Die Tour!

Vergiss Weihnachten, verschieb deinen Geburtstag, schlaf ein bei den Defensivtaktikstochereien der WM: Der Höhepunkt des Jahres ist da!.


Morgen startet in Rotterdam die Tour de France, und ich bin zwar nicht live dabei, aber immerhin darf ich hier mein täglich Quentchen Senf dazu abgeben. Diese Gelegenheit lockt jeden altgedienten Radblogger aus dem Ruhestand. Naja, und das Geld brauch ich auch: Wegen anhaltendem Sturzpech werde ich jetzt Stützräder auf alle meine Gefährte montieren, und das ist nicht billig: Vollgefedert fürs Mountainbike, aerodynamisch-verwindungssteif aus Carbon fürs Rennrad, stylish-vintage, Phil Wood-Naben und Mini-Spokecards für die Stadträder, es hört nicht auf.

Ich muss nur gleich eines vorausschicken: So richtig objektiv bin ich nicht. Man könnte, im Gegenteil, sogar behaupten, ich sei ein Saxobank-Fanboy. Die 2 Schlecks, Fabian Cancellara und Jens Voigt (mit restauriertem Gesicht und 38 Jahren wieder dabei!) und die anderen, die finde ich super. Wenn Robert Gesink, die junge holländische Bergziege, alle Hoffnungen und Versprechungen hält, wär ich auch nicht böse. Gar nicht so begeistert bin ich dagegen von Cadel "Diva" Evans, schon gespannt, ob sich auch diesmal die ganze Welt inklusive Mechaniker gegen ihn verschwört, um seinen schon lang verdienten Toursieg wieder zu verhindern. Auch nicht kalt lässt mich ein schon etwas älterer Texaner, bei dem ich mir immer einen Real-Life-Vuvuzela-Button a la Youtube wünsche, wenn er seine Edikte verkündet. So... wen haben wir dann noch so im Favoritenkreis? Ach ja, Alberto Contador - an dem wird wohl auch heuer kein Weg vorbeiführen. Angeblichst hat er sich ja voriges Jahr tempomässig sogar zurückhalten müssen, weil der einem gewissen älteren Texaner sehr verbundener Teamchef Langsamkeit verordnet hat, damit der auch einen Stockerlplatz kriegt. Aber Team heuer halt nicht so gut, deswegen doch wieder spannend.

Und sowieso: Die Route! Woche 1: Holland und Belgien, wo Seitenwind, Nervosität und schmale Straßen schon beim Giro für Aufregung gesorgt haben. Dann noch Kopfsteinpflaster in den Wäldern von Ahrenberg - jedem Fan von Frühjahrsklassikern und Ersten Weltkriegen ein Begriff. Woche 2: Die Alpen - leider ein wenig hergeschenkt. Weil richtig spannend wird's erst ab 18. Juli, wo es in die Pyrenäen geht. Zum 100. Jubiläum der ersten Tourmalet-Befahrung wird er gleich 2 Mal genommen: Einmal in einer Eddie-Merckx-Tribut-Etappe, und dann nochmals als Bergankunft. Woche 3 tut dann ausklingen mit Zeitfahren (nur ein langes heuer: gut für schmächtige Federgewichte!), und dann die Einfahrt in Paris am 25. Juli.

Dazwischen hoffentlich viel Drama, Spektakel, grandiose Landschaft, spannende Taktik, und ein wenig Doping wird natürlich auch dabei sein. Der Giro hat's heuer ja schon vorgemacht, wie man ein Radrennen 3 Wochen lang aufregend macht. Und wer noch immer nicht glaubt, das sowas interessant sein kann, dem sei Pepe Danquarts Doku Höllentour ans Herz gelegt. Morgen jedenfalls schon der Prolog: 8 km Zeitfahren in Rotterdam. Wird Fabiaaaan! gewinnen oder doch Tony Martin oder gar ganz wer anderer? Man rate, bei wem ich jubeln würde...

(kurier) Erstellt am
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