Welt-Reise, Tag 59 - USA

Gute Geschäfte mit schönen Menschen: Hollywood ist eine eigene Welt, auch nach der Oscar-Nacht
Foto: Mario Lang

Zwei KURIER-Reporter reisen in 80 Arbeitstagen um die Welt. Und berichten von unterwegs über erfolgreiche österreichische Exporteure


Hollywood für Brustvergrößerer

Tit & Ends Salon, Brustvergrößerer, Schönheitschirurg, Zahnarzt, Zahnweißmacher, Masseur, Friseur, Nagelpfleger, Yoga-, Pilates-, Fitnessstudio, dazu alle Mode-Markennamen dieser Welt mit edlen Stores vertreten. Was man halt so braucht, wenn man in Los Angeles chic sein und auf sich aufmerksam möchte. Die Dienstleister, die von den Sorgen der schönen Leute leben, leben in Los Angeles bestens. Welt-Klasse auch jene Lady, die beim Italiener mit ihrem Pelz einläuft. Bei milden Abend-Außen-Temperaturen so um die 15 Grad.

Go Silicon Valley!

Gute Geschäfte mit schönen Menschen: Hollywood ist eine eigene Welt, auch nach der Oscar-Nacht Foto: Mario Lang Gute Geschäfte mit schönen Menschen: Hollywood ist eine eigene Welt, auch nach der Oscar-Nacht

Eine der spannendsten österreichischen Export-Offensiven organisiert derzeit die Außenhandelsstelle in Los Angeles. Man hat - in diesem Jahr zum zweiten Mal - für zwanzig junge IT-Unternehmen eine Tür nach Silicon Valley geöffnet. Drei Monate lang können sich die Jungen im immer noch innovativsten Tal der Welt frei bewegen, können auch Kontakte zu Investoren, möglichen Partnerfirmen und Firmenberatern knüpfen.

"Schon im Vorjahr haben wir ein tolles Feedback bekommen", freut sich Rudolf Thaler, der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Los Angeles. Die zwanzig Ausgewählten werden von unabhängigen US-Beratern in Wien bestimmt. Das Geld für diese Förderaktion kommt aus dem Topf der Internationalisierungsoffensive, welche die Wirtschaftskammer gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium durchführt.

Der Kufsteiner Thaler arbeitet seit zwei Jahren in den USA und ist hier für insgesamt 15 Bundesstaaten zuständig. Von Alaska über Kalifornien bis zu Amerikanisch Samoa. Das Bild, das wir von ihm auf dem Airport von Los Angeles eingefangen haben, ist daher nicht ganz aus der Luft gegriffen. In der Tat ist der Vertreter der Wirtschaft viel unterwegs. Aus Erfahrung weiß er, dass die USA nur ein Überbegriff ist. Seinen Landsleuten versucht er, klar zu machen: "Jeder Bundesstaat hat seine eigenen Gesetze, einen gesamtamerikanischen Markt gibt es nicht."

Der Großraum Los Angeles zum Beispiel wäre für sich genommen unter den zwanzig größten Volkswirtschaften weltweit. Mit 18 Millionen Einwohnern, 433.000 Industrie-Arbeitsplätzen, 26.000 Kreativunternehmen, 22 Designzentren alleine für die Automobilindustrie und dem größten Hafen der Welt ist Los Angeles weit mehr als nur Hollywood und Oscar-Verleihung.

Für österreichische Unternehmen, die im Umweltsektor tätig sind, interessant sein dürfte auch das ambitionierte Programm der kalifornischen Regierung. Die will den Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Energiehaushalt bis zum Jahr 2020 auf 30 Prozent anheben. So wird derzeit in Kalifornien das weltweit größte Solar-Kraftwerk der Welt gebaut. Wenn es ans Netz geht, soll es so viel Strom liefern wie ein AKW.

