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05.12.2011

Welt-Reise, Tag 57 - USA

Zwei KURIER-Reporter reisen in 80 Arbeitstagen um die Welt. Und berichten von unterwegs über erfolgreiche österreichische Exporteure

"Wie hat Ihnen China gefallen?"

Angenehme Überraschung am Flughafen von Los Angeles! Die Stempel der Schurkenstaaten in unseren Reisepässen haben die Polizeibeamten der US-Einwanderungsbehörde natürlich sofort registriert, allerdings nur zu einem milden Kommentar veranlasst: "Oh, Sie sind offensichtlich viel unterwegs." Und: "Wie hat Ihnen China gefallen?" Auch die Mitreisenden mit mexikanischem Pass werden freundlich begrüßt. George Bush ist Geschichte. Und die Wachsamkeit nach Nine-Eleven reduziert sich langsam wieder auf ein erträgliches Maß. Die Stempel der Bösen (die meisten verwenden ein oberösterreichisches Produkt: von der Welser Firma Trodat) haben offensichtlich ihren Schrecken verloren. Doch wir haben euch das natürlich noch nicht vergessen: Dass ihr einen Kollegen von uns acht Stunden lang verhört und dann mit der nächsten Maschine nach Europa zurück geschickt habt, mit dem Hinweis in seinem Pass, dass ihm die Einreise verwehrt wurde, nur weil er auf dem Weg zu einem Kongress wahrheitsgemäß angegeben hatte, dass er Journalist ist.

Rauch-Zeichen

Do not this, do not that! Was in Los Angeles sofort ins Auge sticht, sind all die Verbotsschilder. Du sollst nicht rauchen, nicht trinken, nicht beim Autofahren telefonieren, nicht über die Sperrlinie fahren, auf der rechten Fahrspur nicht links abbiegen, nicht die Kreuzung blockieren. In den Vereinigten Staaten der Verbote ist man gleich einmal überfordert. Weiß vor lauter Verboten gar nicht mehr, was noch erlaubt ist. Sie erklären ihren Bürgern alles, bis ins kleinste Detail: Wie sie sich in einem Meeting zu verhalten haben. Wie weit sie sich vom Eingang entfernen müssen, um sich eine Zigarette anheizen zu dürfen. Wie sie im Badezimmer ihres Hotels den Wasserhahn aufdrehen können. Was zu tun ist, wenn sie auf der Toilette eines Restaurants keine Luft mehr bekommen. Ein Kapitel für sich die Aufschrift auf dem Kaffee-Pappbecher: "Vorsicht, Inhalt kann heiß sein!" Und würden die Bürger alle Ratschläge bis zu Ende lesen, könnte es passieren, dass sie aufs Atmen vergessen. Denn nirgendwo steht geschrieben: "Vergessen Sie nicht aufs Atmen!" Bemitleidenswert sind die Raucher. Die Raucher in Amerika waren bisher die Verlierer des 21. Jahrhunderts. Ganz ins Eck gedrängt. Nur mehr in Reservaten mit ihren Rauch-Zeichen geduldet. Und wehe, einer wagt es und bewegt sich aus seiner Zone heraus. Der brennt wie ein Feuerzeug, allerdings mit seiner Kreditkarte.

