© Lukas Beck

Gastkommentar
03/09/2020

Coronavirus: Bitte leben wir doch einfach weiter!

Der Landarzt und Buchautor Günther Loewitt plädiert für einen nüchtern(er)en Umgang mit der Epidemie

Angst schwächt das Immunsystem und macht daher anfälliger, auch für das „Coronavirus“ COVID-19.

Wenn man bedenkt, dass in Österreich pro Jahr rund 250.000 Menschen an der Influenza erkranken und 1.500 an den Folgen sterben, beschleicht mich das Gefühl, dass es sich bei COVID-19 derzeit eher um einen medialen Hype, als um eine existenzbedrohende Gefahr handelt.

Stellen Sie sich einmal vor, wir würden täglich jeden neuen Schnupfen und Halswehfall in den Medien vorgezählt bekommen. Oder jeden Verkehrstoten. Behalten wir also die Relationen im Auge. Wo es positive Testergebnisse gibt, gibt es so gut wie sicher auch andere Erkrankte. Nämlich jene 80 Prozent, bei denen die Krankheit unsichtbar oder wie eine harmlose Grippe verläuft. Sie werden nicht getestet, weil sie medizinisch unauffällig sind.

Kaum durchführbar

Wer die Ausbreitung wirklich stoppen wollte, hätte beim Auftreten der ersten Fälle in Norditalien die Grenze dicht machen müssen. Für Auto, Lkw, Zug, Flugzeug und den Virus selbst. In einer westlichen Demokratie sind solche Maßnahmen kaum durchführbar.

Irgendwann werden wir akzeptieren müssen, dass sich COVID-19 außerhalb unserer Kontrollnormen bewegt. Wenn mich der Minister um meine Meinung fragen würde, würde ich ihn darüber aufklären, dass wir eine weitere, vielleicht gefährliche, aber die Gesellschaft nicht existenziell bedrohende Grippewelle durchmachen. Ob wir wollen, oder nicht. Aber: kein Vergleich zur Pest! Bislang kann die ausgebliebene Katastrophe ungestraft als politischer Erfolg dargestellt werden.

Mein Plädoyer an die Medien: Deeskalation und Wiederholung der sinnvollen Hygienemaßnahmen! Abstand halten, auf das Wangenbussi verzichten, Hände 40 Sekunden mit Seife waschen, Zimmer lüften und hinaus an die frische Luft. Wer krank ist, soll zu Hause bleiben

Die stärkste medizinisch-therapeutische Waffe gegen das Virus bleibt das individuelle Immunsystem. Maßnahmen wie ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung, weniger Nikotin und Alkohol, ein paar Tage Urlaub, emotionales Wohlbefinden und Selbstvertrauen stärken das Immunsystem. Wer viel trinkt wird eine feuchte gut genährte Schleimhaut haben, und die ist immer noch der beste Schutz vor einer Infektion. Bitte leben wir doch einfach weiter. Vergessen wir außerdem nicht, dass die Sterblichkeit des Menschen immer 100 Prozent beträgt. Bis es für jeden von uns soweit ist, gilt aber: leben, erleben und überleben. Irgendwann wird auch das eigene Sterben dazugehören. Aber jetzt noch nicht!

Zum Autor: Der niederösterreichische Landarzt hat das Buch „7 Milliarden für nichts“ veröffentlicht. Darin rechnet er mit dem heimischen Gesundheitssystem ab.