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Leitartikel
10/05/2021

CDU, oder: Alles ist weg

Die einst stolze Unionspartei bietet ein Bild des Jammers – daran ist nicht nur die immer traurigere Figur Armin Laschet schuld

von Andreas Schwarz

Der große Bruder Deutschland wurde hierzulande immer schon missgünstig bis bewundernd/neidvoll beäugt. Die Vorbildzeiten sind längst vorbei. Lernen kann man im Moment allenfalls politisch etwas: Wie sich große Parteien langfristig selbst zerstören können.

Erst waren es die Sozialdemokraten, die nach der Ära Schröder ins Bodenlose fielen. Orientierungslos und ohne Ahnung, wofür sie steht, verbrauchte die SPD mehr als zehn Parteivorsitzende, verlor Wahl um Wahl, war politisch scheintot (okay, da hat sich die SPÖ auch was abgeschaut).

Nun hat es die einst so stolze CDU erwischt. 50 der vergangenen 70 Jahre hat sie den Kanzler bzw. die Kanzlerin gestellt – jetzt ist da einer, der die Wahlen krachend verloren hat und nicht wahrhaben will, dass es besser wäre, den Traum vom Kanzleramt fahren zu lassen. Armin Laschet, der am Dienstag mit den Grünen sondierte, ob sich doch noch eine Jamaika-Koalition ausgeht, gilt zwar als Stehaufmännchen, das noch nach jeder Krise obenauf war – aber diesmal wirkt er wie der Ritter von der traurigen Gestalt, der den feindlichen Riesen Machtverlust vernichten will.

Dass die Union die Wahlen mit 24,1 Prozent der Stimmen, dem schlechtesten Ergebnis der Geschichte, verloren hat, ist nicht Armin Laschets Schuld allein – obwohl zunehmend CDU-Abgeordnete ihn als Ursache festnageln (einer sprach von drei Gründen für die Niederlage: „Laschet, Laschet, Laschet“). Nein, die CDU und mit ihr die CSU sind dort angekommen, wo große Volksparteien anderswo längst sind. Weil das Parteienspektrum größer geworden ist, die Stammwähler einer Wählerfluktuation gewichen sind, die ideologischen Grenzen verschwimmen, die Anziehungskraft verloren gegangen ist – es sei denn, sie haben jemanden, der selbst ernannt scheinbar über Wasser geht.

In Deutschland war das, auf ihre Art, Angela Merkel. Sie hat die Partei getragen, ohne sich weiter um sie gekümmert zu haben. Der Merkel-Effekt ist weg. Die politische Orientierung der in der Mitte gelandeten CDU ist schon lange weg. Damit ist auch der Wahlerfolg weg.

Diesen drei „Weg“s ist ein jahrelanger Prozess der Selbstzerstörung in Form eines Kandidaten-Rodeos um Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur voraus gegangen. Die immerselben Verdächtigen (Friedrich Merz & Co.) stehen auch jetzt bereit, Armin Laschet beim Fallen nachzuhelfen. Schließlich fürchtet man vier Landtagswahlen im kommenden Jahr.

Der SPD hat Glück aus ihrem Tief verholfen (schwache Gegner, selbststilisierter Merkel-Nachfolger Olaf Scholz, der die Partei versteckte); „erneuert“ hat sich die Partei nie. Vielleicht muss auch die CDU auf Glück hoffen. Vielleicht versucht sie sich am platten Begriff „Erneuerung“. Nur mit der falschen Person, Laschet, am falschen Ziel, dem Machterhalt, festhalten, das ist politischer Selbstmord mit Anlauf.

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