Welt-Reise, Tag 58 - USA

Welt-Reise, Tag 58 - USA © Bild: Mario Lang

Zwei KURIER-Reporter reisen in 80 Arbeitstagen um die Welt. Und berichten von unterwegs über erfolgreiche österreichische Exporteure

Hollywood für ein Pferd

Hollywood also: Ein Stadtteil von Los Angeles, der architektonisch und kunsthistorisch nicht viel mehr zu bieten hat als Klosterneuburg oder Korneuburg, aber einen Namen hat, den man weit über Niederösterreich und Umgebung hinaus kennt. Ein Besuch hier ist Pflicht, auch für unser Exportpferd. Was jedoch weit mehr als die Luxusvillen, Luxusautos, Luxusläden, Luxuspalmen (sind nicht von hier, müssen extra gepflanzt werden, ein fremder Baum kommt auf gut 3000 €) beeindruckt, sind all die Déjà-vu-Erlebnisse in Los Angeles. Der Straßennamen, die Straßenecke, das Hotel, das Restaurant, das alles kommt einem irgendwie vertraut vor, das hat man doch schon irgendwo irgendwann einmal gesehen. Genau. Im Hollywood-Kino. Oder auch daheim, im Patschen-Kino.

Kamera, der Erste

Rudl goes to Hollywood: Doch der Stadtteil unterhalb des Schriftzugs kann ihn nicht inspirieren
© Bild: Mario Lang

Der ältere Herr im lichtblauen Hemd hat auch in diesem Jahr aufmerksam die Verleihung des Oscars verfolgt. Denn er hat sein Equipment zum wiederholten Mal den Kameraleuten der Coen-Brüder geborgt. Damit die beiden Star-Regisseure das Remake des John-Wayne-Westerns "True Grit" drehen können. (Ihr Film war in diesem Jahr gleich zehn Mal nominiert, ging am Ende allerdings leer aus.) Otto Nemenz nimmt das, wie es ist: Show-Business as usual. Der gelernte Feinmechaniker führt an der North Vine Street schon seit vielen Jahren einen Feinkostladen für Filmemacher. Hier stapelt sich in Kisten, was gut und teuer ist: Insgesamt 167 Film- und 48 Digitalkameras. Dazu tausende Objektive! Auch die Filme fürs Kino, fürs Fernsehen und für die Werbung, die damit produziert wurden, gehen in die tausende. Darunter Kassenschlager wie "Terminator II", "Flashdance" oder "Fargo". Nemenz hat nach der Matura in der HTL Mödling für das österreichische Fernsehen gearbeitet. Doch dort hat man ihm nach sechs Monaten zu verstehen gegeben, dass eine gediegene Ausbildung für den ORF nicht ausreichen wird. Ein Parteibuch wäre da schon besser. Cut. In Hollywood hat er dann auch kein Parteibuch benötigt. Weil ihn die mächtige Gewerkschaft der Kameraleute erst gar nicht aufnehmen wollte ... Doch einer, der sich einen Traum verwirklichen möchte, den kann man vorne bei der Tür rausschmeißen, aber der kommt durch ein Hintertürl wieder ins Geschäft. Hat er sich halt einen Job in der Filmindustrie gesucht, erst Filter sauber gemacht, nach einer Zeit auch Objektive zusammengebaut. Und irgendwann haben sie einen Kameraassistenten gebraucht. Und dann einen Kameramann. Und er war zur Stelle. Heute beschäftigt Nemenz 43 Mitarbeiter. Und das kam so: Immer hat er seine eigenen Kameras gut behandelt, so sehr, dass ihn Kollegen gefragt haben, ob er ihnen nicht seine Ausrüstung borgen könnte. Er konnte. Und bald konnte er dafür auch Geld verlangen. Das war vor mehr als dreißig Jahre. Inzwischen kennen alle den Otto. Zumindest alle, die in Hollywood drehen.

