Meinung | Bodyblog
09.09.2017

Kieser: Training mit Geschichte

Warum das Konzept zur Stärkung des Rückens im Test alle anderen Fitnessketten abgehängt hat.

Bei den anderen braucht es einen Abschluss in Hieroglyphologie, um die Illustrationen zu verstehen.

Mag. Laila Daneshmandi | über Kieser Training

Ich weiß gar nicht, wie oft ich im Fitnesscenter schon neugierig von einer Maschine zur nächsten geschlichen bin – manche sind selbsterklärend, bei den anderen braucht es einen Abschluss in Hieroglyphologie, um die Illustrationen zu verstehen. Mitunter ist es mir passiert, dass sich ein Betreuer erbarmt hat, mir zu erklären, dass dieses Trainingsgerät nicht für die Arme, sondern für die Beinmuskeln gedacht ist. "Achja, äh, ich wollte nur...ach so, aahh... danke!"

So ähnlich war auch das Ergebnis einer großen Testaktion der Stiftung Warentest in Deutschland: Die Studios bieten meist moderne Geräte an, die darauf warten, angeschwitzt zu werden. Es gibt Saunas, Pools und sogar Spa-Bereiche. Aber die Betreuung ist ein Drama – und ohne richtige Anleitung drohen Fehlbelastungen, Schäden an den Gelenken und folglich Schmerzen.

Testsieger ist das Kieser Training, das vor 50 Jahren vom Schweizer Werner Kieser entwickelt wurde. Als Jugendlicher hatte er sich im Boxring das Rippenfell gequetscht und setzte sich mit Krafttraining auseinander, um schneller wieder fit zu werden. Das Wort "Krafttraining" gab es damals im deutschen Wortschatz übrigens noch gar nicht.

1966 öffnete das erste Kieser-Studio in Zürich. Inzwischen trainieren weltweit 273.000 Menschen nach der Methode. Kiesers Credo: Zwei Mal 30 Minuten pro Woche reichen. Bei der Einführung werden zuerst Ziele und Beschwerden erhoben, daraus wird einen Plan mit genauen Angaben erstellt: welches Gerät, welche Einstellungen, wie viele Wiederholungen. Die ersten drei Trainings werden begleitet, nach dem zehnten gibt es einen Termin beim Arzt, der kontrolliert, ob alles nach Plan läuft (ab 65€/Monat, kieser-training.at). Bei so einer Betreuung hat man quasi einen Dolmetscher für die Geräte-Hieroglyphen – da passiert es auch nicht, dass man die Bein-Maschine zum Armtraining nutzt.

Fazit:

Für Sportler nach Plan und Rückenschmerz-Geplagte. Ein gut durchdachtes System, das darauf spezialisiert ist, die Muskulatur im Rücken zu stärken. Das Ausdauertraining kommt jedoch etwas kurz.