"Ich bin selbst Pilotin"

Gute Geschäfte mit schönen Menschen: Hollywood ist eine eigene Welt, auch nach der Oscar-Nacht Foto: Mario Lang Gute Geschäfte mit schönen Menschen: Hollywood ist eine eigene Welt, auch nach der Oscar-Nacht

Pankl Aerospace steht an der Einfahrt zu einem schmucklosen Industriegebäude in einer schmucklosen Industriezone im Süden von Los Angeles. Wäre diese Gegend hier nicht so intensiv von der frühlingshaften Wintersonne ausgeleuchtet, sie würde durchaus auch als Wien-Inzersdorf durchgehen. Eintritt bei Pankl nur mit spezieller Genehmigung!

9/11 allgegenwärtig. Man fürchtet sich weniger vor Spionage als vor Sabotage. Die Angst ist nicht ganz unbegründet. Hinter den gut abgesicherten Türen werden die Antriebswellen für die Haupt-Rotoren von Hubschraubern hergestellt, auch für den Black Hawk, der in 33 Jahren 3000 Mal verkauft wurde, 2000 Mal an die US-Streitkräfte, neun Mal auch an das österreichische Bundesheer.

"Wenn dir die Welle bricht, dann kannst du nichts mehr machen, dann fällst du mit dem Ding runter wie ein Stein." Sonya Ziermut hat eine leise Ahnung davon, wovon sie spricht: "Ich bin selbst Pilotin." Doch die Geschäftsführerin im Pankl-Werk in L. A. kann gleich beruhigen: "Bis jetzt hat es keine Probleme gegeben, nicht eine einzige Beanstandung vom Kunden."

Ziermut hat die Handelsakademie in Braunau besucht, anschließend ihren MBA in Schottland gemacht und seither immer in der Flugzeugindustrie gearbeitet. Anfangs hat sie für einen Zulieferbetrieb einzelne Komponenten an Boeing verkauft. So kam sie rasch in Kontakt mit den USA. "Doch die Hubschrauber", sagt die Pilotin, "haben mich immer schon mehr interessiert". Der Weg zu Pankl Aerospace im Jänner 2003 erscheint somit vorgezeichnet.

Die Zentrale befindet sich in Kapfenberg. Die Firma wurde dort im Jahr 1985 von Gerold Pankl gegründet. Einen Namen gemacht hat sie sich zuerst im Motorsport - mit Pläuel, Kolben und Antriebswellen für Rennautos, unter anderem für die Formel 1. Seit dem Jahr 1994 bauen die Kapfenberger auch Wellen für die Heckrotoren des deutsch-französischen Eurocopters. Seit zehn Jahren, seit der Übernahme einer kleinen, innovativen Schmiede in Los Angeles ist man auch Haus- und Hoflieferant für Sikorsky, den US-Hersteller der Black Hawks.

Pankl gehört heute - so wie der Motorradhersteller KTM in Mattighofen - zu Cross Industries, beschäftigt mehr als 800 Mitarbeiter in Kapfenberg, England und den USA, davon 79 in Los Angeles. Neben den Rotorantriebswellen werden hier auch Rohre für die Betankung der Hubschrauber in der Luft erzeugt, außerdem Stahl-Teile für das Triebwerk und das Fluggestell.

Sonya Ziermut kann hinreißend von der Helikopter-Herstellung erzählen. Noch mehr Enthusiasmus legt sie an den Tag, wenn sie von ihrer letzten Flugstunde berichtet. Noch ist die Managerin aus Oberösterreich in ihrer Ausbildung nicht ganz oben angelangt, noch darf sie nur sich selbst, aber keine Passagiere fliegen. Noch sagt sie auch sehr überzeugend, dass sie beruflich nicht in die Luft gehen, sondern am Boden bleiben möchte.

