Meinung
23.04.2018

Die Welt hält den Atem an. Was treibt Donald Trump an?

GASTKOMMENTAR Friedrich Riffer analysiert die Persönlichkeit des US-Präsidenten aus psychiatrischer Sicht.

Die Antwort auf die im Titel gestellte Frage ist so banal wie erschreckend, sein krankes Selbst.

Allmachtsfantasien, ständige Entwertungen Anderer, rasche Kränkbarkeit und impulsives Agieren beim mächtigsten Staatsmann, erzeugen Unsicherheit, Misstrauen und Ängste, bis hin zum „Worst Case“, der nuklearen Vernichtung der Welt.

Die dunkle Triade

Die Persönlichkeitspsychologie kennt den Begriff der dunklen Triade (Paulhus und Williams 2002). Drei Persönlichkeitsmerkmale – Machiavellismus, Psychopathie und maligner Narzissmus – bei derselben Person. Sie sind unerwünscht, unterstützen jedoch besonderen beruflichen Erfolg. Gemeinsamer tiefenpsychologischer Hintergrund ist ein schwaches, instabiles Selbst.

Maligner Narzissmus

Dieser ist bei Trump am hervorstechendsten. Es ist das Gefühl der Grandiosität, welches er braucht um sich wohlzufühlen, seinen (verdeckt) schwachen Selbstwert zu stabilisieren und seine schwachen Seiten auf Distanz zu halten. Welcher gesunde Mensch würde sich wie Trump als stabiles Genie bezeichnen? Dieser Hang zur Grandiosität ist gepaart mit einer starken Kränkbarkeit, die aus oft nicht erkennbaren Anlass zu heftigsten Aggressionen führt. In letzter Konsequenz muss jeder Andere, der den eigenen schwachen Selbstwert bedroht, vernichtet werden. Besonders gefährlich wird es, wenn der Betroffene auf ein Gegenüber mit den gleichen Eigenschaften trifft, wie der Konflikt mit Kim Jong-un zeigt.

Sowohl für Trump als auch für Kim Jong-un, beide weisen dieses Merkmal in ausgeprägter Form auf, ist es (fast) nicht aushaltbar auf jemanden zu stoßen, der die eigene Großartigkeit nicht anerkennt, nicht „klein beigibt“.

Allmachtsfantasien

anhand atomarer Drohungen (!), Entwertungen über deftige persönliche Beleidigungen, Staatsmänner die zu Lausbuben werden, ein ICH, das nicht zu zähmen ist.

In Anlehnung an Freud: Herr Donald Trump ist nicht Herr im eigenen Haus.

Kennzeichnend für malignen Narzissmus ist fehlende Störungseinsicht. Gut oder böse, ich liebe dich – ich hasse dich, „hire and fire“. Die starke Kränkbarkeit, und Trump wird im eigenen Land – im Gegensatz zu Diktatoren – ständig gekränkt, mit den verbundenen heftigen, rasch wechselnden Emotionen äußert sich in impulsiven Handlungen, ob es das Umfeld, Kim, Europa, China oder die Welt betrifft.

Trump und andere Männer mit „dunkler Triade“ stabilisieren ihr schwaches ICH über eine männliche Urfantasie der Größe, den siegreichen Kampf.

Was hilft?

Funktionierende demokratische Systeme (die zur Stabilisierung der eigenen Schwäche gerne eingeschränkt werden, siehe Osteuropa) geben die größtmögliche Hoffnung, dass maligne Narzissten, auch wenn sie von diesen Systemen hervorgebracht werden, kontrollierbar bleiben. Sie werden im Idealfall abgewählt.

Als Gegner bleibt dann noch immer das eigene Selbst, und ein leidendes Umfeld.

Prim. Dr. Friedrich Riffer ist Psychiater. Friedrich Riffer ist ärztlicher Direktor der PSZW – Kliniken Eggenburg und Gars am Kamp und Vorstand der Sozialpsychiatrischen Abteilung in Waidhofen an der Thaya.