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Meinung
03/13/2020

Coronavirus: Wenn sich Sportprofis wie Amateure verhalten

Die Formel 1 gilt in Sachen PR und Innovationen als vorbildlich. In der jüngsten Krise agiert die Rennserie fahrlässig.

von Philipp Albrechtsberger

Die Formel 1 war schon immer etwas anders als die meisten Sportarten. Die Rennserie erkannte etwa viel früher als andere die gewinnbringende Symbiose aus Show und Sport. Stars und Sternchen polierten die Königsklasse zu einem Hochglanzprodukt, das sich der Rechteinhaber teuer abkaufen ließ. Davon profitiert hat viele Jahre nicht nur Bernie Ecclestone selbst, prächtig leben konnten davon auch Rennställe und Piloten.

In diesem Lichte muss freilich auch die jüngste Aussage von Lewis Hamilton gesehen werden: „Geld ist König“, sagte der Weltmeister, nachdem die Formel 1 lange an der Ausrichtung des Saisonauftakts festgehalten hatte. Die offen vorgetragene Kritik hat dem Briten viel Lob eingebracht, wenngleich die Unbeirrbarkeit und Kompromisslosigkeit der Formel 1 ihm erst Rekordgagen ermöglicht hat.

Das Vorgehen der Verantwortlichen in Melbourne hat freilich nichts mehr mit Selbstbewusstsein und Stärke zu tun. Angesichts der weltweiten Entwicklungen war das Hinhalten und Abwägen der (finanziellen) Interessen schlicht fahrlässig. Ein Blick über das Fahrerlager hinaus hätte genügt, um zu erkennen: Bei einem Virus mit exponentieller Ausbreitungsrate sind Maßnahmen - so drastisch sie seien mögen - selten zu früh, aber sehr oft zu spät.

Kaum besser reagierte eine zweite Sportart, die sich mit ihrer Professionalität rühmt: Die PGA-Tour der Golfer stellte den Spielbetrieb erst ein, als die Auftaktrunde beim jüngsten Turnier in Florida schon im Laufen war. Gerade im Golf sind die Zuseher besonders nahe am Geschehen, vom Durchschnittsalter gar nicht erst zu reden.