Welt-Reise, Tag 46 - Australien

Welt-Reise, Tag 46 - Australien © Bild: Mario Lang

Zwei KURIER-Reporter reisen in 80 Arbeitstagen um die Welt. Und berichten von unterwegs über erfolgreiche österreichische Exporteure

Zurück im Westen!

Siehe da, die George Street in Sydney wirkt rein äußerlich wie ein Ableger von London - mit einem kleinen Schönheitsfehler: Die Frauen sind hier viel hübscher! Wir sind inzwischen ganz im Osten - zurück im Westen. Oder liegt Australien am Ende gar westlich von Austria? Ansichtssache. Von der Summe der weltoffenen Menschen: ja. Aus der Sicht der Zeitrechner: nein. Die Sonne, die bekanntlich im Osten aufgeht, lässt den Tag in Sydney zehn Stunden früher beginnen als in Wien. George Street, South Downing Street, Hyde Park, Kings Cross. Das kommt dem Europäer jedenfalls sehr vertraut vor. Sydney ist eine Weltstadt mit extrem hoher Lebensqualität. Im Februar bewegen sich die Temperaturen gerne jenseits der 25 Grad Celsius. Vieles blüht. Auch die Wirtschaft entwickelt sich anhaltend gut. Und daher sind auch die Leute hier gut drauf. Niemand hat kalte Füße, niemand trägt einen Anorak, fast alle gehen kurzärmelig außer Haus. Auffallend: Man sieht auch in der George Street kaum dicke Menschen. Dafür Jogger, Roller- und Radfahrer. Wohlstand bedeutet offensichtlich auch, dass die Menschen nicht täglich um ihr Leben rennen müssen, sondern die Freiheit besitzen, ihren Körper nur aus gesundheitlichen Gründen viel zu bewegen. Unverständlich ist nur das Ampelsystem in Sydney. Manchmal, so scheint es, sind alle Ampeln der Stadt auf Rot geschaltet. Jemand erinnert sich dunkel an die 2er-Linie in Wien.

Zimmer mit Aussicht

Entspannte Atmosphäre: Die George Street in Sydney kommt Europäern vertraut vor
© Bild: Mario Lang

Die Oper von Sydney, das weltweit bekannte Wahrzeichen der Stadt, daneben der Hafen für die Fährschiffe und die Sydney Harbour Bridge, in der Ferne die Vororte mit ihren Buchten - eine viel schönere Aussicht aus einem Hotelzimmer gibt es nicht, jedenfalls nicht auf dieser Erde. Kein Wunder, dass das Shangri-La das ganze Jahr über so gut wie ausgebucht ist. In diesen Tagen übrigens wieder einmal zu hundert Prozent. Im April soll auch in Wien ein Fünf-Sterne-Haus von Shangri-La eröffnet werden, am Stubenring, gleich neben der ÖAMTC-Zentrale. Besitzer der Kette ist ein charismatischer Chinese aus Malaysia: Robert Kuok, 87 Jahre jung, einer der reichsten Männer der Welt. Ihm gehören unter anderem siebzig Hotels, weltweit - mit einer durchschnittlichen Zimmeranzahl von 500. Dabei ist der Tourismus nur eine Spielwiese für ihn. Sein Geld hat der Milliardär mit dem Handel von Zucker verdient. Heute versorgt er halb China mit Öl, das man im Reich der Mitte zum Kochen benötigt. Kuok folgt im Hotel-Business einer einfachen Regel: Zuerst kommen die Gäste und die Mitarbeiter. Klingt nach einer banalen Firmenphilosophie. Ist es aber nicht: Auch in Krisenzeiten soll er seinen Mitarbeitern - trotz Einbrüchen beim Umsatz - Prämien ausbezahlen. Wovon am Ende der Krise auch seine Geschäfte profitiert haben.

Die Welt hinterm Wechsel

Entspannte Atmosphäre: Die George Street in Sydney kommt Europäern vertraut vor
© Bild: Mario Lang

Auch Franz Donhauser genießt den Panoramablick. Der Hoteldirektor hat eine Ausnahme gemacht. Und seine Landsleute - wohl auch aus Loyalität zu Österreich - auf das Dach des 36-stöckigen Luxushotels am alten Hafen von Sydney geführt. Und wo, wenn nicht hier, liegt einem die Welt, mindestens Sydney, zu Füßen? Die Arbeit im Tourismus war dem 63-jährigen Niederösterreicher mehr oder weniger in die Wiege gelegt: Seine Mutter hat in Kirchberg am Wechsel den traditionsreichen Gasthof "Zum Kaiser von Österreich" geführt. Donhauser hat daher im ebenso nicht ahistorischen Hotel Bristol gelernt. Doch schon während der Lehrzeit hat er bemerkt, dass ihm die Welt oben am Wechsel wohl zu eng werden könnte. Erschwerend kam hinzu, dass damals, 1967, die Sommerfrische in Österreich langsam aus der Mode geriet. Und dass den Land-Gasthöfen keine blühende Zukunft vorausgesagt wurde. Vor 43 Jahren ging der sympathische wie erfolgreiche Hotelmanager aus Kirchberg zum ersten Mal hinaus in die Welt. Die Arbeit im Ausland hat ihn geprägt. Mehr weltoffene Menschen wie ihn könnte Österreich vertragen. Franz Donhauser ist seit zweieinhalb Jahren im Shangri-La für die gute Laune der Gäste (in 563 Zimmern) sowie von 700 Mitarbeitern verantwortlich. Er dürfte seine Arbeit gut machen. Sonst würde er sich nicht schon so lange in einer derart verantwortungsvollen Managerposition behaupten. Kulinarisch fehlt dem Alt-Österreicher in Sydney nichts, vielleicht mit Ausnahme der Leberknödel in der Suppe. Weil die gefüllte Kalbsbrust, die ihm früher einmal seine Mutter serviert hat, und von der er heute noch träumt, die kommt nicht wieder. Nirgendwo auf der Welt - so leid es einem auch tut.

Feel free!

Entspannte Atmosphäre: Die George Street in Sydney kommt Europäern vertraut vor
© Bild: Mario Lang

Heute kein weiterer Termin. Warum auch? Wie auch? In Sydney weiß man die Tage, mehr noch die Abende zu genießen. Noch ist Sommer südlich des Äquators. Doch selbst im australischen Winter gibt es mehr Tage, an denen man im Freien sitzen kann als zur selben Zeit in Österreich, wo es dann bekanntlich Sommer sein wird. Natürlich gibt es auch hier in Sydney sehr fleißige Menschen. In deren Bürozimmer brennt bis spät in die Nacht Licht. Es scheint jedoch, dass weitaus mehr Stadtbewohner am Abend Party machen. Die Stadt ist gespickt mit Restaurants, Clubs, Bars. Die meisten sind auch sehr gut besucht. Daher bitte nicht böse sein, liebe Leute! Wir sind jetzt für ein paar Stunden nicht erreichbar. Abgetaucht. Auf Recherche, sozusagen. Schließlich sollte man auch wissen, über was man am Ende des Tages geschrieben hat ...

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Erstellt am 05.12.2011