Welt-Reise, Tag 30 - China

Welt-Reise, Tag 30 - China © Bild: Mario Lang

Zwei KURIER-Reporter reisen in 80 Arbeitstagen um die Welt. Und berichten von unterwegs über erfolgreiche österreichische Exporteure

Heraus mit der Sprache!

Man kann Chinesisch lernen, beruhigt Andreas Laimböck. "Es ist nicht unmöglich." Er würde sich selbst nicht unbedingt als Sprachentalent bezeichnen. "Auch ich habe es geschafft." Zum Beweis, dass er dennoch Chinesisch gelernt hat, malt er flott ein paar Schriftzeichen an die Wand. Einen Spruch, den in Peking angeblich jeder Erwachsene kennt: Mann nicht böse, Frau nicht liebt. Sein Lieblingsspruch fern jeder politischen Korrektheit im Westen: "Weil das heißt, dass zu lieb zur Frau sein auch nix bringt." Der Innsbrucker Geschäftsmann hat im CBT, dem Central Business District von Peking, vor zwei Jahren eine Sprachschule für Ausländer gegründet, seither kommt er mit dem Einstellen neuer Lehrer kaum nach. Laimböck lässt nach der Laimböck-Methode unterrichten: "Ich habe mich fürs Land interessiert, habe versucht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Denn im Klassenzimmer lernst du bestimmt nicht Chinesisch." Besonders gefragt sind derzeit seine Pakete. Die funktionieren so: Ein Schüler kommt, sagen wir, für drei Wochen nach Peking, zahlt rund 1000 €, lebt dafür bei einer ausgesuchten Gastfamilie (die spricht garantiert nur Chinesisch), bekommt ein Fahrrad und eine lokale SIM-Karte fürs Mobiltelefon, und einen Lehrer, der ihn behutsam Schritt für Schritt in die fremde Sprachwelt einführt. Bitte jetzt noch nicht gleich Andreas Laimböck googeln. So schnell geht es nun auch wieder nicht. Der Schulleiter bremst die Erwartungen: "Nach drei Wochen Intensivkurs war ich erstmals so weit, dass ich einem Taxifahrer das Fahrziel erklären konnte, und der mich auch verstanden hat." Österreich? Der Inntaler muss gar nicht lange nachdenken: "Ist irgendwo in der Zeitmaschine stecken geblieben. Wenn 15-Jährige heute die selben Frisuren tragen wie ich in meiner Jugend, und wenn überall die Vorstellung herrscht, dass es nächstes Jahr nur schlechter werden kann, dann stimmt etwas nicht." Und er? Mit seinem Unternehmen (derzeit sind 20 Lehrer mit Lehramtsabschluss fix angestellt) möchte er auch im nächsten Jahr um das Doppelte wachsen.i

Das China-Dirndl

Mann nicht lieb sein! Andreas Laimböck bringt den Ausländern Chinesisch bei
© Bild: Mario Lang

Sie sagt, sie habe sich bemüht, "die chinesischen Eckpunkte für ein Mandarin-Kleid einfließen zu lassen". Für den Leib hat sie auch einen speziellen chinesischen Stoff verwendet. Andererseits, das Rot-Weiß-Rot wird natürlich auch nicht fehlen. Mehr darf sie noch nicht verraten. Ihr China-Dirndl wird erst in den nächsten Tagen offiziell präsentiert. Für die junge Mode-Designerin war der Auftrag mehr als nur eine Ehre. Constanze Kurz arbeitet derzeit an jenen Kreationen, die etliche Damen in Peking anlässlich des 40. Jahrestages der diplomatischen Beziehungen zwischen der Republik Österreich und der Volksrepublik China tragen werden. Als Jahrestag gilt der 28. Mai. Hochrangiger Politiker-Besuch aus Wien ist angesagt. Über die frühe Anerkennung Chinas könnte man natürlich länger diskutieren. Halten wir es lieber österreichisch, reden wir lieber über die Dirndln und deren Designerin! Kurz hat in Mönchengladbach den Diplomingenieur für Modegestaltung gemacht, sieben Jahre bei Esprit Erfahrungen gesammelt, ehe sie nach China kam. Heute arbeitet sie in einem Pekinger Designbüro für eine andere internationale Kette - Vero Moda. Der Bezug zum Dirndl ist gegeben. Ihre Eltern führen in der Salzburger Innenstadt die Hanna-Trachten. Wer nun in Österreich auf den Geschmack gekommen ist: Bitte noch ein wenig Geduld. Im Sommer will die weit gereiste Designerin nach Salzburg zurück kehren, um das Geschäft der Eltern zu übernehmen. Dann kann sie persönlich Maß nehmen. Ihr Resümee nach zwei Jahren in Hongkong und zwei Jahren in Peking fällt ambivalent aus: "Ich bin nicht ins Ausland gegangen, um hier als besondere Person behandelt zu werden, die ich eigentlich gar nicht sein möchte."

