Welt-Reise, Tag 56 - Mexiko

Dieser Zug ist ein Gedicht: Langsam schüttelt er die Hast der Weltreisenden ab
Foto: Mario Lang

Zwei KURIER-Reporter reisen in 80 Arbeitstagen um die Welt. Und berichten von unterwegs über erfolgreiche österreichische Exporteure


Der Chihuahua Pacifico

Wäre man sich nicht hundertprozentig sicher, dass Winnetou und Old Shatterhand alias Pierre Brice und Lex Barker an den kroatischen Seen von Plitvice lebten, um dann in die ewigen Jagdgründe des Siebzigerjahre-Spielfilms einzureiten, man könnte meinen, die beiden Blutsbrüder warten am Ende der nächsten Brücke oder in der nächsten Schlucht auf uns.

Über 37 Brücken und durch 86 Tunnels soll er fahren. Der Chihuahua Pacifico. Die 920 km lange Bahnverbindung, die der von Chihuahua nach Los Mochis führt, gilt als einer der schönsten der Welt. Betonen die Mexikaner. Von seinem Tempo (so schnell oder so langsam wie der menschliche Schritt) erinnert dieser Zug am ehesten an den alten "Oststeirer", der einem noch immer eine Vielzahl von Stunden für die Strecke von Wiener Neustadt via Hartberg und Fehring nach Graz raubt. Doch anders als sein oststeirisches Pendant durchquert der Mexikaner ur-eigenes Indianer-Gebiet. Die Entschleunigung ist nach all den Flügen jedenfalls ein Segen. Endlich muss man sich einer neuen Destination nicht mit 900 km/h nähern. Sondern so, dass man sie auch mit den Sinnen begreifen kann.

Über Menschen und Felsen

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Der mexikanische Bundesstaat Chihuahua [schlampig ausgesprochen: Dschi-wa-wa] ist so groß wie Österreich. Chihuahua here, Chihuahua there, everybody wants it everywhere! DJ Bobo hat ihn in einem Kassenklingler abgefeiert. Die Mexikaner ihrerseits verbinden mit ihm etliche Helden-Sagen. Doch wenn man all die Geschichten bis zum Ende hört, muss man sagen: Es ist auch der Staat, in der eine ganze Reihe von Männern keinen Pensionsschock erlitten hat. Weil die Helden frühzeitig auf der Straße erschossen wurden. Auch ein gewisser Miguel Gregorio Antonio Ignacio Hidalgo soll am 30. Juli 1811 in Chihuahua sein Leben ausgehaucht haben. Als Gefangener der spanischen Inquisition. Weil er es als Priester gewagt hatte, seine mexikanischen Landsleute in einen Unabhängigkeitskrieg zu führen.

Rita Meráz Ochoa, die für das Tourismusministerium von Chihuahua arbeitet, liebt ihr Land, weit über ihre Arbeit hinaus. Sie hat auch gleich mehrere Argumente, warum man ihre Heimat unbedingt besuchen sollte: "Die Leute sind hier so unglaublich nett. Die Landschaft ist Atem beraubend. Touristen können zudem touristisches Neuland betreten." Seit der Eröffnung der Doppelmayr-Seilbahn über den Kupfercanyon, von der heute noch ausführlicher die Rede sein wird, reisen deutlich mehr Touristen aus Europa und Asien an. Wer also vorne dabei sein will und noch als Individualtourist begrüßt werden möchte, wer daheim erzählen möchte, dass er nicht nur beim Gran Canyon war, sondern auch beim Barranco del Kobre, sollte vielleicht einmal die Internet-Seiten der Direcion de Tourismo de Chihuahua aufrufen.

Die, die gut zu Fuß sind

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Es wird erzählt, dass die Tarahumara ein stolzes indigenes Volk geblieben sind. Stolz, weil sie sich nie von den spanischen Besatzern unterkriegen ließen, obwohl diese sie mit brutaler Gewalt zur Arbeit in den Silberminen gezwungen haben. Stolz, weil sie sich auch nicht von den Jesuiten missionieren ließen, obwohl diese auch nicht sehr zimperlich in ihre Kirchen getrieben haben.

Tarahumara ist die spanische Übersetzung für Rarámuri. Und das heißt so viel wie "Die, die gut zu Fuß sind". Noch heute veranstalten sie traditionelle Wett-Läufe. 100 km hinauf in die Berge war für sie nie eine Schwierigkeit. Auch die Gringos, die heute ihre Dörfer besuchen, lassen sie gelassen über sich ergehen. Was soll ihnen schon viel passieren? Schlimmer als die Spanier und die Jesuiten können diese Fremden auch nicht sein.

Wieder einmal Doppelmayr!

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Andreas Fischbacher sagt es offen. Ihm ist das Posieren für den Fotografen nicht angenehm. Er will sich hier vor dem Abgrund des Kupfercanyons keineswegs in den Vordergrund drängen. Doch was sein muss, das muss sein. Der Mexiko-Mann bei der Firma Doppelmayr, der auch für den reibungslosen Betrieb des Cable Liners auf dem internationalen Flughafen von Mexico City verantwortlich ist, ist typisch für diesen dezenten Vorarlberger Familienbetrieb. Arbeitet viel, aber redet nicht viel darüber.

Doppelmayr ist der österreichische Nischen-Weltmeister schlechthin. Wo immer wir auf dieser Weltreise hinkommen, Ingenieure aus Wolfurt waren schon da. Und haben eindrucksvolle Infrastrukturen hinterlassen: Hier eine Seilbahn, die Touristen auf einen Berg, über ein Tal oder auch einen Dschungel transportiert; dort einen Cable-Liner, der zwei Flughafen-Terminals verbindet oder als städtisches Verkehrsmittel dient; wieder woanders eine Spezialseilbahn, die mit der Energie, die sie beim Material-Abtransport gewinnt, ganze Umgebungen mit Strom versorgt.

Und dann fällt die geräumige Gondel (für max. 60 Personen), der Teleférico, wie die Mexikaner sagen, auch schon in die Tiefe. Ein nahezu lautloser Motor in der Bergstation bremst ihre Fallgeschwindigkeit auf bequeme 7 km/h ab. Unter ihren Füßen sehen die sanft bergab Schwebenden den Schatten der Gondel, Indianer-Gräber in einem Felsvorsprung, weiter unten auch eine Gruppe vom Stamm der Tarahumara vor ihren Häusern. So klein wie Ameisen sehen die aus. Keine optische Täuschung: Das Seil der Bahn hängt an manchen Stellen 200 Meter über dem Erdboden.

"Gänsehaut-Feeling", sagt Andreas Fischbacher. Der 33-jährige Ingenieur aus Altenmarkt im Pongau hat seine Kollegen aus Österreich vor Ort unterstützt, und zwar von der Idee bis zur Fertigstellung der Seilbahn (im September 2010). Heute sagt er: "In dieser Landschaft war das ein pures Abenteuer, für alle Beteiligten."

Nach weniger als sechs Minuten erreicht die Gondel den mächtigen Felskopf, der in der Mitte des Taleinschnitts wie eine Insel aus dem Meer heraus ragt. Leise klinkt sie sich ein. Von hier oben haben Touristen eine Aussicht, die sie lange nicht vergessen werden.

Dieser Blog erscheint redaktionell unabhängig in Kooperation mit der Außenwirtschaft Österreich der Wirtschaftskammer Österreich sowie mit dem Wirtschaftsministerium.

Die Export-Offensive go-international soll österreichische Unternehmen zu geschäftlichen Aktivitäten im Ausland motivieren und dabei unterstützen.

(kurier) Erstellt am
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