Thomas Bernhard war’s

Von "Lebensmenschen" und Romanfiguren.
Doris Knecht

Doris Knecht

Vier Monate haben Stefan Petzner und seine Anwälte gebraucht, um David Schalkos 130-Seiten-Roman zu lesen. In "Weiße Nacht" (Czernin Verlag) beschreibt der Regisseur und Schriftsteller sehr präzise und anschaulich die Beziehung zwischen zwei Männern; einem Starken und einem Schwachen, einem Führer und einem Folger, einem Charismatiker und einem Suchenden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen waren rein unzufällig.

Das ist nun auch Stefan Petzner aufgefallen; er klagt Schalko auf Entschädigung. Auf zehn Seiten Klageschrift wird genau aufgeführt, in welchen Stellen von Schalkos Buch Petzner sich und seine Beziehung zu Jörg Haider wiedererkennt. So heißt es unter anderem: "Die Solariumbräune ist allgemein bekannt und wurde bereits mehrfach öffentlich diskutiert." Und: Es sei "allgemein bekannt, dass der Antragsteller den Begriff "Lebensmensch" im Zusammenhang mit Dr. Jörg Haider kreiert hat". Das hat er allerdings bekanntlich nicht, da der erste bekannte Lebensmensch nicht Jörg Haider, sondern Hedwig Stavianicek war, Thomas Bernhards "Tante", die nicht seine Tante, sondern eben sein "Lebensmensch" war, wie Bernhard selbst immer wieder sagte. Und hier kommen wir auch zur Sache: Literatur nämlich. Erstaunlicherweise will Petzner David Schalkos Buch nicht aus dem Verkehr ziehen lassen, sondern er will eine Entschädigung dafür, dass Schalko seine Beziehung zu Haider literarisch überhöhte. Denn möglicherweise gefällt es Stefan Petzner ja, dass er durch "Weiße Nacht" zu einer literarischen Figur geworden ist: Und er verhilft Schalkos Roman, indem er ihn klagt, zu zusätzlicher Aufmerksamkeit.

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