Halbhubers Weltreise: Let's talk about you

Foto: KURIER.at/halbhuber

Warum reden wir eigentlich immer von mir? Vielleicht weil meine Emotionen in Hanmer Springs schon wieder durchgegangen sind.

Auf einer langen Reise wirst du deine Emotionen nie los: Sie sitzen auf dem Beifahrersitz, wenn du die Küstenstraße entlang der glitzernden Abel Tasman Sea fährst. Sie schlendern mit dir Eis schleckend über den Oriental City-Beach in Wellington. Sie schlagen Purzelbaum, wenn nach 161 Tagen fern von daheim dein ältester Freund zu Besuch kommt. Denn das fühlt sich genauso an, wie es klingt. Aber vollends zügellos gaben sich meine Emotionen dem Jazz- , Blues- und Gospel-Festival in Hanmer Springs hin. Denn auch das fühlt sich so an, wie es klingt.

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Der ehemalige Kur- und Trinkerheilort Hanmer Springs liegt im nördlichen Drittel der Südinsel Neuseelands. Genau mittig, vielleicht ein bisschen näher beim Pazifischen Ozean als am Tasmanischen Meer, jedenfalls aber fernab dem Küstenkitsch, in den Bergen. Für mich lag es am Weg und was am Weg liegt, erweckt nie übermäßige Erwartung. Klar, wenn ein Ort mit Nachnamen Springs heißt, hoffst du immer, dass diese Quellen warm sind und sich ein ruhiger Platz findet, um den Bauch in die Sonne zu strecken. Und tatsächlich, Hanmer Springs liegt wunderschön in den Alpen, man kann einiges unternehmen und die Quellen sind für einen Tag eine feine Abwechslung. Da hätte es gar nicht die Premiere des künftig jährlichen Hanmer Springs Jazz/Blues/Gospel-Festivals gebraucht, um eine Gaudi zu haben.

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Ich weiß nicht, was sich die Veranstalter erhofft haben. Aber sie schienen mit den rund 400 Menschen, die am Abend vor der Hauptbühne im Gras lagen, zufrieden. Ich dachte zuerst Flop, weil die erste Reihe mit zwanzig Meter Respektabstand zur Bühne. Flop, weil mehr Familienpicknick als Birneraustanzen. Flop, weil Vierhundert statt Viertausend. Aber da sieht man wieder: Neuseeland tickt da anders, es ist ruhiger, weniger gedrängt und außer am Bungee-Seil wenig durchgeknallt. Denn der Blues- und Countryheld auf der Bühne schien ehrlich berührt, als die Menschen nach seinem Lied gepflegt klatschten als wären sie in der Philharmonie. Seine rauchige Stimme passte zu den langen Haaren, die sich in den Fransen der Lederjacke verfingen. Beides passte nicht zum gediegenen Publikum. Das war berührend, eindrucksvoll und schön.

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Aber auch sein Johlen hatte ein Ende und dann kam Hot Club Sandwich. Die drei Herren machen Musik, die irgendwo zwischen Dixieland, Gitarrenstunde und Musikkabarett verschwimmt. Und Texte, die in ihrer gesamten Komik hinhauen. Zum Beispiel eines, das "Let's talk about me" heißt und Menschen parodiert, die immer nur über sich reden.

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Die Zeilen dieser Nummer rotierten tagelang in mir, zwischen Hirn und Gehörgang. Im wunderbaren Kaikoura, wo man entspannte Seelöwen aus einem halben Meter studieren kann. Beim spektakulären Tongarirro Crossing, einer Wanderung beim Vulkan Ngauruhoe, der in Herr der Ringe den Schicksalsberg mimte. Beim Entspannen im malerischen Örtchen Whanganui. Wo mir erstens der Tischler in der Arbeitspause viel erzählte, ich nur die Hälfte verstand und ihn schlussendlich doch überzeugen konnte, dass Neuseeland nicht primitiv sei und wenn, dann auf eine unglaubliche charmante Art. Und wo ich zweitens nicht fassen konnte, dass schwarzer Sand wirklich pechschwarz ist. Oder jetzt gerade wieder in Wellington, wo meine Emotionen und ich uns das Eis teilen.

Und sehen Sie: Wir sprechen nur über mich. Wieso? Keine Ahnung. Let's talk about you?

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Die Route bisher: Wien - Madrid (Spanien) - San José (Costa Rica) - Tortuguero - Puerto Viejo - Manzanillo - Vulkan Arenal - Monteverde - San Juan del Sur (Nicaragua) - Isla Ometepe - Granada - SOS Kinderdorf Santa Ana (El Salvador) - Quezaltenango (Guatemala) - Puerto Arista (Mexiko) - Oaxaca - Mexiko City - Lima (Peru) - Paracas - Nasca - Arequipa - Puno/Titicacasee - Isla Amantani - Cusco - Machu Picchu - Lima - Punta Arenas (Chile) - Tierra del Fuego, chilenischer Teil - Ushuaia (Argentinien) - Isla Carlos III. (Chile) - Puerto Natales - Torres del Paine - El Calafate (Argentinien) - Buenos Aires - Mendoza - Valparaiso (Chile) - Santiago de Chile -

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Auckland (Neuseeland) - Wellsford - Ngunguru - Tutukaka - Kawakawa - Paihia - Kaitaia - Cape Reinga - Matakohe - Tauchkurs in Tutukaka - Peninsula Coromandel - Auckland - Taupo - Napier - Wellington - Fähre auf die Südinsel - Picton - Takaka - Kaiteriteri - Punakaiki - Arthur's Pass - Christchurch - Twizel - Aoraki/Mount Cook - Dunedin - Te Anau - Milford Sound - Queenstown - Wakana - Franz Josef - Hanmer Springs - Kaikoura - Fähre auf die Nordinsel - Paraparaumu - National Park - Tongariro Crossing - Whanganui - Wellington, nächstes Ziel: Rotorua.

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Schnäppchen dieser Tage: Die Wanderung um den Schicksalsberg ist wunderschön und gratis. Kein Nationalpark-Eintritt, keine Weggebühren. So gratis, dass die einzige Hütte am Weg nicht bewirtschaftet ist und man nicht einmal da Geld ausgeben kann, selbst wenn man will.
Nepp dieser Tage: Die vulkanischen Attraktionen von Geysir bis Schwefelgatsch entlang des Thermal-Highways 5 verlangen als erste meiner besuchten Neuseeland-Sights Eintritt. Was aber schlimmer ist: Sie sperren konsequent um 17 Uhr zu. In der Hauptsaison, im Sommer.

(kurier / Axel N. Halbhuber) Erstellt am
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