Halbhubers Weltreise: Last Minutes, Sydney

Halbhubers Weltreise: Last Minutes, Sydney © Bild: KURIER.at/halbhuber

In Sydney fiel mir wieder einmal auf, dass ich manchmal etwas wuggi bin. Gott sei Dank bin ich damit nicht allein.

Es verstreichen gerade die letzten Stunden auf roter Erde. Nach dreieinhalb Monaten Lateinamerika und knapp drei Monaten Neuseeland und Australien beginnt morgen Früh die zweite Hälfte meiner Weltreise. Und ich freue mich darauf: Auf Tokyo, wo es wuselt. Auf Japan, wo mir eine völlig fremde Kultur um die Ohren fliegen wird. Auf Asien, dem abenteuerlichsten der besuchten Kontinente, nicht zuletzt weil das Europäisch-Westliche dort in der Geschichte nie den Durchbruch geschafft hat.

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Diese letzten Stunden verbringe ich vor allem im Raucher-Vorgarten des Youthhostels im Stadtteil Glebe, umringt von Iren und Nordengländern. Sie sprechen untereinander und erinnern mich so daran, dass ich nach Spanisch auch Englisch noch immer nicht richtig verstehe. Ich schaue auf die schmuckvollen Einfamilienhaus-Fassaden dieses Teils von Sydney, der so gar nicht für das große Ganze steht. Denn Sydney, ach wissen Sie, es ist schwierig. Wenn man mit Leib und Seele eine europäische Großstadt bewohnt. Wenn man auf seinen Reisen Mexiko City bewundert und mit Buenos Aires eine Romanze begonnen hat. Dann tut man sich schwer. Nicht, dass mir Sydney nicht gefällt. Diese Stadt ist für mich die schönste unter allen modernen Skyline-Globalisierungsmetropolen. Und wow, die Stadtstrände Bondi und Manly sind zurecht weltberühmt. Die Art, wie diese Stadt ihren Hafen umarmt, ist wunderbar. Und wie sie jedem noch so Verrückten seine Nische lässt, herrlich. Das Leben, der Puls, die Einwanderer… großartig. Sie merken schon: Ich habe mich nicht verliebt.

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Denn irgendwie ist Sydney für mich doch nur der Einäugige unter den Blinden. Das geringste Übel unter den Städten, die belanglos und doch einen Besuch wert sind. Wo die Hochhäuser stehen, Gebäude mit Ecken aber ohne Kanten. Wo das exotische Essen immer mit zu viel Zugeständnis an lokale Geschmäcker gekocht wird. Sydney ist wie seine Oper: Die ist weltberühmt und mit Abstand das meistfotografierte aller Opernhäuser. Nur seine Akustik versucht man seit Jahren erfolglos zu verbessern, erzählen Einheimische. Form und Inhalt, ein leidiges Thema. Neinnein, Sydney sollte man schon einmal besuchen. Nur einfach keine Bewusstseinsänderung erwarten. Jetzt bin ich schon wieder im kritischen-negativen Denken. Dabei sagen mir so viele, ich möge das lassen. Es ist halt nur, ich kann halt nicht. Man sagt ja nix, man red't ja nur davon. Und man müsste ohnehin hier leben, um es zu verstehen. So wie überall. Wie beim Tauchen: In zehn Minuten siehst du gar nix, du musst länger und tiefer, um die Schildkröte zu sehen. Oder den Hai. Apropos: Die Bilder des Great Barrier Reefs gibt es als Link unter diesem Text. Verzeihen Sie mir mein Denken. Es ist blockiert durch diesen Satz: "Der Reisende sieht, was der Reisende sieht. Der Tourist sieht, wofür er gekommen ist." Und heißa, die Reisenden gefallen mir. Wie es ihnen oft passiert, wie es ihnen manchmal nicht gefällt und sie immer das Beste daraus machen. Wie sie sich im Regen duschen, weil in der Dusche die Spinne sitzt. Denn wo das Leben eines Reisenden beginnt, hört jeder Reisebericht auf. Auch der von Australien.Sabine isst bei der Dschungel-Tour grüne Ameisen, obwohl sie beim Essen heikel ist.Frauke schläft in einem Zimmer mit Riesenspinne, obwohl sie mal von einer gebissen wurde.Le erfüllt sich seinen großen Wunsch und spielt in Brasilien bei einer Karneval-Band mit.Andi fährt mit dem Zipflbob den Schicksalsberg hinunter, obwohl ihm alle abraten.Eberhard mag Gewohntes und probiert dennoch mal was Neues.Stefan hatte ein Jahr Australien geplant, fliegt aber nach nur sieben Wochen Richtung Bangkok. Meine Freundin Katrin versucht das Tauchen, obwohl ihr das große Blau ungeheuer ist.

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Die Route bisher: Wien - Madrid (Spanien) - San José (Costa Rica) - Tortuguero - Puerto Viejo - Manzanillo - Vulkan Arenal - Monteverde - San Juan del Sur (Nicaragua) - Isla Ometepe - Granada - SOS Kinderdorf Santa Ana (El Salvador) - Quezaltenango (Guatemala) - Puerto Arista (Mexiko) - Oaxaca - Mexiko City - Lima (Peru) - Paracas - Nasca - Arequipa - Puno/Titicacasee - Isla Amantani - Cusco - Machu Picchu - Lima - Punta Arenas (Chile) - Tierra del Fuego, chilenischer Teil - Ushuaia (Argentinien) - Isla Carlos III. (Chile) - Puerto Natales - Torres del Paine - El Calafate (Argentinien) - Buenos Aires - Mendoza - Valparaiso (Chile) - Santiago de Chile - Auckland (Neuseeland) - Wellsford - Ngunguru - Tutukaka - Kawakawa - Paihia - Kaitaia - Cape Reinga - Matakohe - Tauchkurs in Tutukaka - Peninsula Coromandel - Auckland - Taupo - Napier - Wellington - Fähre auf die Südinsel - Picton - Takaka - Kaiteriteri - Punakaiki - Arthur's Pass - Christchurch - Twizel - Aoraki/Mount Cook - Dunedin - Te Anau - Milford Sound - Queenstown - Wakana - Franz Josef - Hanmer Springs - Kaikoura - Fähre auf die Nordinsel - Paraparaumu - National Park - Tongariro Crossing - Whanganui - Wellington - Rotorua - Auckland - Sydney (Australien) - Blue Mountains - Cairns - Great Barrier Reef - Cape Tribulation - Sydney, nächstes Ziel: Tokyo (Japan).Schnäppchen dieser Tage: Wenn Sie nach Sydney kommen, dann wohnen Sie am besten außerhalb der Central City, essen Sie außerhalb der Central City und überhaupt. Die Vierteln rundherum sind urgemütlich und preislich normal.Nepp dieser Tage: Das Restaurant "Shop 297" am Darling Harbour ist witzlos und sauteuer. Der Shop 298 auch. Diese Essensmeile ist gekünstelt, touristisch und dabei vollkommen geschmacklos. Nur der Ausblick auf die City ist schön. Aber nehmen Sie sich ein Sandwich mit.

Erstellt am 05.12.2011