© Laila Daneshmandi

über Piano Medicine
03/28/2014

Tiefenentspannung im Takt

Klavierkonzerte sind zum Gähnen? Beim Schlafkonzert darf und soll man einnicken – und entschleunigen.

von Laila Daneshmandi

Am Ende des Konzerts erwache ich, als hätte ich mich zum ersten Mal seit Langem ausgeruht.

Mag. Laila Daneshmandi | über Piano Medicine

So schön ich Klavierkonzerte finde, im Laufe eines Konzertabends fallen mir die Augen immer wieder zu – egal, wie schön die Musik ist oder wie unbequem die Sessel sind. Ich müsste mir schon die Lider ankleben, damit das nicht passiert.

Da scheint das Schlafkonzert des Pianisten Joe Meixner perfekt für mich. Einmal wöchentlich lädt er in das geschmackvoll eingerichtete Kellergewölbe der Neuen Wiener Werkstätte in Wien-Währing – hier sucht sich jeder Zuhörer eine bequeme Liegecouch aus, deckt sich mit einer flauschigen Decke zu und darf zu Meixners „Piano Medicine“ dösen (www.pianomedicine.com, das Schlafkonzert kostet 19 Euro).

„Schaltet eure Augen aus, das Ohr wird euer Segelboot“, sagt er zur Einführung und zitiert den Philosophen Lorenz Oken: „Das Auge führt den Menschen in die Welt, das Ohr führt die Welt in den Menschen.“

Das einstündige Konzert ist nach musikmedizinischen Erkenntnissen komponiert und soll Tiefenentspannung bewirken. Meixner spielt die Tasten bewusst behutsam, im Rhythmus des Herzschlags – stets in der Balance zwischen Dur und Moll, um durch die Stimmung der Musik keine emotionale Richtung vorzugeben.

Abschalten auf Tastendruck war noch nie meine Stärke – sobald ich die Schlafmaske aufsetze, schießen mir wie immer tausend Gedanken durch den Kopf: Arbeit, Erledigungen, Termine. Ich will die Zeit nutzen, die Gedanken zu sortieren, doch sie rinnen mir wie Sand durch die Finger. Ich kann beim besten Willen nicht an ihnen festhalten. Wie in Trance schaltet sich mein Gehirn ab, und als Joe Meixner aufhört zu spielen und zum Abschluss sanft einen Gong ertönen lässt, erwache ich, als hätte ich mich zum ersten Mal seit Langem ausgeruht. In der darauffolgenden Nacht habe ich so gut und tief geschlafen wie schon lange nicht.

Fazit: Meeresrauschen, Dschungel-Wirrwarr und Esoterik-Gedudel können mir gestohlen bleiben. Beim Schlafkonzert gibt es Massage für die Seele und Erholung für den Geist, um wieder zu einem entspannten Rhythmus zu finden.

Effekt:

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