© APA - Austria Presse Agentur

Leitartikel
11/24/2020

Corona-Krise: Zerreden jeglicher Maßnahmen hat gerade Hochblüte

Wenn es darum geht, Gründe zu finden, warum etwas nicht möglich ist, haben wir auch in der Corona-Krise nichts verlernt - leider.

von Martin Gebhart

Mit den  geplanten Massentestungen betritt die Bundesregierung wahrlich kein Neuland. Die Slowakei und Südtirol haben so ein Projekt zur Eindämmung der Corona-Pandemie bereits durchgezogen und sind dabei nicht auf die Nase gefallen. Bei uns hat die Ankündigung gereicht, um eine Diskussion auszulösen, die in der Sekunde jedes Detail dieser Aktion infrage stellt und zerredet, noch bevor die exakte Umsetzung überhaupt auf dem Tisch liegt. Da rücken  Fragen zur Freiwilligkeit, zur Umsetzbarkeit oder zum Umgang der Regierung mit Informationen sofort in den Vordergrund und überdecken das gemeinsame Ziel, einen wichtigen Schritt im Kampf gegen Covid-19 zu setzen.

Dieses Zerreden jeglicher Maßnahmen erlebt gerade jetzt  eine Hochblüte. Das war beim ersten Lockdown noch nicht so, da hat der erste Schock  über die Pandemie geeint – auf allen Ebenen.

Mittlerweile liefern sich verschiedenste Gruppen einen Wettlauf um die bessere Analyse, warum etwas nicht möglich sein  kann oder nicht sinnvoll ist.  Bezogen auf die Massentestungen lieferte etwa Wiens SPÖ-Gesundheitsstadtrat   Peter Hacker öffentlich eine mit negativem Unterton behaftete Fragenliste zu einem Zeitpunkt ab, als die Besprechung zwischen der Bundesregierung und den Landeshauptleuten noch gar nicht stattgefunden hatte. Weitere Beispiele  gibt es auch im Bereich der Wissenschaft und der Verwaltungsbehörden.

Um nicht missverstanden zu werden:  Es geht nicht darum, alles kritiklos hinzunehmen. Aber zwischen berechtigter Kritik und dem  Zerreden einer Aktion  ist ein haushoher Unterschied. Im ersten Fall kann am Ende eine verbesserte Version stehen, beim Zerreden hingegen wird ein Thema nur nach unten gezogen. Und manchmal verschwindet es dann ganz. Das beste Beispiel dafür ist die Stopp Corona-App. Dieses digitale Hilfsmittel für ein gezieltes Contact Tracing wurde so lange durch den verbalen Fleischwolf gedreht, bis selbst die Bundesregierung das Interesse daran verloren hatte. Mittlerweile wissen wir, dass es zu einem entscheidenden Instrument werden hätte können. Vor allem jetzt, da das Contact Tracing den Behörden  völlig entglitten ist.

Ein Mitglied des österreichischen Krisenstabes hat sich die Massentestungen in Südtirol angesehen  und war danach  begeistert, wie  gut die Achse Bevölkerung, Freiwilligenorganisationen und Gemeinden bei der Umsetzung funktioniert hat, wie unaufgeregt und konsequent alles abgewickelt worden ist. Ähnliches wird  im Dezember von den Menschen auch in Österreich erwartet. Bund, Länder und Gemeinden können da beweisen, wie stark sie sind, wenn sie gemeinsam gegen das Virus antreten. Das Gegenteil haben sie uns ja bereits mit der Corona-Ampel vorgeführt.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.