© REUTERS/Axel Schmidt

Leitartikel
02/03/2021

Die Intoleranz der Rechthaber

Die Linke Sahra Wagenknecht knöpft sich moralisierende Linksliberale vor. Ein paar Rechte haben das nicht richtig verstanden

von Andreas Schwarz

Jeder Satz ein Treffer. „Das Grundproblem ist die Haltung: Wer nicht für mich ist, ist kein Andersdenkender, sondern ein schlechter Mensch.“ Oder: „Das ist ein typisches Herangehen des linksliberalen Milieus: Wer für eine Begrenzung von Zuwanderung ist, ist ein Rassist. Wer CO2-Steuern kritisiert, ein Klimaleugner. Und wer die Schließung von Schulen, Restaurants und Fitnessstudios nicht für richtig hält, ist ein ‚Covidiot‘.“

Und: „Das, was heute Linksliberalismus genannt wird, sollte wegen seiner ausgeprägten Intoleranz eigentlich ‚Linksilliberalismus‘ heißen.“Die das in der "Welt" sagt, ist keine verbohrte Rechtsrechte, keine Beatrix von Storch oder Alice Weidel von der AfD.

Die Sätze stammen von der Ikone der deutschen Linkslinken, der in der früheren DDR zur glühenden Antikapitalistin gestählten Sahra Wagenknecht. Ihre Dialektik ist gefürchtet, nun hat sie das eigene Lager aufs Korn genommen.

Zurecht. Die zunehmende Intoleranz ist nicht nur, aber gerade in Corona-Zeiten unerfreulich auf dem Vormarsch. Es gibt nur Schwarz und Weiß, Gut und Böse. Der moralisch erhobene Zeigefinger wird, im Netz und in zum Altar der Wahrheit erhöhten Redaktionsstuben, geschwungen und saust, zur Faust geballt, wie der Hammer eines Richters zum Urteil über andere herunter. Nur woher die vorwiegend linken Moralisten ihre vermeintliche Autorität nehmen, was sie befugt, im Geist der Illiberalität zu richten, wird nie hinterfragt.

Dasselbe gilt für die Rechte auch!

In den sozialen Foren bejubeln Revanchisten contra Links das Wagenknecht-Interview, seht her, wie klug sie den Meinungsterror der Liberalen entlarvt, auch wenn sie sonst ja nur ihre marxistischen Dogmen pflegt. Schöne Schadenfreude, nur: Wo ist jetzt ein der Deutschen ebenbürtiges intellektuelles Gegengewicht im Biotop der Rechtspopulisten, der Corona- und Anderes-Leugner, das so einen geistigen Felgeaufschwung versuchen würde? Kann sich jemand einen Herbert Kickl vorstellen, der konstatierte, die Rechten übertrieben in ihrer Verurteilung Andersdenkender? Jemanden, der das ständige Gutmenschenbashing hinterfragt? Einen Aufruf der ewiggleichen Rechthaber im Netz, der das Aufhetzen gegen die, die angeblich nicht recht haben, zurückpfeift?

„Es genügt nicht, keinen Gedanken zu haben: man muss ihn auch ausdrücken können.“ Das böse Karl Kraus-Wort galt Journalisten. Er würde heute Politiker und Meinungswütende im Netz dazunehmen – solche, die Meinung vor Faktenwissen stellen und sie umso moralinsaurer vertreten. Auch zwischen Links und Rechts gibt es nur noch ein apodiktisches: So ist es!

Ein Wagenknecht-Satz noch: „Man muss aufhören, Debatten zu moralisieren oder bewusst darauf auszurichten, Leute niederzumachen“ – das gelte für „alle“, fügt sie hinzu und hat damit , pardon für die unzulässige Steigerung: am rechtesten.

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