschenken „Made in China“ eher schlecht aus. Einzig der afrikanische Kontinent, schon einst die Wiege der Menschheit, bleibt vom Massensterben verschont. Impfstoff konnte man sich hier nicht leisten. Ein Glück.

Hierzulande ist Herbert Kickl nun Kanzler, die übrigen Regierungsposten kann er mangels ungeimpfter Kameraden allerdings nicht besetzen. Im TV gibt es nur noch Filme mit Nina Proll und Til Schweiger, dafür gewinnt Dominic Thiem wieder im Tennis. Urlaubsreisen sind problemlos möglich, halt ohne Flugzeug. (Alle Piloten waren ja geimpft.) Auch Ärzte gibt es keine. (Egal, es haben ohnedies nur die Gesunden überlebt!) Kindergärtnerinnen, Lehrer – ebenfalls fast alle verschwunden. Endlich findet das ungerechtfertigte Primat der Intelligenz ein jähes Ende!

Das beste an dieser Dystopie? Die Systemmedien haben aufgehört, Regierungspropaganda zu verbreiten. Denn auch in den Redaktionen sind plötzl...

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