Welt-Reise, Tag 32 - Südkorea

Welt-Reise, Tag 32 - Südkorea © Bild: Mario Lang

Zwei KURIER-Reporter reisen in 80 Arbeitstagen um die Welt. Und berichten von unterwegs über erfolgreiche österreichische Exporteure

Dr. Fisch frisst Füße

Alternativmedizin auf Koreanisch. Man sitzt in einem belebten Kaffeehaus in Kangnam, der trendigen Hochäuserzeile von Seoul, blickt durch die großen Glasfenster auf die Glashaus-Parade auf der anderen Seite der Straße, trinkt einen starbucksähnlichen Milchkaffe und lässt die Seele irgendwo und die Füße im warmen Wasser baumeln. Und schon beginnen sie ganz eifrig zu knabbern. Die kleinen Garra rufa (klingt irgendwie feiner als "rötliche Saugbarbe"). Ursprünglich hat man ihren speziellen Hunger zur Behandlung von Psoriasis-Patienten genützt. Heute sorgen sie auch für das Wohlbefinden von Weltreisenden-Füßen, deren tote Hautzellen sie abfressen. Das Kitzeln wird von Minute zu Minute weniger. Nach weniger als einer halben Stunde freut sich der Kaffeehausgast wieder über babyweiche Füße. Der steigende Lebensstandard macht sich in Seoul bemerkbar. Es gibt immer mehr Trendlokale, Galerien, Designshops, Weinbars etc. Seoul ist lange noch nicht Tokio, doch immerhin auf einem guten Weg dorthin.

Insel der Seligen

Garra rufa bei der Arbeit: Die kleinen Fische haben müde Füße zum Fressen gern
© Bild: Mario Lang

Als der Namensvetter vom Rudl, der ehemalige Wirtschaftskammerpräsident Rudolf Sallinger, noch gelebt hat, da hat auch noch der Anton Benya gelebt. Der wiederum der Häuptling beim Gewerkschaftsbund war. Österreich wurde schon damals gerne von den Sozialpartnern als Insel der Seligen bezeichnet. Dafür gab es mehrere Gründe. Einer davon, nicht der wichtigste, war, dass man nur 60 km östlich von Wien, gleich hinter dem Eisernen Vorhang, den ausgehungerten Aggressor in den Startlöchern vermutete. Auch die Südkoreaner fühlen sich heute ein bisschen wie auf einer Insel der Seligen. Auch wenn sie eigentlich auf einer Halbinsel leben. In den Bergen nördlich von Seoul ist man dem anderen Korea schon zum Greifen nahe. Was allerdings nur Touristen in Aufregung zu versetzen scheint. Ähnlich wie seinerzeit alle möglichen Westler, die das Ende des Westens gleich hinter Wien als sehr gruselig empfanden. Vor allem die jungen, gut gebildeten Südkoreaner haben keine Lust, in einem bewaffneten Konflikt mit dem armen Norden ihr Leben zu riskieren. Sie haben allerdings auch wenig Interesse an einer Wiedervereinigung. Weil die kostet nicht das Leben, dafür viel Geld. Schlag nach bei den Deutschen! Und so zucken die Menschen hier auffallend oft mit den Schultern, wenn der verrückte Herr Nachbar wieder einmal mit seinen dürren Muskeln spielt. Atombombe? Die besitzen doch nicht einmal Atome. Ganz so sicher fühlen sie sich im Süden dann aber doch wieder nicht. In Seoul sind in einer Stadt in der Stadt noch immer 30.000 US-Soldaten einquartiert.

Ostasien ist nicht nur China

Garra rufa bei der Arbeit: Die kleinen Fische haben müde Füße zum Fressen gern
© Bild: Mario Lang

China ist groß. Wird immer größer. Alle reden darüber. Alle zieht es im Moment nach China. Für Michael Otter der geeignete Moment, dass Österreichs Exporteure ihren Horizont noch ein Stück erweitern. Die Wirtschaft in Südkorea wächst ebenfalls stark, aktuell um 6,5 Prozent, erklärt der neue österreichische Wirtschaftsdelegierte in Seoul. Den Südkoreanern geht es so gut wie noch nie. Das macht auch die Politik weitaus entspannter als drüben in Peking. International bekannte Marken wie Samsung, LG, Kia oder auch Hyundai sind zudem auf einem guten Weg, ihr Billig-Image endgültig hinter sich zu lassen. Otter kann weitere Argumente für Südkorea als Exportmarkt liefern: Am 1. Juli 2011 tritt hier ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union in Kraft: "90 Prozent der Importzölle fallen dann weg." Gleichzeitig suchen koreanische Konzerne nach verlässlichen Partnern für gemeinsame Projekte in aufstrebenden Märkten wie zum Beispiel in Zentral- oder Südostasien, unter anderem auch in der Bauwirtschaft. Und für die Forschung und Entwicklung Erneuerbarer Energien hat die Seouler Regierung soeben 30 Milliarden € in Aussicht gestellt. Armer Michael Otter! Da hat er sich bemüht, möglichst viele interessante Österreicher mit den Weltreisenden zusammenzubringen. Und was tun die? Die kommen mit einem Virus, den sie sich in China eingefangen haben, nach Seoul - und können mehr als die Hälfte der Termine nicht wahrnehmen.

Dieser Blog erscheint redaktionell unabhängig in Kooperation mit der Außenwirtschaft Österreich der Wirtschaftskammer Österreich sowie mit dem Wirtschaftsministerium. Die Export-Offensive go-international soll österreichische Unternehmen zu geschäftlichen Aktivitäten im Ausland motivieren und dabei unterstützen.

Erstellt am 05.12.2011