Der Architekt im Netz

Eigentlich ist er Architekt, so wie sein Vater und sein Bruder. Doch in der Architektur, das hat er noch in Österreich gelernt, sind die besten Plätze von den Arrivierten belegt. Zu den interessanten Projekten, zu den Futtertrögen lassen die Alten keinen Jungen ran. Daher hat sich der Steirer Jochen Repolust auf die Architektur im Internet verlegt. Konkret erstellt er Baupläne für die Webseiten seiner Kunden. Die meisten sind Event-Veranstalter in den USA. Seine Arbeit sei der des Architekten nicht einmal unähnlich, erklärt er: "Beim Hausbau musst du mit dem Statiker reden, beim Web-Design mit einem Informatiker." Repolust ist in Leibnitz aufgewachsen, hat in Graz studiert. Im Jahr 1997 kam er nach Los Angeles, um zunächst für den hiesigen Architekten Mark Mack zu arbeiten. Im Jahr 2000 hat er dann seine eigene Firma, die T-Sign-Studios gegründet, die heute zwölf Mitarbeiter zählt. Los Angeles bezeichnet der Firmengründer als einen guten Boden für Kreative, auch aus Österreich. "Speziell im digitalen Bereich gibt es immer noch Marktpotenzial." Quasi als Hobby betreibt der Autofan seit eineinhalb Jahren eine zweite Firma: CXC Simulations - Entwicklung, Vertrieb und Verkauf von professionellen Auto- und Flugsimulatoren. Die Simulatoren wurden ursprünglich für den Rennsport gebaut, sie kosten von 30.000 € aufwärts. Und werden vor allem von Menschen gekauft, die an einem echten Wagen und an einem echten Flugzeug keine echte Freude mehr haben. "Weil sie davon eh schon genug haben."

Geflügelte Worte

In einem bekannten deutschen Wirtschaftsmagazin stand schon vor mehr als 15 Jahren sinngemäß Folgendes geschrieben: Red Bull passt eigentlich gar nicht zu Österreich. Denn von Österreich erwartet man eine seriöse Ingenieursleistung, aber mit Sicherheit kein besonders ausgeklügeltes Marketing. Red Bull hingegen sei ähnlich wie Swatch, in erster Linie ein Lebensgefühl. Das besonders gut in eine Zeit passt, die von den Menschen viel Energie abverlangt. "Red Bull verleiht Flügel." Nur wenige Sätze finden den Weg ins Unterbewusstsein einer Epoche. Dieser Satz hat ihn gefunden. Erfunden hat ihn ein Werbetexter aus Lienz, der heute eine international erfolgreiche Werbeagentur führt: Johannes Kastner. Die Agentur Kastner & Partner gibt dem österreichisch-thailändischen Energy-Drink-Hersteller bis heute den notwendigen Drive. Dafür durften die Werbe-Leute im Windschatten von Red Bull ebenfalls ein weltweit aktives Unternehmen werden. Überall wo die Dose vermarktet wird, ist auch die Agentur nicht weit. Derzeit hält man bei zwölf Niederlassungen. Die Niederlassung in Santa Monica leitet Thomas Grabner, ein Kommunikator aus Krems, der an der Wirtschaftsuniversität in Wien Betriebswirtschaft studiert und unter anderem das Büro in London aufgebaut hat. Über den Erfolg der beiden Partner-Firmen sagt er: "Wir haben gemeinsam eine Markenbotschaft kreiert, die man auf der ganzen Welt versteht. Darauf kann man auch stolz sein." Der kalifornische Ableger von Kastner & Partner befindet sich am Pico Boulevard in Santa Monica. Dort lernt man unter anderem: Marketing wird heute auf allen Kommunikationsklavieren, die verfügbar sind, gespielt. Social Media - natürlich auch hier ein Thema, aber nicht nur. Marketing kennt keine Berührungsängste. In der Lobby der Agentur parken vier Oldtimer, Fahrzeuge vom Feinsten. Die werden zum Verkauf angeboten, einfach so, weil sie schön zum Ansehen sind, weil sie aber auch tatsächlich verkauft werden, während hinten den Kreativen die Köpfe rauchen. Derzeit arbeiten 60 Leute für die Agentur, die unter anderem auch die Firma des österreichischen Ex-Skirennläufers Klaus Heidegger betreut. Grabner sagt, dass sich seine Perspektive im Ausland verschoben hat: "Ich bin heute ein glühender Fan von Österreich. Die Amis glauben ja, man lügt, wenn man ihnen von unserer Sozialversicherung erzählt." Weniger gut findet er hingegen jene Landsleute, "die noch immer meinen, dass sie der Nabel der Welt sind".

Dieser Blog erscheint redaktionell unabhängig in Kooperation mit der Außenwirtschaft Österreich der Wirtschaftskammer Österreich sowie mit dem Wirtschaftsministerium. Die Export-Offensive go-international soll österreichische Unternehmen zu geschäftlichen Aktivitäten im Ausland motivieren und dabei unterstützen.