Nur a b'soffene Gschicht

Man kann in Wien jetzt auch beim Wirten heiraten.

Beim Wirten!? Man kann in Wien jetzt auch beim Wirten heiraten. Nette Idee, aber warum eigentlich? An überlasteten Standesämter kann's nicht liegen, weil die Standesbeamtin oder den Standesbeamten braucht es trotzdem. Aber für die Brautpaare und ihre Gäste ist es kommod: Man erspart sich einen Weg und kann die ganze Zeremonie aus Jawort und Feierlichkeiten gleich aufs Mal erledigen.

Die Frage ist, ob eine Zeremonie, die im Beisl ums Eck, wo's nach Gulasch riecht, nach kaltem Zigarettenrauch und nach dem Bier von gestern, bei Vermählungswütigen die gleiche Wirkung hinterlässt wie der feierliche Akt am Standesamt. Zumal die ganze Heiraterei, so sie nicht die vorgesehene Haltbarkeit zeitigt, sich jetzt natürlich viel leichter als b'soffene Gschicht abtun lässt. Man macht beim Wirten ja auch sonst manchmal Sachen, an die man am nächsten Tag nicht gerne erinnert werden möchte. Jetzt hat man dort halt auch einmal irrtümlich geheiratet. So gesehen braucht man jetzt nicht mehr sauteuer nach Las Vegas zu fliegen, um eventuell einen Fehler zu machen, den man danach sein Leben lang bereut. Man macht ihn viel preisgünstiger und ohne die Versuchung, im Casino noch mehr in den Sand zu setzen, im Beisl. Oder im Stamm-Pub. Andererseits hat man dafür jetzt natürlich mehr Zeugen. In Las Vegas hat's keiner außer dem vermählenden Elvis-Impersonator gesehen, hier kriegt's jetzt die Pospischil von der Zweier-Stiege mit, der Postler und die Kellnerin Fini. Aber wir wollen nicht alles so schwarzsehen: Mit 50-prozentiger Sicherheit hält die Ehe eh. Und man hat künftig einen gemeinsamen Stamm-Wirten mit einem ganz speziellen Erinnerungsmerkmal.

Erstellt am 05.12.2011