Welt-Reise, Tag 79 - Deutschland

Star des Augenblicks: Die Berliner Currywurst mit Pommes & Mayo. Hier auch mit Ketchup & Kindl
Foto: Mario Lang

Zwei KURIER-Reporter reisen in 80 Arbeitstagen um die Welt. Und berichten von unterwegs über erfolgreiche österreichische Exporteure


Viel Curry

Curry 36, Ecke Mehringdamm, Gneisenaustraße: In Westberlin, genauer gesagt in Kreuzberg, angeblich die angesagteste Adresse, um eine Currywurst standesgemäß runterzuschlingen (in Ostberlin wäre es "Konnopke's Imbiß" in der Schönhauser Allee). Die These lässt sich allerdings auch hier nicht vom Tisch wischen: Diese Wurst benötigt Curry, dringend, weil sie alleine nur schwer zu genießen ist. Und doch. Ein Besuch in Berlin ohne eine Currywurst mit Pommes und Mayo ist ungefähr so wie ein Wien-Wochenende ohne die ebenso anstrengende Verdauung eines Burenhäutls. Mit 1,50 € ist man bereits mit dabei. Wie überhaupt auffällt, dass Berlin immer noch zu einer der günstigsten und dabei auch lebenswertesten Hauptstädten der Welt gezählt werden darf.

Goscherte Wienerin

Star des Augenblicks: Die Berliner Currywurst mit Pommes & Mayo. Hier auch mit Ketchup & Kindl Foto: Mario Lang Star des Augenblicks: Die Berliner Currywurst mit Pommes & Mayo. Hier auch mit Ketchup & Kindl

Nach der Currywurst volley ins Speisezimmer, von Sarah Wiener. Die ist natürlich alles andere als begeistert, als ihr zu Ohren kommt, von wo die Weltreisenden gerade kommen. Denn ihr Thema ist nun einmal die gesunde Ernährung. "Essen ist politisch", wird die Schaustellerin des guten Geschmacks auch heute nicht müde zu betonen. Wurscht, man kann sich ja auch über Anderes unterhalten.

Sarah Wiener ist eine deutsch-österreichische Herzeigefrau. Sie lebt inzwischen seit 32 Jahren in Berlin. Und sie hat es von weit unten (sozial ebenso wie geografisch) nach ganz oben geschafft. Von der allein erziehenden Mutter, die auf Sozialhilfe angewiesen war, zur erfolgreichen Geschäftsfrau, die beim Durchzappen scheinbar in allen Koch-Shows Deutschlands wie selbstverständlich zu Hause ist.

Inzwischen kann sie auf vier wohl klingende Restaurants und 120 Mitarbeiter verweisen. Und auf eine Nominierung für die KURIER-Romy 2011. "Dass ich Wiener heiße, habe ich erst in Berlin realisiert", sagt "die" Wiener über ihre Herkunft. Unlängst fuhr sie mit ihrer Mutter in Wien mit der U3. Na, mehr haben die beiden Damen nicht gebraucht: "Heast, geh' ham ins Reich!" Stänkerte ein Wiener Mundl ihre deutsche Mutter an. So viel Chauvinismus würde einem in deutschen U-Bahnen wohl kaum widerfahren.

Und damit sind wir auch schon mitten drinnen im Thema. Und Sarah Wiener, die goscherte Wienerin mit der Berliner Schnauze, ist wie ein rasender Zug nicht mehr zu bremsen. Man kommt mit dem Mitschreiben kaum nach. Hier daher nur ein kurzer Auszug aus dem Notizheft:

Was für Österreich spricht: "Ich habe die besten Freunde in Wien, wir haben die bessere Küche, die besseren Mehlspeisen, sind auch persönlicher. ,Des moch ma schon' klingt einfach viel liebenswürdiger als das Berliner Jut."

Was zusätzlich für die Österreicher spricht: "Sie sind auch die besseren Flirter. Wenn dich ein Deutscher anmacht, ,hey, schicken Arsch', ist das immer peinlich."

Was weniger für die Österreicher spricht: "Also ich habe da eine Theorie: In jedem Österreicher steckt ein kleiner Fritzl. Daher verlagert man viele Emotiononen in den Keller, wo sie nicht hingehören. Die Österreicher sind deshalb nach außen hin so nett, weil vieles in diesem Land sehr eng ist. Sie müssen sich arrangieren, weil wenn sie sich mit der Elite anlegen, können sie gleich auswandern."

Was für Sarah Wiener und auch für die Deutschen spricht: "Mir fällt auf: Als brave Wienerin hatte auch ich eine Antipathie gegen Deutsche, doch heute verteidige ich die Deutschen gegenüber jedem Österreicher."

Was ganz sicher für die Österreicher spricht: "Österreich hat keine Atomkraftwerke."

Der Freund der Österreicher

Star des Augenblicks: Die Berliner Currywurst mit Pommes & Mayo. Hier auch mit Ketchup & Kindl Foto: Mario Lang Star des Augenblicks: Die Berliner Currywurst mit Pommes & Mayo. Hier auch mit Ketchup & Kindl

33 Milliarden €. Diese Zahl sollte man kurz auf sich wirken lassen. So viel Geld setzt die österreichische Wirtschaft in Deutschland um. Doch auch der große Bruder hätte ein kleines Problem, würde er im Süden keine Geschäfte mehr machen. Die nicht einmal acht Millionen Ösis sind für die Deutschen weiterhin der sechst wichtigste Handelspartner.

