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über Löcher im chinesischen Netz
06/28/2014

Schlupflöcher für Hillary

von Evelyn Peternel

Die Beamten, die das Web überwachen, sind vielleicht fauler, als man annimmt.

Mag. Evelyn Peternel | über Löcher im chinesischen Netz

Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich diese Meldung hier verbreiten kann: Denn die Tatsache, dass Hillary Clintons Buch „Hard Choices“ – eine memoirenhafte Nacherzählung ihrer vier Jahre als Außenministerin – in China nicht in den Handel gelangen darf, sollte sich meiner Kenntnis entziehen. Schließlich bin ich in China.

Doch das Netz ist löchriger als man denkt – oder die Beamten, die es überwachen, vielleicht fauler, als man annimmt. Denn die Meldung konnte ich problemlos über Buzzfeed abrufen. Die US-Seite ist, im Gegensatz zu vielen anderen, problemlos von hier zu erreichen; auch die China-Abteilung der Seite lässt sich aufrufen - und das, obwohl nebst höchst Unpolitischem wie „This Footage Of A Man Catching A Falling Baby Is Incredible And Bizarre“ auch für die Behörden Problematisches dort zu lesen ist. Wie Hillarys Buch-Bann eben.

Dieser hat natürlich etwas damit zu tun, dass sich die einstige Außenministerin (und mögliche nächste US-Präsidentin) nicht gerade positiv über Chinas Regierung äußert. Das Land sei das „Epizentrum der antidemokratischen Bewegung in China“, schreibt sie etwa – und zudem voller innerer Widersprüche. Und sie beschreibt, wie sich die „schwere Hand der Zensurbehörde“ anfühlt.

Diese Hand kann man als China-Besucher ganz gut nachfühlen – zwar nicht so heftig wie Clinton (die Übertragung ihrer Rede bei einem UN-Kongress in Peking wurde verhindert), aber im Alltag sind Behinderungen durchaus spürbar. Will man nämlich etwas googlen, kriegt man als Suchergebnis nur ein schlichtes „Diese Seite ist nicht erreichbar“. Dasselbe bei Gmail, Facebook und Twitter, was zur Folge hat, dass man entweder auf Briefpost oder andere Suchmaschinen (gibt es Altavista eigentlich noch?) umsteigt. Mit eingeschränktem Ergebnis, versteht sich.

Wie das Schlupfloch, durch das die Meldung zu mir gedrungen ist, aufgegangen ist, kann ich also leider nicht nachvollziehen. Aber vielleicht erklärt es die Anekdote einer mitreisenden Wissenschaftlerin: Ihre chinesischen Kollegen haben sich ungewöhnliche Arbeitszeiten zugelegt, um im Netz zu recherchieren - nachts oder zu Mittag nämlich. Aus Essens- oder Schlafgründen sei da nämlich die Behörde schlechter besetzt – und die Löcher größer.

Die Autorin dieses Blogs befindet sich auf Rundreise durch China – auf Einladung eines der KP nahestehenden Think Tanks. Die Reise findet unter dem Motto „Understanding China“ statt und soll den Europäern die Reformen der Kommunistischen Partei näherbringen.

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