Welt-Reise, Tag 26 - Kasachstan

Welt-Reise, Tag 26 - Kasachstan
Zwei KURIER-Reporter reisen in 80 Arbeitstagen um die Welt. Und berichten von unterwegs über erfolgreiche österreichische Exporteure

Alles neu in Almaty

Der österreichische Handelsdelegierte in Almaty heißt Michael Müller. Aus. Stop. Retour. Noch einmal von vorne! Also: Der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Almaty heißt Michael Müller. Am vergangenen Samstag hat die Wirtschaftskammer Österreich den Handelsdelegierten ganz offiziell aus ihrem Wortschatz gestrichen, um eine neue Wortkreation in die Welt zu setzen: Den W-i-r-t-s-c-h-a-f-t-s-d-e-l-e-g-i-e-r-t-e-n. Ob der der Wiener Weisheit letzter Schluss ist? Bleiben wir in Almaty: In der größten Stadt Kasachstans wurde im Herbst eine neue Außenhandelsstelle eingerichtet. Als Reaktion auf das stetig steigende österreichische Exportvolumen. Dank der Vielzahl an Rohstoffen (Erdöl, aber nicht nur) wächst die kasachische Wirtschaft weiter um rund sieben Prozent. Auch die Prognosen sind gut. Dazu kommt, dass der Weg des jungen zentralasiatischen Landes im Vergleich zu den Nachbarn als relativ stabil eingeschätzt wird. Österreichische Firmen könnten in Kasachstan speziell mit ihrem Know-how punkten, erklärt Müller in seinem Büro. Derzeit exportieren die Kasachen Erdöl (ein Drittel des österreichischen Bedarfs kommt aus Kasachstan), und importieren Benzin. Daher gibt es den ernsten politischen Willen, in die Veredelung der Rohstoffe zu investieren. Gleichzeitig soll die Infrastruktur besser ausgebaut werden: "Das Land ist riesig, aber nur spärlich besiedelt. Man benötigt gute Straßen und Eisenbahnen." Außerdem ein Thema: Bau und Management von Spitälern, Masterpläne für den Tourismus, Know-how für die Viehzucht. Zum Schluss noch ein Tipp des Delegierten: "Die Firmen, die in diesen Bereichen arbeiten, sollten sich nicht zu lange Zeit lassen. Sonst werden Andere die Aufträge ausführen."

Der letzte Zug

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Die U-Bahn von Almaty ist ein gutes Beispiel dafür, wie Geopolitik Geologen in ihr Handwerk pfuschen kann. Im Jahr 1989 war eigentlich alles beschlossene Sache. Die Erdwissenschafter hatten eine Studie vorgelegt, aus der abgeleitet werden konnte, dass der Bau einer U-Bahn im Erdbeben-Hochrisiko-Gebiet möglich ist. Und die Stadtverwaltung von Almaty hatte für das Projekt grünes Licht gegeben, da fuhr in der Sowjetunion der letzte Zug ab. Bis zum Jahr 2004 stand das Bauprojekt still. Dann rollten in Almaty wieder die Bagger. Zum Einsatz kam unter der Erde der südostkasachischen Stadt auch die neue österreichische Tunnelbauweise, die wir schon in New Delhi schätzen gelernt haben. Die 8,6 km lange Strecke integriert sieben Stationen. Belüftet wird alles mit 29 Ventilatoren der österreichischen Firma BSH-International Luft + Klima-Geräte Gmbh. Deren lokaler Vertreter, Azamat Ataibekov, berichtet, dass man auch in der Hauptstadt Astana im Geschäft ist. Dort in einer Tiefgarage. Eröffnet werden soll die erste U-Bahn Kasachstans am 16. Dezember 2011, dem zwanzigsten Unabhängigkeitstag der Republik. Das Datum ist ein politisches Muss, Auftrag des Staatspräsidenten. Und wenn der schnippt, haben die Ingenieure still schweigend zu nicken.

