Alles so schön übersichtlich

Das Niki-Lauda-Interview im Seitenblicke-Magazin wurde hier schon zitiert und wird es heute erneut.
Doris Knecht

Doris Knecht

Das Niki-Lauda-Interview im Seitenblicke-Magazin wurde hier schon zitiert und wird es heute erneut, weil es noch mehr Signifikantes enthält. Diesmal im Zusammenhang mit der Frauenquote, die längst keine linke Forderung mehr ist, sondern auch von konservativen Politikerinnen mitgetragen wird, die ebenso resigniert einsehen, dass sich das Geschlechterverhältnis in Wirtschaft und Politik und Haushalt ohne Quoten niemals ändern wird.

Denn in der Realität hat man es immer noch mit einer Generation von Männern zu tun, die an einer Änderung der Verhältnisse schlicht desinteressiert ist. Niki Lauda ist ein typischer Vertreter dieser Gruppe. In erwähntem Interview, in dem es um seine Familie geht, sagte Lauda, nein, er habe noch nie eins seiner Babys gewickelt, "weil sie sich noch nie vor mir angemacht haben". Und er finde die Diskussion um die Karenzväter "mühsam: Warum müssen sich Karenzväter so wichtig machen?" Lauda findet, ob einer Windeln wechsle oder nicht, sei "kein Maßstab, ob ich nun ein guter oder ein schlechter Vater bin". Das sollen lieber die Mütter machen, denn im Allgemeinen "wachsen die an ihrer Aufgabe mit Freude und Hingabe". Dieser Männertyp will, dass alles so schön übersichtlich und optimal verteilt bleibt wie in den 1950er-Jahren: die Männer in den Führungspositionen, die Frauen daheim bei den Kindern. Dieser Männertyp ist überzeugungs-, ermahnungs- und erziehungsresistent. Diese Männer muss man mit Quoten zwingen, damit Frauen endlich die gleichen Positionen bekommen und "Karenzväter" zur gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit werden. Denn vollmundig beteuert und lieb besänftigt wurde lange genug: Es ist jetzt Zeit, Fakten zu schaffen.

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