Halbhubers Weltreise: Das Land, die Leute

Morgenstimmung, Halong Bay
Foto: KURIER.at/halbhuber

Man müsste die Ha Long Bay vor zehn Jahren besuchen. Oder zumindest jetzt gleich.

Ich schreibe jetzt nur, weil ich einen Vorwand brauche. Zu meinem Tisch gesellte sich vor zehn Minuten der Engländer Simon. Es ließ als gutes Gespräch an. Seitdem trank Simon zwei Flaschen Bier, erörterte die Geschichte des britischen Königsreiches ("we were also bastards, but better than the Spanish"), raubte mir zwei Marlboro und war am Dialog nicht interessiert. "Yes, yes" (sprich: "Jo eh"), murrte er, wenn ich etwas sagte und fuhr fort. Ich fasse ihn kurz zusammen: Neun Monate verbrachte er gerade im Hotel seiner Freundin an Kambodschas Küste, gefallen haben ihm in dem Land vor allem die kleinen Dörfer. Und Tauchen sei dort nichts, der beste Tauchplatz der Welt sei ohnehin Sumatra, dort war er, dort tauchte er, dort begegnete er tiefreligiösen Moslems. Die leben dort schon seit 2000 Jahren und vertreten seitdem ihre Religion, von der ich bislang dachte, sie sei erst 1400 Jahre alt. How always ever, Simon, trink du noch ein Bier, ich muss jetzt arbeiten.

Morgenstimmung, Halong Bay Foto: KURIER.at/halbhuber Morgenstimmung, Halong Bay

Bei mir schlägt der freundliche aber fetzenfade Brite in eine vorhandene Kerbe: Nach fast einem Monat Reisen im aufgekommenen und weiter-kommenden Backpacker-Paradieses (sprich: uferloses Wachstum) Vietnam mag ich wieder mal weg von ihnen. Nicht dass sie mir Böses täten, es ist nur so unfassbar langweilig mit den meisten. Sie machen Party, sie staunen über das Billig, das nicht billig genug sein kann, sie sagen Wow ohne nach Hintergründen zu fragen. Sie palavern und philosophieren über die Menschen, denen sie Armbänder abkaufen und sich ihnen so verbunden (sprich: zugehörig) fühlen. Sie waschen sich ihre Füße nicht, den Einheimischen gleich haben sie pechschwarze Sohlen. Das kommt von den FlipFlops, die sie immer tragen, auch wenn sie den höchsten Hügel der Cat Ba Island beklettern. Sie maulen, dass man den Weg kennzeichnen müsse, kehren aber nicht um. Sie bekleiden sich mit Trägerleibchen, die Mädchen übersehen dabei, dass übergehende Dekolletes den Vietnamesen unangenehm sind. Die Buben, dass ich im Bus bei aller Freiheit nicht an ihre schwitzenden Oberarme streifen will. Für sie ist es die eigenartige Flucht aus der Zivilisation, der Freiheitsgedanke, ich sagte es schon einmal: 68er-Generation, Rock 'n' Roll-Generation, Backpacker-Generation, eine logische Geschichte. Sie zelebrieren ihre Einfachheit. Und übersehen dabei, dass die Vietnamesen sich schon gerne öfter duschen wollten, allein es fehlt an Wasser und Geld.

Ich klinge negativ, schon wieder. Bin ich gar nicht. Vietnam, Land und Leute, großartig. Und zwischendurch trifft man ja liebenswerte Langnasen, ein Hoch nochmal auf Lorna und Blair. Ich brauche nur einfach wieder Veränderung. Daher reisen wir übermorgen nach Laos weiter. Dort und in Kambodscha sind wir in einige SOS-Kinderdörfer eingeladen. Ich freue mich darauf, weg von Sehenswürdigkeiten hin zu Bewundernswertem.

Morgenstimmung, Halong Bay Foto: KURIER.at/halbhuber Morgenstimmung, Halong Bay

Aber davor erzähle ich noch diese eine Geschichte: In der Halong Bay (sprich: UNESCO-Welterbe) ist einer der Plätze, wo man Tourismus am besten: versteht und verteufelt. Die spitzen Kalkstein-Gupferln ragen in Tausendschar aus dem Wasser, lieb, hübsch, Postkarte, Kitsch. Nur eben zwischen den Gupferl die Sackerln. Im Meer, dem halt leider die hunderten Ausflugsboote pro Tag auch wenig bekommen, schwimmt der Müll. Auf den wenigen begehbaren Inseln wird gebaut. Und man spürt: Das kann alles nicht gut gehen.