Liebenswert, lebenswert

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Er schätzt die Offenheit und Freundlichkeit der Kasachen, auch gegenüber Menschen mit anderer Religion und anderem Migrationshintergrund. Und damit natürlich auch ihm gegenüber. "Sie sind neugierig, und sehr interessiert", erzählt Uwe Lenhardt, der vor 17 Jahren nach Almaty kam, hier seine Lebensgefährtin kennen gelernt und darüber hinaus seine Berufung als Unternehmer gefunden hat. Landsleute haben ihn schon öfters gefragt, warum er sich Kasachstan antut. Er kann es ihnen schwer aus der Ferne vermitteln. Sie müssten wohl herkommen, um selbst zu erleben, dass ihm Almaty ausreichend Lebensqualität bietet. Für ihn ist inzwischen auch erwiesen, dass die Menschen hier weniger reserviert mit dem Fremden umgehen als die Menschen dort, wo er herkommt. Ob das damit zusammen hängt, dass die Österreicher nie Nomaden waren? Uwe Lenhardt will sich auf keine Spekulationen einlassen. Orientiert sich lieber an dem, was er sieht: "In der Familie meiner Frau wurde ich von Anfang an sehr gut aufgenommen, im Geschäftsleben genieße ich auch den Bonus des Österreichers, den man hier besonders schätzt." Lenhardt ist eine klassische Ich-AG. Er vertritt in Kasachstan namhafte Firmen, seit zweieinhalb Jahren auch die österreichische Büro-Edelmarke bene. Hilft den Firmen beim Markteintritt, betreut sie dann, wenn sie das wollen, auch als ihr lokaler Repräsentant.

Das Führerprinzip

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Auch wenn es österreichische Firmenvertreter tunlichst vermeiden, sich darüber in aller Öffentlichkeit auszulassen. Man muss es ansprechen, kann es ja auch in den internationalen Gazetten jederzeit nachlesen: Kasachstan ist ein wirtschaftlich relativ stabiles, aber demokratiepolitisch zumindest bedenkliches Land. Das kann auch der Politologe und Historiker Stefan Buchmayer bestätigen. Der arbeitet in Almaty als Human Dimension Officer für die OSZE, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Wollen wir hier nicht die Fehde zwischen dem autokratischen Staatspräsidenten und seinem Schwiegersohn im Exil aufwärmen. Die hat Österreichs Innenpolitik lange genug beschäftigt. Und den österreichischen Exporteuren auch nachhaltig geschadet. Wollen wir lieber dem gut informierten politischen Beobachter zu Wort kommen lassen. Der sagt unmissverständlich: "Auch wenn sich die OSZE hier seit Jahren ernsthaft darum bemüht, es hat bis heute keine einzige faire Wahl gegeben." Über Kasachstan kann Stefan Buchmayer lange hinreißend referieren, für Exporteure kurz zusammengefasst: Über den Präsidenten, den die Kasachen auch als "Leader of the Nation" sehen, macht man besser keine Späße; aus diesem Grund sollte auch die an sich friedliche Ordnung auf Almatys Straßen sowie im Wirtschaftsleben nicht allzu euphorisch gedeutet werden.

Das Steak war früher ein Pferd

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Essen mit Geschäftspartnern in Asien, ein sensibles Thema. Dazu einige Eckdaten: Die Inder essen kein Rind (heilig). Die Kasachen essen kein Schwein (heilig), dafür Pferd. Die Turkmenen essen kein Pferd (heilig), die Chinesen essen alles. Gar nicht einfach für Fremde, in kein Fettnäpfchen zu treten. Misstrauisch beäugt indes unser Rudl den üppigen Fleischteller im Restaurant Zhafran in Almaty: Das leckere Steak war früher ein Pferd. Kein Lipizzaner, so viel steht fest. Immerhin. Weil den auf die Speisekarte zu setzen, würde zu diplomatischen Irritationen in Wien führen.

Dieser Blog erscheint redaktionell unabhängig in Kooperation mit der Außenwirtschaft Österreich der Wirtschaftskammer Österreich sowie mit dem Wirtschaftsministerium. Die Export-Offensive go-international soll österreichische Unternehmen zu geschäftlichen Aktivitäten im Ausland motivieren und dabei unterstützen.

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