H'hubers Weltreise: Nepal ist cool

Foto: KURIER.at/halbhuber

Wenn es nach neun Monaten erstmals auf der Welt kühler ist als daheim, geht die Reise zu Ende. Da kann Nepal noch so schön sein.

Nepal wird für mich immer zweierlei sein: Das Land hinter der Grenze, wenn man aus Indien kommt. Und kitschiger hätte der Film nicht ablaufen können, denn kaum hatte ich neues Land betreten, regnete es. Leicht, in dünnen, fadengleichen Tropfen und bei Sonnenschein. Aber erster Regen nach toter Dürre. Und der Visum-Beamte grüßte, plauderte, lachte. Alle lächelten und grüßten. Es fühlte sich nach meinen indischen Eindrücken wieder wie das Reiseterrain an, das ich so lieb gewonnen habe. Ein Gruß in der Landessprache öffnet Herzen. Das rührte mich.
Aber mehr als das wird Nepal für immer der Ort sein, an dem es nach neun Weltreise-Monaten erstmals wieder kühler war als in der Heimat.

Zugegeben, die erfrischenden 25 bis 30 Grad gab es erst weiter im Norden, in den Hügeln vor den Bergen. Pokhara und Kathmandu liegen auf 800 beziehungsweise 1300 Meter Seehöhe und wenn der Himmel klar ist, bieten beide ein Bergpanorama, vor dem sogar Innsbrucks Nordkette in die Knie geht. Und obwohl zu dieser Jahres-, der Regenzeit, der Himmel meist voller Wolken ist, obwohl man nur im Winter die Berge klar und immer sieht, hatte ich Glück und bekam einen der 8000er zu sehen. So ist Nepal zu mir gewesen: Freundlich, ohne sich anzubiedern.

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Doch wie gesagt, das war erst ein paar Tage später. Nach dem heilsamen Landeswechsel war ich in Lumbini, an der Grenze zu Indien, weit weg von den Bergriesen, im Terai. Das ist die unterste Ebene des terrassenförmigen Nepal, hier ist die Industrie, die Menschen sind verhältnismäßig gut dran. Ja, ein paar sterben an Malaria, andere an Schlangenbissen und natürlich verhungert auch hier hie und da wer. Aber im Großen und Ganzen sind die Nähe zu Indien, das fruchtbare Land und die gemütlicheren Lebensumstände als in den Bergen die Gründe dafür, dass über 50 Prozent der etwa 30 Millionen Nepalesen im Terai leben, auf 17 Prozent der Landesfläche.

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Man könnte nun meinen, gleiches Feld - gleiches Spiel. Aber falsch, das Terai ist anders als Indien. Ich ließ mir das erklären. "The Caste-System in Nepal is not so strong as in India", sagte mein Rezeptionist, dessen Namen ich nie erfuhr. Wir arbeiteten uns während zweier WM-Viertelfinali (die hier nach Mitternacht begannen) von einer freundlichen Männerzweckgemeinschaft zu einer Männer-Freundschaft. Er kommt ursprünglich aus den Bergen, hasst das schwüle Klima im Terai, scheißt sich auch vor Schlangen an und heiratet im Herbst. Ich sagte, auch zu seinem Trost als Ghana ausschied, wie freundlich die Nepali doch sind. "Here it's medium friendly, you will see how friendly they are in the mountains."

Womit ich mich am nächsten Morgen auf den Weg nach Pokhara machte und Indien auch inhaltlich hinter mir ließ.

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Es gibt zwei Straßen von Lumbini nach Pokhara, nehmen Sie die schlechtere. Dieser Siddharta-Highway ist ein bisschen "Traumstraßen der Welt", nur ohne Publikum. Entlegene Bergdörfer, affengeile Landschaftsformationen, malerische Reisterrassen. Am Straßenrand sah ich oft Frauen, die sich und vor allem ihre langen, wunderbaren, schwarzen Haar am Brunnen wuschen - Samstag scheint Waschtag zu sein. Die Lehmhütten waren einfach, aber wunderschön. Dem Maler eine Augenweide, dem Poeten ein Gedicht, dem Touristen "Das echte Nepal".

Aus Pokhara halten sich Dichter und Anstreicher längst fern, die Stadt ist quasi das Basislager für die Basislager. Von hier aus wird getrekkt, von hier wird geklettert. Der Annapurna ums Eck, die Sherpas startklar. Die Seepromenade im Reisendenviertel "Lakeside" scheint die Partnergemeinde von Lignano, nur Outdoor-Outfit statt Bademode, Klangschalen statt Muscheln und Naan-Pizza statt echt. Dieser Fleck ist entspannend, die Liegewiese meines Hotels wurde mir Freund, der See Vertrauter und die westlichen Annehmlichkeiten zu täglichen Freuden. Es ist halt nicht authentisches Nepal, aber wenn man am Rücken liegt, schaut Lignano eben auch nicht anders aus als das Gänsehäufel.

