H'hubers Weltreise: Kirgistan, das (fem.)

Foto: KURIER.at/halbhuber

Mein Mädchen sagt, aus meinen Kirgistan-Geschichten sei keine Begeisterung zu lesen. Das kann ich als Macho nicht auf mir sitzen lassen.

Im tiefsten Inneren bin ich ein Macho. Keiner, der die Frauen am Herd will, und keinesfalls einer vom stärkeren Geschlecht. Ich bin kein katholischer Macho und keiner aus der verseilschafteten Wirtschaftselite. Ich brauche keine Herrenklubs und keine Männerberufe. Gewalt gegen Frauen bringt mich auf die Palme, abverlangte Unterwürfigkeit bis zur Kokosnuss. Was da noch vom Macho bleibt? Die Liebe zum Weiblichen, zur Schönheit der Rundung. Womit wir bei Kirgistan wären.

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Es handelt sich ja um ein islamisches Land. Und was wir so aus Religionsunterricht und Taliban-Videobotschaften wissen, ist der Islam eine Männerdomäne. Vor diesem Bildungshintergrund verwunderte es mich anfangs, dass die nationale SOS-Kinderdorf-Direktorin Kirgistans eine Frau ist. Das ist an sich nicht so merkwürdig, bei SOS-Kinderdorf arbeiten viele Frauen (siehe Link: Papa trägt Pink), aber mir kamen auf der Weltreise bislang nur männliche National Directors unter. Für mich kam diese Tatsache sehr gelegen, der erste Teil meines Interviews mit ihr drehte sich um das Bestehen einer Frau in der männerdominierten Wirtschaft. Klassisches österreichisches Businessthema, nur statt Quotengebrabbel halt Prophet Mohammed.

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Nach dem Gespräch führte ich meine Gedanken zum Thema ein wenig Gassi, entlang der Bishkeker Prachtstraße. Vorbei am großen Platz mit der riesigen, wunderschönen und sehr kreativen Nationalflagge, gegenüber eine Springbrunnen-Landschaft, umrahmt von teils kommunistischem, teils orientalischem Baustil. In den Marmorplatten sind die Einschusslöcher der Revolution vergangenen Frühjahrs zu sehen. Und als ich dann beim Präsidentensitz, dem White House, ankam und die zerstörten Gitter sah, schoss es auch mir ein: Dieses Land wird seit 7. April von einer Frau regiert. Interimsregiert.

Da stand ich also, in einem zentralasiatischen Islam-Patriachat. Und hatte endlich eine Frau als Präsident. Noch dazu eine mit Eiern.

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Das war am Anfang meiner drei Wochen Kirgistan und niemand kann mir verdenken, dass ich ab dann mit den Gedanken und den Blicken an den Frauen des Landes hing. Und ich sah schöne Frauen, sehr schöne. Selbstbewusste, aktive Frauen. Frauen in viel zu kurzen Röcken und mit vernebelnd glänzenden Haaren. Ich sah Haare, lang und schwarz, ich meine: Ich sah die Haare. Kopftuchdebatte? Woher denn! Diese schönen, jungen Frauen erzählten mir von ihren Leben, ihrem Studium, ihren Jobs. Von guten Jobs. Verheiratet ja, das sollte man hierzulande bis 23 schon sein, sonst gilt man Ausschussware. Kinder natürlich, wieso ich denn mit 33 noch immer keine habe? Die meisten von ihnen haben Namen, in denen Gul steckt: Gulnoza, Nazgul, Gulmira, Gulnaz, Gulnada. Gul heißt "Blume".

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Nur die Interimspräsidentin Otunbayeva heißt vornamentlich Roza. Kurz die jüngste Geschichte: Sie stürzte am 7. April Präsidenten Bakiyev. Der war selbst nach einer Revolution 2005 Präsident mit hehren Zielen geworden, hatte seitdem aber auch in die Korruptionsscheiße gegriffen. Innerhalb zweier Monate peitschte Otunbayeva ein Referendum durch, wonach in Kirgistan künftig das Parlament mehr Macht als der Präsident haben soll. Sie schuf einen stabilen Zeitplan zur Instandsetzung der ersten echten Demokratie in Zentralasien. Sie schlug einen grausamen Aufstand im Süden des Landes nieder, dessen Ziel eine neuerliche Destabilisierung war. Und, für die meisten Kirgisen das wahre Zeichen der Verbesserung: Sie stellte fest, bei den Präsidentenwahlen 2011 als Kandidatin nicht zur Verfügung zu stehen. Das ist eine Art Anti-Größenwahn-Garantie, andererseits aber auch schlau: Alle kirgisischen Männer, mit denen ich sprach, sagten sinngemäß "Otunbayeva super, aber danach muss schon wieder ein Mann als Präsident her". Frauenversteher hin oder her.

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Auf den langen Autofahrten durch die erotisch sanft-geschwungenen Hügelketten Kirgistans, beim Blick auf die feucht-saftigen Wiesen und üppigen Fruchtbäume, fiel mir dann wieder die Geschichte ein, die Historie: Kurmanjan Datka wird als Nationalheldin verehrt. Sie floh im Jahr 1829 als 18-Jährige vor einer arrangierter Ehe, heiratete später den "Datka des Alai" (quasi der Herrscher des damaligen Kirgistan) und übernahm 1862 nach seinem Tod diese Funktion. Die Kirgisen verehren sie als den Führer, der erstmals alle kirgisischen Stämme vereinte, um gegen die russische Annexion zu bestehen.

