Thermische Sanierung als eine Möglichkeit zur Ankurbelung der Wirtschaft.

© APA/GriffnerHaus AG

Meinung
04/13/2020

Den Startvorteil nutzen: „Verantwortung für Österreich“ im Team leben

Gastkommentar: Martin Hagleitner, Chef der Austria Email AG, formuliert sieben Thesen, wie es wirtschaftlich weitergehen könnte.

Unser Land hat nun die erste Etappe des Marathons gut bewältigt. Die Bundesregierung hat getan, was zur Bewältigung der akuten Krise notwendig war – konsequente Maßnahmen gesetzt, wochenlang und unaufgeregt, weitgehend fehlerlos und mit hoher Akzeptanz in der Bevölkerung.

Auch die Unternehmen haben im Zusammenwirken in Versorgungsketten, im Umgang mit ihren Beschäftigten und gegenüber ihren Kunden Verantwortung bewiesen. Wo gearbeitet werden konnte bzw. auch durfte, wurde ungeahnte Kraft entwickelt. Im europäischen Konzernverbund konnten wir auch mit Hilfe von Behörden Kündigungen vermeiden. 

Exportmärkte bearbeiten

Nun geht es nicht nur für die Industrie darum, die hohe Unsicherheit rasch abzubauen, die Exportmärkte wieder aktiv zu bearbeiten (wo dies möglich ist) und den Rückgang unserer Wirtschaftsleistung möglichst gering zu halten. Durch den globalen Verlauf der Pandemie hat Österreich dabei einen gewissen zeitlichen Startvorteil. Wie können wir diesen optimal nützen? Dazu sieben Thesen:

1, Der Neustart braucht beherztes Vorgehen, Klarheit und Tempo, damit aus der Alternativlosigkeit der vergangenen Wochen wieder Zukunftsperspektiven wachsen. Die Krise hat uns unsere Grenzen gezeigt - viel wurde gelernt, manche Versäumnisse in der Vorbereitung sichtbar, und auch das wird aufzuarbeiten sein.

2, In der Krise wurden Möglichkeiten wie Grenzen des Föderalismus und der Europäischen Union deutlich sichtbar – etwa nationaler Egoismus, Schwächen in der Governance und Abhängigkeiten von kritischen Medizinprodukten. Die europäische Dimension wird in der Phase der Erholung wichtiger, was eine Debatte über Subsidiarität, Rollenverteilung und Eigenverantwortung anstoßen wird.

 

3, Jeder Rückfall in Neid- und Verteilungsdebatten und absurde Steuervorschläge sind jedenfalls kontraproduktiv. Konzentrieren wir uns auf die Chancen! Auch wenn das Regierungsprogramm von Anfang Jänner teilweise wirkt wie aus einer längst vergangenen Zeit, werden viele Vorhaben noch wichtiger, etwa die konsequente Fortsetzung von Entlastung, Entbürokratisierung, Digitalisierung und selbstverständlich Ökologisierung.

4, Auf den Green Deal der EU lohnt es sich nicht zu warten, wenn man daheim so viel rasch tun kann. Daher: Starten wir daheim! Auch hier kann die Stunde des „Team Österreich“ schlagen, wie erste Initiativen in Richtung Urlaub in Österreich und Werbeaktionen für den Handel zeigen. Das senkt wiederum unseren ökologischen Fußabdruck.  

5, Gerade endet die Heizsaison, die Heimwerker- und Renovierungs-Saison beginnt. Oft beginnt Umweltschutz im Heizungskeller – hunderttausende veraltete Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlagen warten auf ihren Austausch. Energieeffiziente Systeme helfen langfristig Geld zu sparen und machen unabhängiger von Energieimporten. Dafür gibt es attraktive Förderungen, die neu dotierten Fördermittel des Klimaministeriums sind ein wichtigstes Zukunftssignal. Europäische Qualitätshersteller – viele davon in Österreich – sichern Wertschöpfung, Beschäftigung und bieten besondere Servicequalität. Die öffentliche Hand und gemeinnützige Wohnbauträger sind aufgefordert mit gutem Beispiel voranzugehen und heimischen Anbietern den Vorzug geben.

6, Wir können beweisen, dass mit Risikovermeidung durch Hygiene- und Schutzmaßnahmen erfolgreiches Wirtschaften, ein florierendes Gesellschafts- und Kulturleben und ein funktionierender Gesundheitssektor gleichzeitig möglich sind

7, Im Fall von möglichen Corona-Rückschlägen wird es entscheidend sein, den Spirit des gerade erreichten Zwischenerfolgs zu erhalten. Die Regierung wird hier mit flächendeckendeTests, intensivem Monitoring und spezifischen Maßnahmen zum Schutz von Risikogruppen sicherstellen, dass kein zweiter Shutdown notwendig wird.

Dr. Martin Hagleitner ist Chef der Austria Email AG und Groupe Atlantic Konzerngeschäftsführer für die Region Deutschland-Österreich-Schweiz.