über den "China Dream"
06/27/2014

"This is no robbery!"

von Evelyn Peternel

Überall wird gebaut, überall versucht man, das Land umzukrempeln.

Mag. Evelyn Peternel | über den "China Dream"

Der Weg von Guangzhou ins südchinesische Foshan, das immerhin auch ganze sieben Millionen Einwohner zählt, ist ein schönes Abbild der chinesischen Traums: Die gesamte Strecke ist durchgehend bebaut, nirgends ist Grünland in Sicht. Die Durchschnittshöhe der Häuser - etwa das Dreifache des europäischen 0815-Hauses; die Anzahl der Kräne – vermutlich so viele wie in ganz Österreich zusammen. Und Foshan selbst gleicht einem Spielplatz der Kapitalisten: Ein Headquarter neben dem anderen, ein Entwicklungsprojekt jagt das nächste. Die Region ist eine der finanzstärksten des ganzen Landes.

Gigantomanie könnte man das nun abfällig nennen, das will ich hier aber gar nicht tun – wenngleich die Übermacht der Riesen-Gebäude und des über allem schwebenden Kapitals einen schon mit offenem Mund zurücklässt. Die Chinesen nennen es ihren Weg in die Zukunft – oder „ China Dream“: Überall wird gebaut, überall versucht man, das Land umzukrempeln und neu aufzubauen. "Weg von der Werkbank der Welt hin zu einer Hochleistungsgesellschaft", beschrieb es uns heute ein KP-Vertreter; weg von den Billiglöhnen und den Wanderarbeitern mitsamt ihren eingeschleppten Problemen, hin zu einem modernen China – denn so hat es Peking im November letzten Jahres beschlossen. Mehr Markt und mehr Privatisierung, so die Vorgabe aus der Hauptstadt. Schließlich soll das 1,4-Milliarden-Einwohner-Land endlich den endgültigen Sprung vom Schwellenland in die Riege der Entwickelten schaffen.

​Umgekrempelt wird dabei so einiges. Neben dem hehren Gemeinschaftsideal des Kommunismus, das seit Ende der Siebziger schrittweise das Zeitliche segnet und für eine Leistungsgesellschaft Platz macht, merkt man die von oben verordneten Veränderungen auch an der Bevölkerungsstruktur. Eine neue, vom Westen vielgepriesene Mittelschicht entsteht; sie hat Geld und will es auch ausgeben. Die Bauern und die Wanderarbeiter geraten ins Hintertreffen – der Staat schnappt sich Land, wenn er es bebauen will, und überlässt die Landwirte ihrem Schicksal.

Das ist der Partei auch bewusst, sie macht auch keinen Hehl daraus – schließlich muss der Staat ja auch Geld verdienen. Aber sie verteidigt das Vorgehen: „This is no robbery“, sagte uns heute etwa ein KP-Sekretär auf Bezirksebene; das Geld, das man mit dem ehemaligen Ackerland verdiene, werde schließlich auch wieder in die Gesellschaft investiert – und komme so den ehemaligen Bauern und jetzigen Wanderarbeitern zugute. Zudem will die KP die Bedingungen der Arbeiter nun verbessern und jenen der permanenten Wohnbevölkerung anpassen. Nach Jahrzehnten der Ungleichheit, sei hier angemerkt. Ob die insgesamt 260 Millionen (!) Wanderarbeiter - die bekanntlich auch immer wieder Unruhen anzetteln - das auch so sehen, wird sich weisen.

Die Autorin dieses Blogs befindet sich auf Rundreise durch China – auf Einladung eines der KP nahestehenden Think Tanks. Die Reise findet unter dem Motto „Understanding China“ statt und soll Europäern die Reformen der Kommunistischen Partei näherbringen.

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