Kamera, der Zweite

Rudl goes to Hollywood: Doch der Stadtteil unterhalb des Schriftzugs kann ihn nicht inspirieren
© Bild: Mario Lang

Applaus und einen roten Teppich verdient auch Christian Tschida. Der junge Dienstleister ist ebenso im internationalen Filmgeschäft erfolgreich, weil er ein Tüftler ist, weil er auf ein Ziel fokussiert ist. Und auch schnell begriffen hat, dass man in Hollywood nicht "Hollywood hat", sondern beinhart arbeiten muss. So fand das Bergsteiger-Drama "127 Stunden", das ebenfalls für den Oscar nominiert war, nur dank eines Patents, das er entwickelt hat, zu einem guten Ende. Die 127 Stunden spielen nämlich in einer Felslücke, in der neben dem Hauptdarsteller (James Franco) nur eine Kamera, aber kein Kameramann mehr Platz hatte. Die Spezial-Kamera, die der Wiener entwickelt hat, kann per Funk ferngesteuert werden. Tschida hat im Jahr 2007 einen Technologie-Oscar gewonnen. Doch das hat weder Hollywood noch sein Heimatland in großflächige Euphorie versetzt. Was ihn nicht unbedingt heiter stimmt. Denn nichts ist schlimmer als das Gefühl, dass man den Eigenen und auch den Anderen eh wurscht ist. Eine Würdigung hat der Pionier wenigstens an dieser Stelle auch deshalb verdient, weil er mit seinen neuen Spezial-Kameras - ebenso wie sein verehrter Kollege Otto Nemenz - in Zukunft auch im 3-D-Film-Geschäft ganz vorne dabei sein wird.

Kamera, der Dritte

Rudl goes to Hollywood: Doch der Stadtteil unterhalb des Schriftzugs kann ihn nicht inspirieren
© Bild: Mario Lang

In den Tagen rund um die Oscar-Verleihung lässt sich Wolfgang Puck wieder öfters in jenem Restaurant von der Seite blicken, mit dem er berühmt wurde. Dem "Spago" in der Canon Road in Beverly Hills. Hier ist der Koch der Star. Mehr als seine Gäste. Er hat auch heute VIPs zu Gast, die unbedingt ein Foto mit ihm haben möchten. Während seine persönliche Terminplan-Koordinatorin langsam unruhig wird. In ihrem Kalender sind noch sieben Interview-Termine mit Journalisten verzeichnet. Den 61-jährigen Kärntner aus Sankt Veit an der Glan reißt es von einem Essen zum nächsten. Zwischendurch sagt er: "Vor drei Wochen habe ich wieder für die Frau des Präsidenten gekocht." Und er sagt das nicht angeberisch, eher so, als hätte er der Frau des Präsidenten eines Tierschutzvereins einen Freundschaftsdienst erwiesen. Auch seinen jüngsten Einsatz darf man sich auf der Zunge zergehen lassen: Vor ein paar Tagen wurde in der Marina Bay in Singapur ein weiteres Wolfgang-Puck-Restaurant eingeweiht. 240 Journalisten wollten sich diesen Event nicht entgehen lassen. Der Namensgeber musste sie - notgedrungen - in sechs Pressekonferenzen hintereinander, zu je vierzig Mann, mit Informationen abspeisen. In Österreich wäre dieser Koch ein Konzern. Auf die Frage, wie viele Mitarbeiter er derzeit in seinen 70 Restaurants beschäftigt, denkt der Wulfgäng kurz nach: "Fünf bis sechs tausend werden es schon sein." Auffallend, mit wie viel Respekt der Promi-Koch (wird zu den hundert einflussreichsten Menschen in den USA gezählt) von seinen Mitarbeitern spricht. Er erinnert sich noch gut, wie es in seiner Kärntner Lehrzeit für die Lehrlinge Watschen regnete. Und er erinnert sich auch, wie würdevoll ein älterer Haubenkoch in Südfrankreich mit seinen Mitarbeitern umgegangen ist. Weil die das Salz in der Suppe sind.

Dieser Blog erscheint redaktionell unabhängig in Kooperation mit der Außenwirtschaft Österreich der Wirtschaftskammer Österreich sowie mit dem Wirtschaftsministerium. Die Export-Offensive go-international soll österreichische Unternehmen zu geschäftlichen Aktivitäten im Ausland motivieren und dabei unterstützen.

Erstellt am 05.12.2011