Massage vom Fußvolk

Mann nicht lieb sein! Andreas Laimböck bringt den Ausländern Chinesisch bei
© Bild: Mario Lang

Fußmassage, eine Spezialität in China. 70 Minuten im besseren Salon kosten um die elf Euro. Fast ein Muss für Weltreisende. Erst werden die Schultern und der Rücken massiert, dann die Füße gründlich im Teebad gewaschen, mit heißen Tüchern getrocknet, eingeölt und fast eine Stunde lang grandios durchgeknetet. Je angenehmer sich die Füße anfühlen, umso mehr schmerzt das Herz. Schon hört man die gescheiten Leute sagen: Dann dürftest du auch nicht diesen Sportschuh tragen. Stimmt, aber beim Schuh made in China bleibt die Globalisierung abstrakt, im Schuh versteckt. Hier, im Fußmassage-Salon, hat sie ein Gesicht. Die junge Dame aus der inneren Mongolei interessiert sich für Audili. Österreich. Sie kennt Wien, auch Sound of Music. Sie arbeitet wechselweise zwölf oder 24 Stunden im Salon. Wochenende kennt sie nicht. Und ihre Familie nur mehr aus der Erinnerung. Seit sie vor zwei Jahren von daheim weggegangen ist. In die große Stadt. Sie ist eine von mehr als 200 Millionen chinesischen Wanderarbeitern, die oft nicht mehr als 100 € pro Monat verdienen. Ein Mal im Jahr, zum chinesischen Neujahr, das ist in wenigen Tagen, darf sie für zwei Wochen heim fahren. Natürlich ist ihre Familie sehr stolz auf sie. Und natürlich stellt sich die Frage nach ihren beruflichen Alternativen. Aber wollen wir sie vielleicht selbst zu Wort kommen lassen. Sie nimmt kurz die rechte Hand vom linken Fuß, um auf ihren Kopf zu deuten: "Besser, man denkt nicht darüber nach." Stille im Salon. Weiter massieren.

Good bye, Peking!

Mann nicht lieb sein! Andreas Laimböck bringt den Ausländern Chinesisch bei
© Bild: Mario Lang

China in drei Tagen verstehen - ein Ding der Unmöglichkeit. Schon alle in Peking aktiven österreichischen Exporteure treffen wäre nicht möglich. Und da reden wir noch nicht einmal von Shanghai, den anderen Millionen-Metropolen oder gar vom weiten Land. Österreicher in Peking: Zum Beispiel Norbert Bäck, der Grazer, der am Stadtrand von Peking mit anhaltendem Erfolg eine eigene Fabrik im Mobiltelefon-Zubehör-Bereich besitzt und führt; Andreas Werner, der Raiffeisen-Banker mit dem wohl reichhaltigsten Hintergrund-Wissen; Hans Bokesch, der einen Nachtclub mit dem durchaus diskutablen Titel "Sex in the City" führt; Joseph Kiang, der in Wien aufgewachsen ist und seinen Landsleuten in seinem Café im Business District guten Wein, Wiener Schnitzel und Wiener Charme näher bringt. Selbst diese Liste muss unvollständig bleiben. Auffallend bei allen Genannten: Sie fühlen sich wohl in Peking. Sagen, dass sie hier zu Hause sind, und dass sie sich hier nicht eingesperrt fühlen.

Dieser Blog erscheint redaktionell unabhängig in Kooperation mit der Außenwirtschaft Österreich der Wirtschaftskammer Österreich sowie mit dem Wirtschaftsministerium. Die Export-Offensive go-international soll österreichische Unternehmen zu geschäftlichen Aktivitäten im Ausland motivieren und dabei unterstützen.

Erstellt am 05.12.2011