Mars macht mobil

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Nicht mehr allzu lange, dann wird der erste Mensch auf dem Mars landen. Und das sollte wieder ein großer Schritt in der Menschheitsgeschichte werden. Hans Zima weiß, dass er diesen historischen Moment nicht mehr erleben wird. Was schade ist. Denn der 70-jährige Professor für Informatik investiert noch immer viel geistige Energie in die Optimierung eines computergesteuerten Mars-Mobils, das von seinen Kollegen hier "Rover" genannt wird. Hier, das ist das Jet Propulsion Laboratory der NASA, das wiederum am Campus des California Institute of Technology, kurz Caltech, in Pasadena angesiedelt ist.

Es entsteht sofort ein Abenteuer im Kopf, wenn der Gelehrte aus Wien über seine tägliche Arbeit erzählt. Der Rover muss intelligenter, autonomer, schneller werden. Darüber sind sich alle einig. Denn es geht nicht an, dass er ins Stocken gerät, wenn er am Mars unterwegs auf ein ihm unbekanntes Hindernis stößt. Weil jedes Mal eine Anfrage an die NASA gesendet werden muss, damit die dann seinen weiteren Weg berechnen kann. Bis so ein Anfrage unten auf der Erde angekommen ist, vergehen gleich einmal zwanzig Minuten. Und auch die Antwort ist dann zwanzig Minuten lang unterwegs.

Daher entwickelt die erlesene JPL-Schar, der auch Hans Zima als "Principal Scientist" angehört, spezielle Chips, auf denen tausend Prozessoren und mehr Platz haben sollen. "Es geht darum, den Rover autonomer zu machen", erklärt der Insider das aktuelle Forschungsziel. Seine konkrete Aufgabe ist es, eine neue Software zu entwickeln, die so gut wie keine Fehler im System zulässt. Weil sie doppelt und dreifach abgesichert ist. Die Ausgangssituation ist klar: Je mehr Autonomie von den Erdmenschen umso weniger Interventionsmöglichkeiten für die Erdmenschen.
Man muss schon eine Koryphäe auf seinem Gebiet sein, um an so einem Projekt mitarbeiten zu dürfen.

Hier in Pasadena haben unter anderem Einstein und Hubble in die Zukunft geblickt. Auch heute geben sich am Campus mehrere Nobelpreisträger die Klinke in die Hand. Hans Zima hat in Wien Mathematik und Astronomie studiert. Hat dann nach seiner Promotion im Jahr 1964 als Software-Entwickler für deutsche und amerikanische Firmen an der Entwicklung des modernen Computers mitgearbeitet. Nach zehn lehrreichen Jahren in der Industrie war er lange Professor für Informatik in Bonn und in Wien.

Dabei hat er nie seine Herkunft vergessen: "Mein Vater war Schriftsetzer bei der Arbeiterzeitung. Er hat mich sehr gepusht, denn ich war bis 17 kein guter Schüler. Er hat eine Vision gehabt. Er wollte, dass ich aus dem Milieu rauskomme. Er wollte, dass ich das machen kann, was er nie machen konnte."

Jüngeren österreichischen Kollege rät der heute emeritierte Professor, so weltoffen als nur möglich zu sein: "Man muss nicht aus Österreich weggehen, aber es würde auch nicht schaden." Er selbst genießt das Klima in Kalifornien: "Der Winter hier ist fantastisch." Ebenso genießt er das entspannte Klima auf dem Campus: "Natürlich gibt es auch hier Animositäten, auch Wissenschaftler sind Menschen." Sein Nachsatz tangiert fein auch die Universität Wien. "Aber in erster Linie zählt hier die Leistung."

Dieser Blog erscheint redaktionell unabhängig in Kooperation mit der Außenwirtschaft Österreich der Wirtschaftskammer Österreich sowie mit dem Wirtschaftsministerium.

Die Export-Offensive go-international soll österreichische Unternehmen zu geschäftlichen Aktivitäten im Ausland motivieren und dabei unterstützen.

(kurier) Erstellt am
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