Meinung | Bodyblog
02.12.2017

Gewalt statt Verteidigung beim Zielpunkt-Training

. © Bild: Kurier/Juerg Christandl

Warum ein aggressiver Gegner nur abgewehrt werden kann, wenn man selbst zum Täter wird.

Es geht darum, den Gegner auszuschalten.

Mag. Laila Daneshmandi | über Zielpunkt-Training.

Dieser Workshop hat meine Einstellung zu Selbstverteidigung verändert: Es ist schön und gut, wenn ich lerne, Schläge abzuwehren und Angriffen auszuweichen. "Wenn man den Gegner nicht ausschaltet, gerät er dadurch aber allenfalls in Rage", erklärt Jens Misera. "Die übliche Kneipenschlägerei lässt sich in der Regel ohne körperliche Auseinandersetzung lösen." In seinem 2-Tages-Workshop zeigt der Sicherheitsexperte, was hilft, wenn Reden keine Option mehr ist – und das mit relativ radikalen Methoden. Bei seinem Selbstschutz-Training geht es darum, Zielpunkte beim Gegner zu zerstören – im wahrsten Sinne (Kurs ab 330 €, www.zielpunkttraining.com).

Jens beginnt mit der Theorie und zeigt Videos von Gewaltverbrechen – hier wird schnell klar, dass man mit herkömmlichen Selbstverteidigungstechniken nicht weit kommen würde. "Von Spuren, die getötete Vergewaltigungsopfer hinterlassen haben, weiß man, dass sie ihre Täter oft im Gesicht gekratzt haben – sie sind aber nie auf die Idee gekommen, ihnen den Daumen bis zum Anschlag ins Auge zu drücken", erklärt Jens. Klingt radikal, ist aber wohl zugegeben effektiv.

Deshalb zeigt er im zweiten Teil, welche Zielpunkte es am menschlichen Körper gibt und welche Verletzungen was auslösen – das reicht vom Tritt zwischen die Beine ("genügt nicht, um ihn auszuschalten") über den Bruch des Knöchels bis hin zum Tritt auf die Luftröhre ("kann tödlich sein"). Im Praxisteil mit Übungen im Zeitlupentempo überkommt mich beim Gedanken, jemanden so zu verletzen, ein Schauer.

Selbstverteidigungskurs © Bild: Kurier/Juerg Christandl

Für Jens sind das angelernte Hemmschwellen, die es im Extremfall zu überwinden gilt. Dafür braucht es keine jahrelangen Trainings – "das hat man in sich, man muss es nur zulassen". Ihm geht es aber auch um Bewusstsein, dass Gewaltsituationen immer böse enden können – im Falle des Falles lieber für den anderen.

Fazit:

Wie ein Erste-Hilfe-Kurs für Gewaltsituationen. Statt sich passiv zu verteidigen, lernt man hier, einen Angreifer aktiv auszu- schalten. Jens zeigt Techniken, die man hoffentlich nie einsetzen muss – die aber effektiv sind, wenn man sie braucht.

Effekt: