Welt-Reise, Tag 25 - Indien

Vor dem Indischen Tor in New Delhi: Christine Mukharij macht Werbung für Österreich
Foto: Mario Lang

Zwei KURIER-Reporter reisen in 80 Arbeitstagen um die Welt. Und berichten von unterwegs über erfolgreiche österreichische Exporteure


Österreich den Indern

Christine Mukharji hat es schwarz auf weiß, dank einer Umfrage. Und vielleicht wird das auch die ÖBB freuen: "Was die indischen Touristen am meisten an Österreich stört, ist die Pünktlichkeit der Züge." Die Marketing-Managerin der Österreich Werbung lächelt. Ihr Mann ist Inder. Sie lebt seit 15 Jahren in Indien. Weiß daher auch aus eigener Erfahrung: dass die Fahrpläne der Eisenbahnen nur ungefähre Richtwerte sind.

Mukharji ist in Salzburg aufgewachsen, hat dort Publizistik studiert. Seit 13 Jahren arbeitet sie für die Österreich-Werbung in New Delhi. Die kam quasi mit dem ersten direkten Flug der Austrian Airlines in die indische Hauptstadt. Und das war gut so. Just zu jenem Zeitpunkt begann nämlich die gehobene Mittelschicht das Reisen nach Europa zu entdecken.

Die Aufbruchstimmung vergleicht Mukharji mit dem Wiederaufbau-Österreich, als sich die ersten Finanzkräftigen im Sommer an die obere Adria wagten. Im Vorjahr haben 50.000 Inder in Österreich geurlaubt. Die meisten nur auf der Durchreise, maximal zwei Nächte. Aber die Tendenz ist steigend. Und die Zufriedenheit der Inder mit der österreichischen Vier- und Fünf-Stern-Hotelerie sei nachweislich höher als mit den Mitbewerbern aus der Schweiz.

Wichtig ist vielen indischen Gästen, dass sie unterwegs indisch essen können (auch da gibt es Vergleichswerte zu den Kaorle-Urlaubern der ersten Stunde). Indische Individualreisende bevorzugen Wien in Kombination mit Prag und Budapest. Die Gruppenreisenden machen wiederum auf ihrer Reise durch die Schweiz, Italien, Österreich und Deutschland meist in Innsbruck Station. Fixpunkt vieler Reisen: Ein Besuch der Swarovski-Kristallwelten. Was die Inder sonst von Österreich wissen? Dass dort bereits 70 Bollywood-Filme gedreht wurden.

"Bin ich dank Wien"

Vor dem Indischen Tor in New Delhi: Christine Mukharij macht Werbung für Österreich Foto: Mario Lang Vor dem Indischen Tor in New Delhi: Christine Mukharij macht Werbung für Österreich

Ein privates Krankenhaus in Gurgaon, der schnell wie ein Geschwür wachsenden Nachbarstadt von New Delhi. Staatliche Spitäler in Indien sehen anders aus. Vor dem Krankenhaus ein gepflegter großer Garten, vor dem Schalter kein Gedränge, im Wartezimmer angenehme Ruhe, dazu ein ärztlicher Leiter, der seine Patienten beim Rundgang durchs Haus persönlich begrüßt. Dr. Kalyan Singh Sachdev ist ein ebenso ruhiger wie erfahrener Mann. Er hat in den 1960er-Jahren in Wien studiert. Fachgebiet: Allgemeinmedizin. Spezialgebiet: Infektionskrankheiten.

Medizinisches Know-how - auch ein österreichisches Exportgut. Seit dem Jahr 1971 arbeitet Sachdev als Arzt in Indien. Dabei hat er seine Studienzeit in Wien nie vergessen. In perfektem Hochdeutsch sagt er: "Alles, was ich heute bin, bin ich dank Wien." In seiner Heimat hat der heute 70-jährige Mediziner von Anfang an Erfolg gehabt. Er betont: "Nicht, weil ich der beste Arzt war, da gab es gewiss Bessere, aber weil ich als Erster die österreichischen Hygienestandards in meiner Praxis eingeführt habe."

Irgendwann konnte er seine erste kleine Ambulanz eröffnen. Irgendwann eine größere. Heute beschäftigt er in seinem privaten Krankenhaus (insgesamt 75 Betten) 21 Ärzte und weitere 230 Mitarbeiter. In seinem Team auch seine beiden Kinder, die Tochter als lernwillige junge Ärztin, der Sohn als umtriebiger Gesundheitsmanager zwischen New Delhi, Wien und Langenlois.

