Das Geheimnis der Pflastersteine

Foto: rts

In einem frei erfundenen Interview erklären drei Favoriten, die nicht extra mit meinem Privatjet eingeflogen wurden, ihre Strategien.

Alberto macht den Anfang: "Die beiden Trainingstage im April mit Peter van Petegem waren nur der Abschluss einer langfristigen Strategie. Angefangen hat alles schon 2008, als ich mich 3 Monate mit dem ältesten noch lebenden Kopfsteinpflasterleger Europas verbrachte. Nur, wenn du die Geschichte jedes einzelnen Pflastersteins kennenlernst, von seiner Geburt im Steinbruch über den delikaten Prozess der Behauung bis hin zur sorgfältigen Platzierung im Gesamtensemble der Straße, kannst du sie verstehen."

"Jede Unebenheit spiegelt das Amalgam aus Jahrmillionen der Geologie sowie der Persönlichkeit des Steinmetzes wieder, und wenn du das begreifst, dann spürst du die Resonanz ihrer Kraftfelder und eine tiefe innere Verbundenheit mit der Struktur, und wenn die Steine spüren, dass du sie liebst und schätzt aufgrund des innersten Seins ihres Wesens, dann lassen sie dich gleiten!".

Er fügte noch hinzu: "Peter war da sogar eher kontraproduktiv. Er sagte nur: Geheimnis? Hä? Du fährst so schnell du kannst da drüber, und wenn das schneller ist als die anderen, hast du gewonnen."

Kopfpolster

Andy hingegen gestand, dass ihm Fabian Cancellara geraten hat, einfach einen Monat lang mit einem Pflasterstein als Kopfpolster zu schlafen. "Mehr Vorbereitung war da nicht. Es wurde ja spekuliert, dass ich aufgrund meines geringen Gewichts ins Weltall geschleudert werde, sobald mein Vorderrad den ersten Stein berührt. Daher bekam ich auch die magische unsichtbare Batterie von Fabians mystischem Motorfahrrad umgeschnallt, das hat schon geholfen!".

Quartzkonzentration

Bei Lance Armstrong hingegen war ein hochkarätiges Team aus 250 NASA-Ingenieuren, Materialtechnikern und Werbefachleuten monatelang damit beschäftigt, das perfekte Fahrrad zu bauen. "Es war faszinierend: Sie haben sogar die Pflasterabschnitte auf den Mikron genau in einem unterirdischen Geheimlabor nachgebaut. Jeder Stein wurde mit Laser, GPS, Magnetresonanz und Röntgen analysiert und vermessen und die optimale Sitzposition beim Überfahren berechnet."

"Man hat herausgefunden, dass die Quartzkonzentration an der Oberfläche der Steine eine eigene Reifengummimischung notwendig macht, die die Vibrationen um 42 Volt pro Joulesekunde verringern. Modelle für verschiedene Anfahrtswinkel bei gegebenen Aussentemperaturen haben schließlich ergeben, dass eigentlich eh alles wurscht ist und gewinnt, wer keinen Patschen hat. So ist es dann auch gekommen: Schlecht für mich, aber Hurra für die Wissenschaft!".

Da zu diesem Zeitpunkt schon wieder Christian Prudhomme bei mir angerufen hat (wo der schon wieder meine Privatnummer her hat!) und jammerte, dass sie den Start der nächsten Etappe nicht länger aufhalten könnten, war das Interview leider damit zu Ende. Vielleicht habe ich ja während dieser Tour noch einmal Zeit, um den einen oder anderen Teilnehmer zu empfangen!

(kurier / Heinz Ekker) Erstellt am
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