Einen Fürsprecher haben Österreichs Firmen auch in Professor Dr. Dieter Hundt. Der bald 73-jährige Maschinenbauer aus Esslingen am Neckar gibt seit 15 Jahren den mächtigen, auch wortgewaltigen Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Seit 2007 ist er auch Präsident der Deutschen Außenhandelskammer in Österreich.

Seine Verbundenheit zu Österreich fußt in seinen Ferien, die er zumeist in Bad Aussee verbringt. Dort war er auch Präsident, allerdings nur bedingt erfolgreich. Unter seiner Schirmherrschaft schaffte der lokale Fußballverein den Durchmarsch von der Unter- in die zweite Liga. Dort war allerdings Endstation. Und es passierte, was manch rein rational denkender Unternehmer lange geahnt hatte: Den Sponsoren und Gönnern in den steirischen Bergen ging knapp vor dem hoch gesteckten Ziel die Luft aus. Und neue Geldflüsse taten sich nicht auf. Bei Wikipedia heißt es inzwischen: "Das Konkursverfahren konnte Anfang 2010 durch einen Zwangsausgleich beendet werden."

Dieter Hundt hört diese Geschichte nicht gerne. Redet heute lieber über den VfB Stuttgart, wo er weiterhin Aufsichtsratsvorsitzender ist, und über seine eigene Firma, die als Zulieferbetrieb für die deutsche Automobilindustrie auch öfters mit Betrieben in Österreich kooperiert. Sagen wir vielleicht so: Das Ehrenamt beim SV Bad Aussee zählt nicht unbedingt zu den Highlights in der Biografie des deutschen Arbeitgebervertreters.

Ich such die DDR!

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Ich such die DDR! Sang, nein, brüllte Aljoscha Rompe von der Ostberliner Punkrock-Kapelle Feeling B im Jahr 1991 in sein Studio-Mikro. Damals gab es Feeling B schon seit acht Jahren. Und die DDR gab es schon seit zwei Jahren nicht mehr. Und deshalb brüllte Aljoscha weiter: "Im Atlas fehlt ein Staat, von einer ganz besonderen Art. Ja, zwischen BRD und Polen, da wurde ein Land gestohlen."

Ostalgiker pilgern nach wie vor zu jenem Grundstück, auf dem bis zum Februar 2006 der Palast der Republik stand. Heute sind auf der "Wiese der Republik" (© "Der Tagesspiegel") vor allem Hundebesitzer und ihre Hunde zu sehen. Die DDR-Führung ließ einst das alte Schloss abreißen, die heutige Stadtspitze den Palast. Jetzt soll wieder ein Schloss gebaut werden. Doch die Politik und die Architektur sind sich nicht einig. Lässt derzeit Gras über die eingereichten Pläne und den alten Schlossplatz zu Berlin wachsen.

Während auf dem Gras die Hunde ihr Bein heben, ist aus den Lautsprechern auf dem Holzsteg über den alten neuen Schlossplatz Literatur zu hören. Dass hier auch österreichische Autoren gewürdigt werden, hat damit zu tun, dass das Projekt "Tonspur in Berlin" auch vom österreichischen Kulturforum unterstützt wird.

Kein Schnupfen - keine Grippe

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Der große deutsche Markt liegt direkt vor der Haustür. Und er ist weiterhin der mit Abstand wichtigste für die österreichische Wirtschaft (siehe oben, der Eintrag über den Freund der Österreicher). Hans Kausl, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Berlin, weiß warum: "Zum einen ist es die - sagen wir mal - ähnliche Sprache und zum anderen die selbe Geschäftskultur in einem gewissen Sinn." Ein Drittel des gesamten Außenhandels tätigen seine Landsleute mit Deutschland. Dort sind 2000 österreichische Firmen mit Tochtergesellschaften registriert, davon mehr als 200 mit einer Niederlassung.

Wenn Deutschland Schnupfen hat, hat Österreich die Grippe. Über diesen Satz müsste man länger diskutieren. Ist aber im Moment nicht unbedingt notwendig. Nach der Krise, die vor allem die deutsche Automobilindustrie hart getroffen hat, geht es für den großen und damit auch für den kleinen Bruder wieder langsam bergauf. So stiegen die Exporte nach Deutschland im Vorjahr um 17,2 Prozent und die Importe aus Deutschland um 12,1 Prozent. Wobei drei Prozentpunkte mit einer Milliarde Euro gleichzusetzen sind.

An sich gilt der deutsche Markt als gesättigt, erklärt Experte Kausl. Doch vor allem im Norden und im Osten des Landes sieht er noch ausreichend Potenzial. Außerdem in den Bereichen Alternativenergie (Stichwort Atomausstiegsplan), Bau- und Kreativwirtschaft. "Da gibt es noch immer Bereiche, die noch nicht beackert wurden."

Dieser Blog erscheint redaktionell unabhängig in Kooperation mit der Außenwirtschaft Österreich der Wirtschaftskammer Österreich sowie mit dem Wirtschaftsministerium.

Die Export-Offensive go-international soll österreichische Unternehmen zu geschäftlichen Aktivitäten im Ausland motivieren und dabei unterstützen.

(kurier) Erstellt am
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