Ich mag dieses Land auch wegen der Frauen, die einen Verein in der Größe eines mittelständischen Unternehmens in einer Männerwirtschaft führen. Wegen einer visionären Politikerin inmitten selbstherrlicher Präsidialdiktatoren. Wegen der Stammes-Einerin. Aber nicht zuletzt mag ich dieses Land, weil seine wunderbaren Landschaften pure natürliche Schönheit sind. Wie das reine Gesicht eines schönen Mädchens. Einer schönen Frau. Oder deren makelloser Körper, drall und glatt.

Jaja, im tiefsten Inneren bin ich ein Macho.

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Die Route bisher: Wien - Madrid (Spanien) - San José (Costa Rica) - Tortuguero - Puerto Viejo - Manzanillo - Vulkan Arenal - Monteverde - San Juan del Sur (Nicaragua) - Isla Ometepe - Granada - SOS Kinderdorf Santa Ana (El Salvador) - Quezaltenango (Guatemala) - Puerto Arista (Mexiko) - Oaxaca - Mexiko City - Lima (Peru) - Paracas - Nasca - Arequipa - Puno/Titicacasee - Isla Amantani - Cusco - Machu Picchu - Lima - Punta Arenas (Chile) - Tierra del Fuego, chilenischer Teil - Ushuaia (Argentinien) - Isla Carlos III. (Chile) - Puerto Natales - Torres del Paine - El Calafate (Argentinien) - Buenos Aires - Mendoza - Valparaiso (Chile) - Santiago de Chile - Auckland (Neuseeland) - Wellsford - Ngunguru - Tutukaka - Kawakawa - Paihia - Kaitaia - Cape Reinga - Matakohe - Tauchkurs in Tutukaka - Peninsula Coromandel - Auckland - Taupo - Napier - Wellington - Fähre auf die Südinsel - Picton - Takaka - Kaiteriteri - Punakaiki - Arthur's Pass - Christchurch - Twizel - Aoraki/Mount Cook - Dunedin - Te Anau - Milford Sound - Queenstown - Wakana - Franz Josef - Hanmer Springs - Kaikoura - Fähre auf die Nordinsel - Paraparaumu - National Park - Tongariro Crossing - Whanganui - Wellington - Rotorua - Auckland - Sydney (Australien) - Blue Mountains - Cairns - Great Barrier Reef - Cape Tribulation - Sydney - Tokyo (Japan) - Kyoto - Hiroshima - Osaka - Hongkong (China; selbstverwaltete Region) - Macao (China; sR) - Ho Chi Minh City/Saigon (Vietnam) - Cu Chi-Tunnels - Nha Trang - Motorradtour durch das zentrale Hochland (Buon Ma Thout, Kon Tum, Tac Glei) - Hoi An - Hue - Hanoi - Halong Bay - Ninh Binh - Tam Coc - Savannaketh (Laos) - Pakse - Bolaven Plateau - Champasak - Si Phan Don Islands/Don Kong Island - Kratie (Kambodscha) - Phnom Penh - Sihanoukville - Battambang - Siem Reap - Bangkok (Thailand) - Delhi (Indien) - Agra - Varanasi - Lumbini (Nepal) - Pokhara - Kathmandu/Kathmandu Valley (Patan - Boudhanath - Jorpati - Bhaktapur) - Almaty (Kasachstan) - Medeu/Kasach. Alatau - Issyk Lake - Bishkek (Kirgistan) - Tokmok - Taldy Bulak - Jurte/Kirg. Alatau - Naryn - Reiten in Tash Rabat - Bokonbayevo/See Issyk-Köl - Karakol - Jeti Öghüz - Cholpon Ata - Grigorievka/Ak-Suu Tal - Bishkek - Tashkent (Usbekistan), nächstes Ziel: Samarkand.

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Schnäppchen dieser Tage: Die Zigaretten. Meine üblichen Meuberln kosten hier 35 Som (65 Eurocent), ich versuchte aber die Marke West um, 16 Som (32 Cent). Es gab noch billigere russische, aber die halte ich für ungesund. Und dennoch: Ich habe beschlossen, die letzten 40 Tage Weltreise zur falschen Fastenzeit zu machen, mein Herr Jesus ersteht heuer im Oktober auf. Daher 40 Tage keine Zigarette. Schließlich ist mir bewusst, dass in der näherkommenden Heimat schon lange nicht mehr solche Raucher-paradiesischen Zuständ herrschen wie hier.

Nepp dieser Tage: Wir müssen einmal, und ich verspreche nur einmal, über Flughafen-Kontrollen reden. Die sind ja, trotz aller US-weltherrschaftlicher Bemühungen, alles andere als einheitlich. Manchmal musst du dich fast nackig machen, in Bishkek ging ich dafür mit Feuerzeug in der Hosentasche durch den Rahmen. In Japan musste ich ALLE Feuerzeuge abgebeben, auch die Wasserflasche. In Hongkong musste ich aber sogar die nach dem Sicherheitscheck gekaufte Wasserflasche bei der Flugzeugtür abgeben. Der Punkt ist: Bringen tut das doch alles nix.
Denn bei jedem noch so genauen Checken (man würde das im Simmeringer Beisl auch oarschfingerln nennen) hauen sich die wirklich Bösen doch ab, oder? In Bishkek etwa, wie gesagt mit Feuerzeug in der Tasche und Gürtel am Bund durchschritten, stehen gut ein Dutzend US Air Force-Flugzeuge am Gelände. Weil nämlich hier eine US-Airbase für den Afghanistan-Krieg eingerichtet ist. Aber Absperrungen? Geh wo! Ich hätte, mit ein bisserl Räuber & Gendarm-Erfahrung, locker einem von den grauen Kriegstransport-Jumbos an den Reifen brunzen können. Und dann hätten die Amis wieder geweint. Alsdann.

(kurier / Axel N. Halbhuber) Erstellt am
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