über Präsente der KP
06/29/2014

Von teuren Töpfen und nackten Offiziellen

von Evelyn Peternel

Zum Warmhalten hat man uns ein Geschenk überreicht: einen Druckkochtopf, made in China,

Mag. Evelyn Peternel | über Präsente der KP

Naked Officials“ werden jene Offiziellen in China genannt, deren Weste nicht besonders weiß ist: Korrumpierte Beamte und Parteimitglieder, die auf dubiosen Wegen zu Geld gekommen sind. Oft ist ihre Familie nicht mehr dort anzutreffen, wo sie selbst sind – Frau, Kinder und Geld befinden sich oft im (sicheren) Ausland.

Gegen all jene, die sich auf Kosten anderer – und ohne legale Grundlage – bereichern, hat die KP seit geraumer Zeit einen Feldzug eröffnet. Und das macht sie, ungewöhnlich für den sonst gern durch die Zügel der Zensur zurückhaltenden Medienapparat, recht offensiv: Regelmäßig werden die Erfolge der Antikorruptionsbehörde vermeldet, die Zahlen der „Nakeds“ gehen da auch schon gern mal in die Tausenden.

Zuletzt auch hier in der Provinz Guangdong, in deren Hauptstadt wir uns gerade befinden: Der Parteichef der Region ist seines Postens enthoben worden. Wang Qingliang soll Geld zugunsten seines Sohnes unterschlagen haben; der Schaden soll mehr als 20 Millionen Dollar betragen. Eine Information übrigens, die aus der spärlichen Yahoo-Vorschau stammt (den Link anklicken kann man dann nicht mehr) – im offiziellen englischsprachigen Blatt der Partei, China Daily, ist die Meldung zwar auf der Titelseite zu finden, eine Begründung für die Absetzung des KP-Regionalchefs gibt’s aber nicht. (Ebenso wie Berichterstattung über das Hongkonger Votum für mehr Demokratie, sei noch angemerkt).

Die Berichterstattung hierzulande widmet sich ohnehin lieber anderen Themen. Der Fußball-WM etwa – jedoch weniger mit dem Fokus auf die sportlichen Leistungen der Fußballer denn auf die unsportlichen Verhaltensweisen der Fußballfans. „Warning: World Cup can damage your health“ titelt man da gar ganz aufgeregt – die Fälle, in denen Extremfußballschauer akute Gesundheitsprobleme entwickeln, würden sich mehren. Der Letzte Fall: Eine Frau, die wegen fußballerischer Erregung den Klogang vergessen hat und deshalb mit einem Nierenleiden das Spital aufsuchen musste. Wer hätte das gedacht.

Noch unvorstellbarer, zumindest in westlicher Medienmanier, ist die Berichterstattung der chinesischsprachigen Zeitungen – dort findet sich auf der Titelseite nämlich gar ein Artikel über den Besuch unserer Truppe. Der Inhalt? Wird erst für uns übersetzt. Zum Warmhalten währenddessen hat uns die Provinzverwaltung im Süden indessen ein Geschenk überreicht: einen Druckkochtopf, made in China, im freien Verkauf im gut dreistelligen Eurobereich zu Hause. Meiner ging mit einem herzlichen Dankeschön postwendend an den Absender zurück.

Die Autorin dieses Blogs befindet sich auf Rundreise durch China – auf Einladung eines der KP nahestehenden Think Tanks. Die Reise findet unter dem Motto „Understanding China“ statt und soll den Europäern die Reformen der Kommunistischen Partei näherbringen.

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