Aber den Backpackern gefällt es: eine Nacht am Boot, das nach allen Kräften Party macht. Der Generator keucht, damit ihre Stimmen beim angebotenen Karaoke aus den dicken Lautsprechern über das Wasser der Bucht schweben. Ich lag auf dem Deck meines ruhigen Bootes (sprich: Glück) und schaute auf die beleuchteten anderen, in denen ich Tanztummel und Bar-Gaudium sah. Diese mystische Bucht wird jede Nacht von jenen entjungfert, die saufen und nicht einsehen, wieso das Bier hier plötzlich 80 Cent kosten soll, wo es am Festland doch nur 40 kostet.

Das reicht - ja, Prost, Simon - wenn ich mein Klagen selbst nicht leiden kann, wie sollen Sie mich dann? Ich hänge zur Versöhnung unten wieder einige Fotos als Galerie an. Weil schön ist es schon, dieses Vietnam. Besuchen Sie es bald!

Morgenstimmung, Halong Bay Foto: KURIER.at/halbhuber Morgenstimmung, Halong Bay

Die Route bisher: Wien - Madrid (Spanien) - San José (Costa Rica) - Tortuguero - Puerto Viejo - Manzanillo - Vulkan Arenal - Monteverde - San Juan del Sur (Nicaragua) - Isla Ometepe - Granada - SOS Kinderdorf Santa Ana (El Salvador) - Quezaltenango (Guatemala) - Puerto Arista (Mexiko) - Oaxaca - Mexiko City - Lima (Peru) - Paracas - Nasca - Arequipa - Puno/Titicacasee - Isla Amantani - Cusco - Machu Picchu - Lima - Punta Arenas (Chile) - Tierra del Fuego, chilenischer Teil - Ushuaia (Argentinien) - Isla Carlos III. (Chile) - Puerto Natales - Torres del Paine - El Calafate (Argentinien) - Buenos Aires - Mendoza - Valparaiso (Chile) - Santiago de Chile - Auckland (Neuseeland) - Wellsford - Ngunguru - Tutukaka - Kawakawa - Paihia - Kaitaia - Cape Reinga - Matakohe - Tauchkurs in Tutukaka - Peninsula Coromandel - Auckland - Taupo - Napier - Wellington - Fähre auf die Südinsel - Picton - Takaka - Kaiteriteri - Punakaiki - Arthur's Pass - Christchurch - Twizel - Aoraki/Mount Cook - Dunedin - Te Anau - Milford Sound - Queenstown - Wakana - Franz Josef - Hanmer Springs - Kaikoura - Fähre auf die Nordinsel - Paraparaumu - National Park - Tongariro Crossing - Whanganui - Wellington - Rotorua - Auckland - Sydney (Australien) - Blue Mountains - Cairns - Great Barrier Reef - Cape Tribulation - Sydney - Tokyo (Japan) - Kyoto - Hiroshima - Osaka - Hongkong (China; selbstverwaltete Region) - Macao (China; sR) - Ho Chi Minh City/Saigon (Vietnam) - Cu Chi-Tunnels - Nha Trang - Motorradtour durch das zentrale Hochland (Buon Ma Thout, Kon Tum, Tac Glei) - Hoi An - Hue - Hanoi - Halong Bay - Ninh Binh - Tam Coc, nächstes Ziel: Savannaketh (Laos).

Schnäppchen dieser Tage: Meine Tour in die Halong Bay dauerte drei Tage und kostete 90 US-Dollar (rund 75 Euro, danke Griechenland!), inklusive allem außer Getränken. Die erste Nacht am Boot, die zweite auf einer entlegenen Insel. Bei der Rückkehr in mein Reisebüro in Hanoi hörte ich zwei Rucksack-Mädchen sagen: "Too expensive… we don't need air condition… and the cheaper boat is more party… costs just 45 Dollar." Mein Tipp: Tun Sie sich das nicht an! Und: Ja, die Klimaanlage brauchen Sie!

(kurier / Axel N. Halbhuber) Erstellt am
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