© EPA/FOCKE STRANGMANN

Leitartikel
04/12/2021

Die verhatschte Kanzlerkandidatur

Wie die CDU/CSU in die Bundestagswahl stolpert, sucht seinesgleichen. Ruhmesblatt für Angela Merkel ist das keines

von Andreas Schwarz

So weit, so klar – und gleich wieder nicht. Die CDU-Granden haben sich am Montag für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten der Union ausgesprochen. Und noch während der CDU-Obmann ankündigte, mit Markus Söder Einvernehmen in der K-Frage erzielen zu wollen, kürte der CSU-Vorstand Söder zu seinem Kandidaten. Der hatte sich nach Monaten der listigen Vorbereitung („Mein Platz ist in München“ ...) am Wochenende selbst in Stellung gebracht, wenn es Unterstützung aus der CDU gäbe – widrigenfalls er natürlich wie ein Mann hinter Laschet stehen wolle. Aber vorher müssten beide Parteien schon noch besprechen, mit wem man die besseren Chancen hätte – Subtext: Seht die Umfragen, die sprechen klar für mich!

Die Kanzlerpartei steht ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl so belämmert da wie seit zwei Jahren. So lange ist es her, dass Angela Merkel ihren Abschied als CDU-Chefin und damit absehbar als Kanzlerin bekannt gegeben hat.

Dass die Frage ihrer Nachfolge zur Posse geriet, daran trägt sie die Hauptschuld. Sie hat sich in 16 Jahren an der Spitze der Bundesrepublik enorme Meriten erworben, auch wenn sie mitnichten fehlerfrei war: Stabilität, Verlässlichkeit, Fahren auf Sicht, alle diese Eigenschaften hat sie in Personalfragen völlig missen lassen. Böswillig könnte man meinen: absichtlich, zur Erhöhung des eigenen Denkmals.

So wird’s nicht sein. Aber Fakt ist, dass Merkel zwar immer ein machtpolitisches Händchen hatte, was die Unangreifbarkeit ihrer Position betrifft – Legionen von möglichen Nachfolgern und Konkurrenten hat sie über die politische Klinge springen lassen (einer, Friedrich Merz, trägt ihr das bis heute nach und stiftet Unfrieden in der Partei). Aber das Händchen, was die personelle Zukunft betrifft, fehlt ihr, siehe Kurzzeit-Fehlbesetzung Annegret Kramp-Karrenbauer, völlig.

Auf Armin Laschet als Kanzlerkandidaten hat sich die CDU wohl eher zähneknirschend festgelegt. Wohl wissend, dass er nicht das Zugpferd ist, das alle mitreißt (nicht einmal die eigenen Anhänger), sondern dass das eine verhatschte Kanzlerkandidatur wird; auch wissend, dass ein enttäuschtes Ego in München das Letzte ist, was ein CDU-Kandidat und vielleicht Kanzler braucht. Denn auch wenn der CSU-Chef verspricht, Laschet zu unterstützen, wenn er selbst es nicht wird – so wie Söder die vergangenen Monate agiert hat, so wie er sich inszeniert hat, weiß man: der will: Und wie ein um einen Spitzenposten umgefallener CSUler reagiert, kann man am hoffnungslos (selbst)überschätzten Manfred Weber erleben, der Kommissionschef der EU werden wollte und jetzt nicht müde wird, Ursula von der Leyen mit Zurufen zu triezen.

Entweder Söder setzt sich noch durch, oder er steht am Ende wie ein Mann hinter Armin Laschet? Letzteres kann auch Drohung sein. Eingebrockt hat sich die CDU das selbst.

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