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26.10.2018

„Stell dir vor, es ist Frieden, und jeder geht hin!“

Kommentar zum Gegensatz zwischen Demokratiewerkstatt und Panzer-Schauen.

Am Tag vor dem Nationalfeiertag auf dem Wiener Heldenplatz: In der Demokratiewerkstatt des Parlaments (in einem der beiden Container, die als Ausweichquartier während der Bauarbeiten am Parlamentsgebäude dienen) arbeiten zwei Klassen des Schulschiffs (AHS), die einen zu Partizipation als Mitbeteiligung, die anderen zu Medien.

Bei letzterer, einer 4. Klasse, war ich eingeladen als Journalist diesmal Fragen zu beantworten. Gegen Ende des halbtägigen Workshops drehten wir die Rollen um, und Schüler_innen, aber auch ein Lehrer beantworteten Fragen des KinderKURIER – und in dem Fall auch von SchauTV. (Auf www.kiku.at wird der Beitrag am Wochenende online gehen, im KURIER-Fernsehsender in der ersten Novemberwoche on air sein.)

Aber zurück zu den Runden mit vier Arbeitsgruppen der Jugendlichen, die nun die Seite der Reporter_innen eingenommen haben. Plötzlich ein arger Riesenknall. Zusammenzucken, erschrecken. Ursache: „Kriegsspiele“ des österreichischen Bundesheeres. Traditionell gehört der Heldenplatz am Nationalfeiertag den Panzern, Hubschraubern und anderem militärischem Gerät. „Leistungsschau“ wird das seit Langem genannt – samt Sxplosionsgeräuschen.

Ist es schon recht eigenartig, wenn zehntausende Familien am Nationalfeiertag hierher pilgern, um ihre Kinder auf Panzer & Co. klettern zu lassen und dabei zu fotografieren, so noch bizarrer, dass am Tag davor Lehrerinnen und Lehrer ihre Schulklassen herbringen. Manche sogar schon zuvor in Tarnfarben geschminkt.

Übrigens: Das Schulschiff bei der Wiener Donauinsel trägt den Namen Bertha von Suttner. Die Friedensforscherin und Schriftstellerin wurde vor 113 Jahren mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet! Und während die beiden Klassen zu Mitbeteiligung bzw. zum Zusammenhang von Medienfreiheit und Demokratie arbeiteten, werden Kinder und Jugendliche – von der Volksschule bis zur Oberstufe – zur „lustigen“ Kriegsmaterialienschau geführt.

Das Bundesheer bezahlte übrigens auch die Kooperation mit einer heimischen Kinderzeitung, in der Werbung für Soldat_innen und todbringende Waffen gemacht wird.

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„Krieg ist das Schlimmste auf der Welt. Er ist nicht wie „Fortnite“, sondern wie „Soldat James Ryan“. Hören wir bitte auf, ihn für Kinder verharmlost darzustellen.“ schreiben die österreichischen Kinderfreunde auf Facebook und posteten dieses Bild, gezeichnet von Karin Blum.

soldaten1.jpg

Übrigens: Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte der bekannte Sänger Udo Lindenberg einen neuen Song: „Wir ziehen in den Frieden“. Auf YouTube steht unter dem Video in dem er mit vielen Kindern dieses Lied singt: „Utopien sind zum Vorverlegen da! - Kinder werden nicht als Rassisten und Kriegstreiber geboren, sie sind unsre Hoffnungsträger für eine friedliche Welt, die nur durch konsequente Abrüstung incl. weg mit dem ganzen Atomraketenschrott zu erreichen ist. Ich hab das Wort Abrüstung schon lange nicht mehr gehört, aber das liegt ja auch nicht im Interesse der Rüstungsindustrie, also wozu sind Kriege da? - damit sie noch mehr ihren schmutzigen Profit machen können.“

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, höchstens noch jene Zeile aus dem genannten Song, die ebenso wie dessen Titel bekannte Sprüche umdreht: „Stell dir vor, es ist Frieden, und jeder geht hin!“

Lieber dorthin als zu Kriegsgerät!

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