Privat Andreas Bovolino

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Let There Be Rock, Teil 7
02/22/2016

Semmelprofis

von Andreas Bovelino

Hab ich letztens tatsächlich meinen redaktionellen Lieblingskollegen P. als musikalischen Amateur bezeichnet? Ich fürchte ja, das hab ich. Mit welcher Berechtigung ich solche diminuierenden Äußerungen von mir gebe, wollte ein Leser wissen. Ob ich denn so etwas wie eine europäische Version von Kanye West sei. Ganz ehrlich: Nein, das bin ich nicht. Ich hab natürlich ein wenig provoziert, aber ich schwöre: Mein Lieblingskollege P. war nicht eine Sekunde bös auf mich. Und dann ist es ja schon so, dass meine Jungs und ich, zumindest für eine kurze, glanzvolle Zeit unseres Lebens veritable „Semmelprofis“ waren, um es mit dem ehemaligen Shoot The Dog-Bassisten Don Rosso zu sagen. Also ursprünglich hat er schon „Semiprofi“ gesagt oder zumindest gemeint, weil wir so vor 22 Jahren doch einen ganz guten Lauf gehabt haben. Die frühen 90er des letzten Jahrhunderts waren für Gitarrenbands eine Blumenwiese, jeder Kulturverein in Unter- und Über-Kikeriehofen sah sich verpflichtet, der örtlichen Jugend wenigstens einmal im Monat ein Konzert zu bieten, FM4 sorgte dafür, dass österreichische Bands plötzlich österreichweit bekannt wurden - und man hatte als Musiker jede Menge Beschäftigung. Auch jede Menge durchaus skurrile Gigs im Pfarrsaal oder beim Fleischer oder im Wirtshaus zur Post - aber dazu vielleicht ein andermal ein weinig mehr.

Jetzt ist Senor Rosso aber wie ich auch aus dem Wilden Westen unseres schönen Landes, und wenn wir „Semmel“ sagen, hat das hin und wieder ein bissl was Gedehntes. Als er also "Semi" hörte, meinte unser britischer Schlagzeuger Mark Mobley, der von uns jahrelang sprachlich korrumpiert worden war - jaja, "Ochkatzlschwoaf!" - etwas perplex: "What the f... is a Semmelprofi?" Und so ist uns das geblieben...

Noch ein Gedanke zu den sogenannten "Musikformaten" im Fernsehen, in denen "Musikstars" der Zukunft gesucht werden. Niemand, den ich damals kannte - und auch niemand, den ich seither durch meine Arbeit als Musikjournalist kennenlernte - wollte jemals einfach so ein "Star" werden. Es ging in erster Linie tatsächlich darum, Musik zu machen. So einfach kann das sein. Mein persönlicher Traum im Zusammenhang mit der Musik war es, irgendwann einmal davon leben zu können, wie es ein Postbeamter oder ein Mann der Ziegelsteine zu einem Haus aufeinandertürmt oder vielleicht ein Bankangestellter tut. Er hat sich nicht erfüllt. Ich freue mich allerdings heute so wie damals für jeden, der es schafft.

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