Herein, die Töchter

Doris Knecht stört, dass die Bundeshymne in radikalem Preußendeutsch intoniert wird.

Die Bundeshymne: Ist das nicht das Lied, das Fußballer bei Länderspielen gemeinsam nicht singen, weil sie es nicht können? Für ein Lied, das ein Großteil der österreichischen Bevölkerung nicht kann, ist die Bundeshymne in den letzten Tagen ganz schön auffällig geworden: Wegen der Töchter, die man jetzt dazugedichtet hat, und die Christina Stürmer dazusang. Große Aufregung, Klagsdrohung, Skandal: Wobei mir der Umstand, dass Stürmer - im Auftrag des Bildungsministeriums - die österreichische Bundeshymne in radikalem Preußendeutsch intoniert, weitaus skandalträchtiger zu sein scheint.

Doch wenn im Zusammenhang mit der Bundeshymne schon so erbittert über das Wie gestritten wird, kann man auch gleich einen Schritt weitergehen, und nach dem Ob fragen. Nämlich, ob etwas derartiges wie ein gemeinsames National-Lied heutzutage überhaupt noch eine Bedeutung hat. Und wenn ja, für wen. Moooment, nein, ich will hier keineswegs die Abschaffung der Bundeshymne anregen. Aber wem gehört das Lied? Und was soll es bezwecken?

Es gehört allen Österreicherinnen und Österreichern und soll ihr Gemeinschaftsgefühl wecken und stärken. Was natürlich eine weitere Frage aufwirft: Ob das von einem Lied nicht eh zu viel verlangt ist. Aber wenn man es schon verlangt, dann wäre es doch überaus hilfreich, das Lied so zu formulieren, dass sich alle Mitglieder der identitätsuchenden Gemeinschaft darin vorfinden.
Also, bitte, lasst die Töchter herein. Und lasst auch die Chöre in der letzten Strophe freudig - bzw. freud'g - statt nur brüderlich erklingen. Dafür motschgern wir auch nicht am "Vaterland" herum, versprochen.

(kurier) Erstellt am
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