Meinung
28.01.2013

Cyberwar, das unbekannte Wesen

Die elektronische Kriegsführung, Angriffe auf Datennetzwerke und Serverknoten, stellt eine besondere Bedrohung des 21. Jahrhunderts dar. Das Bundesheer könnte hier Abwehraufgaben übernehmen.

Im Jahr 2008 legte ein Angriff aus dem Internet auf Georgien die militärische Kommunikation und Banken lahm

Prof. Dr. Horst Mäder | über die Gefahr von terroristischen Internet-Attacken

Bei der Debatte zu der vergangenen Volksabstimmung wurde der Begriff „ Cyberwar“ bzw. „Cyber Attacks“ ( Angriffe auf die Sicherheit der IT-Systeme) immer wieder verwendet. Doch was sind „Cyber Attacks“ ? Mit der Entwicklung der Elektronik und dem Entstehen des „world wide web“ - www – (Internet) sind auch Möglichkeiten entstanden, dieses weltweite Netz mit Hilfe der Elektronik zu stören. Staaten, Terrororganisationen und spezielle Hacker-Teams können „die Welt zum Beben“ bringen. Regierungssysteme, Banken, Zeitungen, TV-Anstalten, Notrufzentralen, Versorgungsein­richtungen (Wasser, Strom, Gas usw.), Verkehrsnetze, Wirtschaftsanlagen – schlichtweg alles, das heute mit elektronischen Netzen arbeitet, kann gestört werden.

Die Wirklichkeit ist längst erreicht

Dass das bereits Realität geworden ist, zeigen die Vorfälle z.B. in Estland im April 2007. Überall stürzten die IT-Systeme ab. Für viele Tage waren die Netzwerke des Staates lahmgelegt, keine Finanztransaktionen, keine Kommunikation über das Netz war möglich. Im Jahr 2008 legte ein Angriff aus dem Internet auf Georgien die militärische Kommunikation lahm, Banken waren wochenlang nicht erreichbar. Mit „Stuxnet“ erfolgten 2010 und 2012 Angriffe auf Computeranlagen des iranischen Atomreaktors Bushehr und andere Industrieanlagen. Es gibt sogar Vermutungen, dass der große Stromausfall an der US-Ostküste im Juli 1977 nicht durch Blitzschlag, sondern durch einen Cyberangriff auf ein Kraftwerk verursacht wurde, der zu Überhitzung geführt hat. Bei zehn Millionen Menschen ging das Licht für bis zu 25 Stunden aus. In Teilen der Städte brach Chaos aus. Es kam zu Plünderungen.

Was kann das Bundesheer dabei erledigen?

Das Bundesheer (Heeres-Abwehramt) beschäftigt sich intensiv mit der Sicherheit im Cyberraum. Darüber hinaus ist geplant, in den nächsten Jahren eine bis zu 100 Personen starke Einheit aufzubauen, die das Land auf Cyber-Angriffe vorbereiten, bzw. im Ernstfall die Grundfunktionen der staatlichen Infrastruktur aufrechterhalten soll. Als Personal sind Spezialisten des Bundesheeres (Berufssoldaten, zivile Experten) seit Jahren tätig. Mit Grundwehrdienern, die Uni-oder HTL-Absolventen sind, könnte ein geeignetes Personal zusätzlich gewonnen werden. Miliz-Personal könnte immer wieder ergänzend eingesetzt werden.

Darüber hinaus benötigt das Heer „Manpower“, also viele Soldaten des Präsenz- und Miliz-Dienstes. Wenn große Gebiete, Bundesländer betroffen wären, könnten diese Soldaten zum Schutz gegen Plünderungen und zur Aufrechterhaltung der Versorgung weitflächig eingesetzt werden müssen.