Als ich da in Pokhara eines Abends mit meinem Computer am Schoß das WLAN im Hotelzimmer lobte, läutete mein Skype. Es war die Heimat und sie ächzte. "Wir haben 34 Grad, es ist nicht auszuhalten." Ich schwitzte nicht. Nicht mehr. Im Gegenteil, es lief mir kalt, bis zum Steißbein. Seit dem Oktober in Costa Rica, seit neun Monaten in fremden Ländern hatte ich es immer wärmer. Bei euch 15 bei mir 25, bei euch minus 13 bei mir plus zwanzig. Ich hatte die Sonne immer auf meiner Seite. Aber eben auch den Erklärungsnotstand und den Hass.

Jetzt nicht mehr. Es ist daheim heißer als bei mir. Und ich bemerke: Diese Reise wird einmal zu Ende gehen.

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Die Route bisher: Wien - Madrid (Spanien) - San José (Costa Rica) - Tortuguero - Puerto Viejo - Manzanillo - Vulkan Arenal - Monteverde - San Juan del Sur (Nicaragua) - Isla Ometepe - Granada - SOS Kinderdorf Santa Ana (El Salvador) - Quezaltenango (Guatemala) - Puerto Arista (Mexiko) - Oaxaca - Mexiko City - Lima (Peru) - Paracas - Nasca - Arequipa - Puno/Titicacasee - Isla Amantani - Cusco - Machu Picchu - Lima - Punta Arenas (Chile) - Tierra del Fuego, chilenischer Teil - Ushuaia (Argentinien) - Isla Carlos III. (Chile) - Puerto Natales - Torres del Paine - El Calafate (Argentinien) - Buenos Aires - Mendoza - Valparaiso (Chile) - Santiago de Chile - Auckland (Neuseeland) - Wellsford - Ngunguru - Tutukaka - Kawakawa - Paihia - Kaitaia - Cape Reinga - Matakohe - Tauchkurs in Tutukaka - Peninsula Coromandel - Auckland - Taupo - Napier - Wellington - Fähre auf die Südinsel - Picton - Takaka - Kaiteriteri - Punakaiki - Arthur's Pass - Christchurch - Twizel - Aoraki/Mount Cook - Dunedin - Te Anau - Milford Sound - Queenstown - Wakana - Franz Josef - Hanmer Springs - Kaikoura - Fähre auf die Nordinsel - Paraparaumu - National Park - Tongariro Crossing - Whanganui - Wellington - Rotorua - Auckland - Sydney (Australien) - Blue Mountains - Cairns - Great Barrier Reef - Cape Tribulation - Sydney - Tokyo (Japan) - Kyoto - Hiroshima - Osaka - Hongkong (China; selbstverwaltete Region) - Macao (China; sR) - Ho Chi Minh City/Saigon (Vietnam) - Cu Chi-Tunnels - Nha Trang - Motorradtour durch das zentrale Hochland (Buon Ma Thout, Kon Tum, Tac Glei) - Hoi An - Hue - Hanoi - Halong Bay - Ninh Binh - Tam Coc - Savannaketh (Laos) - Pakse - Bolaven Plateau - Champasak - Si Phan Don Islands/Don Kong Island - Kratie (Kambodscha) - Phnom Penh - Sihanoukville - Battambang - Siem Reap - Bangkok (Thailand) - Delhi (Indien) - Agra - Varanasi - Lumbini (Nepal) - Pokhara, nächstes Ziel: Kathmandu.

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Schnäppchen dieser Tage: Will man es ein wenig gemütlich haben, muss man in Nepal wohl auf das öffentliche Verkehrsnetz verzichten. Die bequemere, wenn auch weniger kontaktfreudige Variante ist der Touristenbus. Dort kostet ein Platz, etwa von Pokhara nach Kathmandu (200 Kilometer) zwischen 15 und 18 US Dollar, 12 bis 15 Euro.
Für noch besser halte ich die Miete eines Autos mit Fahrer. Das kostete uns von Lumbini nach Pokhara (280 Kilometer) 7000 Nepalesische Rupees, bei drei Personen rund 27 Euro pro Hintern, geht aber bei geschickter Verhandlung billiger. Das ist zwar mehr, aber viele Strecken in Nepal entwickeln sich zum Augenschmaus. Da will man stehenbleiben können, Fotos machen, genießen, einatmen, ausatmen. Mein Tipp: Leute zusammensuchen und sich das geben.

Nepp dieser Tage: Eine der wunderbar gelegenen Sights rund um Pokhara ist die World Peace Pagoda. Auf der Spitze eines Hügels, davor der See, in der Ferne die Berge, traumhaft. Ich entschloss mich, eine Pferdetour hinauf zu machen, man kann aber auch gehen. Sie war für Nepal sehr teuer (2200 Nepalesische Rupees, rund 26 Euro), die Gäule offenbar schlecht umsorgt und der Guide ahnungslos. Machen Sie das nicht.

(kurier / Axel N. Halbhuber) Erstellt am
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