Wie ein indischer Elefant

Vor dem Indischen Tor in New Delhi: Christine Mukharij macht Werbung für Österreich Foto: Mario Lang Vor dem Indischen Tor in New Delhi: Christine Mukharij macht Werbung für Österreich

Indien, ein zweites China. Hans-Jörg Hörtnagl kennt die euphorischen Berichte. Doch er warnt davor, Indien voreilig mit der Wirtschaftsmacht Nr. 1 zu vergleichen. Ganz gewiss, die indische Wirtschaft wächst. Derzeit um neun Prozent. Die kaufkräftige Mittelschicht wird mit mehr als 300 Millionen Menschen angegeben. Doch schon bei der Kaufkraft muss Hörtnagl relativieren: "Kaufkräftig heißt in Indien, dass eine fünfköpfige Familie mit weniger als 4000 Euro auskommen muss." Nicht im Monat, sondern im Jahr.

Billig-Preis-Land, Rechtsunsicherheit, Vertragsbrüche, hohe Importzölle, ständig Logistikprobleme, Stromausfälle, Mangel an qualifiziertem Personal, Risiken bei der Wahl des lokalen Partners, dazu eine Reihe von interkulturellen Unterschieden, an die man sich erst gewöhnen muss: Das sind die Themen, mit denen sich Exporteure in Indien täglich auseinandersetzen müssen. Weit entfernt, dass Hörtnagl seinen Landsleuten vom Markteintritt in eines der BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) abraten möchte. Der österreichische Handelsdelegierte in New Delhi vergleicht den Markt mit einem indischen Elefanten: "Man bringt ihn nur sehr schwer in Bewegung, aber wenn er einmal läuft, dann ist er nur ganz schwer aufzuhalten."

Made in Swarovskiland

Vor dem Indischen Tor in New Delhi: Christine Mukharij macht Werbung für Österreich Foto: Mario Lang Vor dem Indischen Tor in New Delhi: Christine Mukharij macht Werbung für Österreich

Ispe Swarovski lagado. Und bitte mach' mir auf mein Hochzeitskleid Swarovski drauf. Swarovski: Der Traum jeder wohlhabenden indischen Frau. Auch der Traum für jeden Unternehmer. Denn in der indischen Upperclass wird der Glas-Schmuck auf dem Kleid automatisch mit dem Firmennamen gleichgesetzt.
Sanjay Sharma, indischer Staatsbürger mit deutschem Pass, müsste man umgehend mehrere Orden für besondere Verdienste um die Republik Österreich verleihen. Der 35-jährige Direktor von Swarovski India hat in den vergangenen zehn Jahren nicht nur seiner eigenen Firma viel Freude bereitet, er hat nebenbei auch Österreich in Indien populär gemacht.

"Wir sind nicht für fünf oder zehn Jahre nach Indien gekommen, sondern für immer", erklärt Sharma in der exklusiven Boutique des indischen Designers Suneet Varma. Der arbeitet - ebenso wie seine gefragten Kollegen Tarun Tahiliani, J. J. Valaya oder Rohit Bal - viel und ausgeklügelt mit dem Glitzer aus Österreich. Weil die Frauen danach fragen. Weil es ihm auch gut ins Konzept passt. Weil Swarovski inzwischen zur indischen Landestracht und auch zu modernen Cross-Over-Entwürfen einfach dazu gehört. Vor allem aber: Weil Vertreter Sharma jahrelang Überzeugungsarbeit geleistet hat, dabei seinen Landsleuten immer auch ein Image verkauft hat.

Made in Austria. Das hat hier in der Boutique in einem Premium-Einkaufszentrum in New Delhi wirklich Klang. Da schwingen schöne Berge und Täler, Sound of Music, Mozart, gut entwickelte Städte, freundliche Menschen, eine saubere Umwelt, gutes Essen, eine gut entwickelte, verlässliche Wirtschaft mit. Der Swarovski-Konzern hat am Anfang in Indien richtig Geld in die Hand genommen, um sich auf dem Riesen-Markt zu positionieren. Doch dieses Geld ist inzwischen hundertfach nach Tirol zurück geflossen.

Sanjay Sharma versteht dennoch die Welt der Österreicher nicht. Er ist in New Delhi aufgewachsen, hat in Deutschland Marketing studiert, ehe er bei Swarovski in Wattens zu arbeiten begonnen hat. "Es ist höchst an der Zeit, ein einheitliches Image für Österreich zu kreiern. Österreich muss umdenken. Die Politik, die Wirtschaft, alle zusammen müssen das Land besser verkaufen. Als eine einheitliche Marke, als ein verlässliches, interessantes Land im Herzen Europas. Nur dann wird man in der Welt wahrgenommen. Wir von Swarovski sind das beste Beispiel dafür."

Dieser Blog erscheint redaktionell unabhängig in Kooperation mit der Außenwirtschaft Österreich der Wirtschaftskammer Österreich sowie mit dem Wirtschaftsministerium.

Die Export-Offensive go-international soll österreichische Unternehmen zu geschäftlichen Aktivitäten im Ausland motivieren und dabei unterstützen.

(kurier) Erstellt am
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