Welt-Reise, Tag 64 - Kanada

Welt-Reise, Tag 64 - Kanada © Bild: Mario Lang

Zwei KURIER-Reporter reisen in 80 Arbeitstagen um die Welt. Und berichten von unterwegs über erfolgreiche österreichische Exporteure

Haushoch überlegen

Ein Tag wie der andere in Kanada: Die nächste österreichische Firma in Kanada, dieses Mal in einer Kleinstadt namens Niagara Falls, und ein Geschäftsführer, der nur Gutes über Österreich sagen möchte. Mark Woody, ein Amerikaner in Kanada, hat zuvor für die Skifirma Atomic gearbeitet. Seit vielen Jahren schon hilft er dem Kranhersteller Palfinger aus Salzburg-Bergheim, sich in Nordamerika zu verwurzeln - mit zählbarem Erfolg. Woody sagt: "Palfinger, that means something." In der Baubranche wären die Österreicher ein Inbegriff für Qualität und Verlässlichkeit. Der Familienbetrieb Palfinger, weltweit 28 Niederlassungen, 4500 Servicepunkte, 5000 Mitarbeiter, ist gleich aus mehreren Gründen erfolgreich. Zum einen sind seine Kräne top. Darüber hinaus bietet man den Kunden, die teilweise tief in die Tasche greifen müssen, um sich so einen riesigen Helfer leisten zu können, ein umfassendes Service. Balthasar Gwechenberger ist ein Drittel des Jahres unterwegs, zu allen Niederlassungen, um die Qualität des Services weltweit sicher zu stellen. Seine Firma gibt spezielle Garantien, liefert im Handumdrehen Ersatzteile, hilft sofern notwendig auch bei komplizierten Kran-Aufbauten. "Das macht oft den Unterschied aus." Haushoch überlegen: Palfinger hat in Kanada eine verlängerte Werkbank und eine große Lagerhalle gebaut, in dem wichtige Kran-Komponenten und Verschleißteile auf Abruf bereit liegen. "In den meisten Märkten in den USA und in Kanada sind wir deshalb die Nummer eins, weil die Konkurrenz nicht so flexibel ist." Erklärt Mark Woody. Er gilt in Salzburg-Bergheim als Senator Manager, als verlängerter Arm der Familie. Er selbst ist wiederum ein Fan vom Firmengründer: "Hubert was the guy, der eine Vision hatte. Der immer gesagt hat, dass das Geschäft in Nordamerika am Anfang viel Geld kosten wird, dass es sich am Ende aber bezahlt machen wird." Die Palfingers haben jedenfalls in den USA und in Kanada einen langen Atem bewiesen. Selbst die Krise in der Bauwirtschaft konnte ihre Kräne bisher nicht verblasen.

"I love Grünen Veltliner"

United Kranführer: Mark Woody und sein Kollege Balthasar Gwechenberger
© Bild: Mario Lang

Frank Stronach bezeichnet sich gerne als König - er hingegen ist tatsächlich ein Kaiser. Der Karl Kaiser. Der bald 70-jährige Niederösterreicher aus Lilienfeld im Voralpenland ist ein weiterer älterer Herr, der in Kanada eine Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Die Kanadier bezeichnen ihn sogar als den Doyen des Eisweins. Dazu muss man wissen: Der extrem süße Eiswein ist noch das Beste, was die Menschen hier aus ihrem Klima und ihren Böden herausholen können. Im Land des ewigen Eishockeys wachsen halt kaum Trauben, die schon vor dem Frosteinbruch einen guten Tropfen versprechen würden. Eiswein muss man mögen. Die Kunden der Edelmarke Inniskillin, die Kaiser mit einem kanadischen Partner vor mehr als 35 Jahren gegründet hat, vergöttern fast den Eiswein. Die meisten sind Kanadier, doch zuletzt schauten auch Japaner und Chinesen auf dem Weingut in der Nähe der Niagarafälle busweise vorbei. Das ganze Jahr über streift Karl Kaiser durch den Weinhain. Er ist ein Tüftler, einer, der immer das Beste aus einer Ernte machen möchte. Einer, der sich auch von den anfänglichen Schwierigkeiten nie beirren hat lassen. Kanada muss ein fruchtbarer Boden für österreichische Pioniere sein. Ausgelacht haben sie ihn, als er als erster Mensch in Ontario nach dem Jahr 1929 eine neue Lizenz beantragt hat. Ontario galt zu jener Zeit eher als ein Synonym für billigen Fusel. Er erinnert sich: "Die Chefköche in den Restaurants haben am Anfang ihre Nasen verzogen." Doch der Berufsschullehrer, der zuletzt 1969 in Zistersdorf im Weinviertel unterrichtet hat, hat sich nicht einen Tag von seiner Idee abbringen lassen. Der viele Regen im ersten Jahr der Ernte hat ihn sogar noch mehr bestärkt. Zeitzeugen erinnern sich an seine Worte: "Wenn der Wein schon in einem schlechten Jahr wie diesem so gut ist, dann mache ich mir überhaupt keine Sorgen." Heute ist sein Eiswein in vielen Restaurants erhältlich. Die österreichische Firma Riedel hat sogar eigene Eisweingläser kreiert. Der Kaiser spricht von einem langen Weg: "Das Vertrauen kam nur sehr langsam." Lieber spricht er heute Englisch, doch wenn es ums Gefühl geht, da gleitet er hie und da auch ins Deutsche über. Auf die Frage, ob er neben dem kanadischen auch österreichische Weine trinkt, erklärt er: "I love den Grünen Veltliner. For me einer der besten Weißweine weltweit."

