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05.12.2011

Süße Katze abzugeben

Das Kind durchläuft eine Phase forcierter Pampigkeit und sucht gerne Streit.

Beliebtes Thema: Haustiere. "Warum darf ich eigentlich keinen Hund?" Aus den hundert Gründen, die wir schon hundertmal durchdekliniert haben, darum. Freundin E. hat damals, als ihr Sohn sieben war, nachgegeben; er wollte eine Katze. E., die keine Katzen mag, ließ sich vom Sohn das Tier einreden, weil er sich, eh klar, um alles kümmern würde, Kisterl, Futter, alles, was nach zwei Wochen, eh klar, nicht mehr der Fall war. Als der Sohn mit 18 eine eigene Wohnung bezog, sah seine Mutter eine einmalige Chance, das kratzbürstige Katzenvieh loszuwerden und machte mit dem Sohn ein, wie sie fand, für beide vorteilhaftes Geschäft: Er nahm seine Katze mit, sie zahlt ihm dafür seither 100 Euro monatlich für deren Unterhalt.

Zur Schonung ihrer Nerven (es gibt innerhalb der Familie stark divergierende Auffassungen über den Begriff "Ordnung") betritt E. die Wohnung des Sohnes nur selten; und als sie es vor einigen Monaten doch tat, wurde sie sogleich darüber informiert, die Katze sei, wegen einer Reise, noch bei der Nachbarin. Kürzlich googelte E. den Sohnemann einmal und stieß auf eine Internet-Anzeige mit einem Foto, auf dem der Sohn mit traurigem Lächeln die Katze auf dem Arm hält: Mit dem Text, eine "uuuuursüße 3-färbige Katze", zutraulich und sterilisiert, müsse leider abgegeben werden, da er nach New York auswandere. Er hoffe, einen Platz für sie zu finden, da er sie sonst einschläfern lassen müsse, "und das würde mir das Herz brechen". Das Inserat stammt aus dem Jänner letzten Jahres und von Auswanderungsplänen ihres Sohnes hat E. noch nie etwas gehört. Sie hat jetzt aber die Unterhaltszahlungen eingestellt.