Meilenstein für eine Baufirma

United Kranführer: Mark Woody und sein Kollege Balthasar Gwechenberger
© Bild: Mario Lang

Und dann, vor wenigen Stunden, endlich: Der Durchbruch. Ihm fiel ein Stein vom Herzen. "Nein, es war kein Stein, es war ein Felsbrocken", erklärt Ernst Gschnitzer noch immer aufgewühlt. Und es muss schon ein Meilenstein gelingen, um so einen erfahrenen Diplomingenieur derart aus der Fassung zu bringen. Gschnitzer ist der Bauleiter der Firma Strabag bei einem Megaprojekt unweit der Niagarafälle. In den vergangenen fünf Jahren hat er nicht immer gut geschlafen. Der Südtiroler, der in Innsbruck studiert hat, ist bereits seit dem Jahr 1985 im Geschäft. Ein Tunnelbauer mit Weitblick, ein ruhender Fels im Tagesgeschäft. Doch so sehr gewehrt gegen ein Projekt von ihm hat sich ein Gebirge wohl noch nie. Dabei hat man sich mit der größten Hartgesteins-Tunnelbohrmaschine der Welt (Durchmesser: 14,4 Meter; Länge: 150 Meter; Gewicht: 4000 Tonnen) und zeitweise 500 Mann durch das Gestein gearbeitet. Die Maschine kann "im guten Berg" 1600 Tonnen Fels in einer Stunde durchbrechen und abtransportieren. Das entspricht einer Menge von 640 Lkws. Und einem Vortrieb von 25,4 Metern pro Tag. Doch der Berg war nicht gut. Im Gegenteil: Er erwies sich als extrem hartnäckig und brüchig. Was auch den Bauherrn, einen lokalen Energieversorger, zum Umdenken zwang. Fieberhaft wurde die Trasse des Tunnels neu berechnet. Die Maschine umgebaut. Wurden auch die Arbeiter neu instruiert. Da können einem Projektleiter schon einmal graue Haare wachsen. Die Stimmung im Baucamp der Strabag ist weiterhin angespannt. Erste Gratulanten aus Wien sind eingetroffen. Doch Gschnitzer weiß: Abgerechnet wird erst, wenn er als letzter Mann die Baustelle verlassen kann. Er nimmt sich kurz Zeit. Fährt mit uns zum Ausfluss. Der Tunnel ist nun etwas mehr als zehn Kilometer lang. Nach seiner Flutung soll hier der Wasserstrom Turbinen für die Stromversorgung antreiben. Für seine Firma ist der Niagara-Tunnel ein Vorzeige-Projekt, das sie faktisch im Alleingang durchführt hat (den Zuschlag hat man nach einem harten Wettbewerb mit großen internationale Konkurrenz gewonnen). Fatal nicht nur fürs Firmenbudget (Auftragsvolumen: eine Milliarde Dollar), hätte man den Durchbruch nicht geschafft. Die Ausschreibung für "Stuttgart 21" läuft bereits. Der Koralm-Bahntunnel geht in die nächste Bauphase, die neue Metro in Budapest ist im Fertigwerden. Negative Presse hätte dem Geschäft gewiss geschadet. Was Ernst Gschnitzer aber mindestens genauso freut: "Es hat in all den Jahren keinen schweren Arbeitsunfall gegeben." Die Tunnelbauer sind mit 250 Angestellten und 1500 Arbeitern eine Minderheit unter den weltweit 75.000 Beschäftigten der Strabag. Doch die Auftragsvoluma, die sie heben oder nicht heben, können den Konzern sowohl in die eine als auch in die andere Richtung schwanken lassen. Vielleicht auch deshalb wird diese Abteilung im Organigramm "Spezialitäten" genannt.

Der kleine Bruder

United Kranführer: Mark Woody und sein Kollege Balthasar Gwechenberger
© Bild: Mario Lang

Merke! Sag nie zu einem Kanadier Amerikaner. Weil du willst auch nicht, dass der Kanadier dich für einen Deutschen hält. Und beobachte die Niagara-Fälle nie vom amerikanischen Ufer aus. Von der kanadischen Warte aus betrachtet sind sie viel schöner! Das Gefühl, der kleine Bruder zu sein, und sich auf die Hinterfüße stellen zu müssen, um nicht übergangen zu werden, das kennen auch die Kanadier. Auch sie sprechen vom Faktor zehn, wenn sie darauf aufmerksam möchten, dass in ihrem Nachbarland zehn Mal mehr Menschen leben. Freu dich darüber, dass die Kanadier in Metern und nicht in Meilen messen, und dass sie auch auf einen Inch gerne verzichten können! Weil sie von ihrem Verständnis her in vielen Fällen mehr Europäer sind als Amerikaner. Zumindest in den Städten wie Toronto und Montreal. Sei froh, dass sich die Kanadier nicht so sehr für American Football interessieren. Aber sei darauf vorbereitet, dass sie dir alles über Eishockey erzählen können. Die Besten der Besten in der NHL, der Nordamerican Hockey League, sind Kanadier. Jedes Kind wird hier schon mit drei Jahren aufs Eis gestellt.

Dieser Blog erscheint redaktionell unabhängig in Kooperation mit der Außenwirtschaft Österreich der Wirtschaftskammer Österreich sowie mit dem Wirtschaftsministerium. Die Export-Offensive go-international soll österreichische Unternehmen zu geschäftlichen Aktivitäten im Ausland motivieren und dabei unterstützen.

Erstellt am 05.12.2011