Meinung | Blogs | In 80 Arbeitstagen um die Welt
05.12.2011

Welt-Reise, Tag 1 - Marokko

Zwei KURIER-Reporter reisen in 80 Arbeitstagen um die Welt. Und berichten von unterwegs über erfolgreiche österreichische Exporteure

80 Unterhosen?

In 80 Arbeitsagen um die Welt ist zuallererst eine logistische Herausforderung: Soll man 80 Unterhosen einpacken? 80 Paar Socken? 80 Rasierklingen? Und wie viele Hosen, Schuhe, Sommerhemden, Winterjacken, Notizhefte, Visitkarten, Medikamente für die Reiseapotheke? Die Einzigartigkeit des bevorstehenden Unterfangens wirft vorab auch einzigartige Fragen auf. Alle haben sie gesagt: Wir beneiden euch! Und: Passt gut auf euch auf! Und: Kommt wieder gut zurück. Doch keiner konnte einem sagen, wie viele Unterhosen man mitnehmen soll. Auch nicht der sonst so kompetente Herr von der Firma Visumkurier. Er ließ uns immerhin aufatmen. Das Visum für Libyen ist tatsächlich noch fünf Minuten vor zwölf ausgestellt worden. Am Ende gingen auch noch die beiden gar nicht so großen Koffer zu. Welche Freude, es geht los!

Miles oder weniger

Floridsdorf, Praterstern, Wien Mitte. Ein dunkler Montag im Dezember 2010, kurz vor fünf Uhr früh. Die ersten Wiener fahren mit der Schnellbahn zur Arbeit. Die meisten klammern sich an ihrem "Heute" fest. Wahrlich, es gibt Phänomene in dieser kleinen Republik, die werden einem auch auf der anderen Seite des Erdballs nicht arg abgehen. Die gute alte Schnellbahn fährt vom Rennweg weiter in Richtung Osten, in Richtung Wolfsthal. Sie ist auf der selben Strecke nicht viel langsamer als der vielbeworbene Airport-Express. Doch sie befördert - man kann es schon sagen - bedeutend billiger. Ersparnis für zwei Personen pro Fahrt: Um die 15 Euro. Wenig erbaulich dagegen: Die gelangweilte Lady der Austrian Airlines beim Check-in, die sich erst gar nicht lange bemüht, eine plausible Erklärung dafür zu finden, warum auf dem AUA-Flug nach Paris keine Bonus-Meilen gesammelt werden dürfen. Wahhrlich, es gibt Phänomene ...

Rudl in Paris!

Besagte AUA-Maschine landet dann mit fast zwei Stunden Verspätung in Paris. Unserem Rudl ist das aber relativ wurscht. Müss' ma halt auf den Anschlussflug nach Casablanca nicht so lange warten. Der Rudl ist unser Weltreisebegleiter, unser Maskottchen. Die weiße Lipizzaner-Porzellan hat bis vor wenigen Tagen noch auf der Wiener Kärntner Straße ausgeharrt. In einem der Souvenir-Geschäfte, die auch am Sonntag öffnen dürfen. Für uns ist der Rudl Kult - ein halbamtlicher Schutzpatron der österreichischen Exporteure. Vielleicht erinnert sich ja noch wer: Im Jahr 1982 war die Hofreitschule auf Tournee in den USA. Damals, heißt es in einer Chronik der Austria Presse Agentur, hat Bundeskammerpräsident Rudolf Sallinger dem amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan - "als Ausdruck der Dankbarkeit Österreichs für die Aufbauhilfe nach dem Zweiten Weltkrieg" - einen Lipizzaner geschenkt. Im Garten des Weißen Hauses in Washington. Unser Rudl wird hingegen erst nach unser Rückkehr verschenkt. Er reist im Handgepäck mit, ist dort einigermaßen bruchsicher verpackt. Ob er alle 50 Flüge heil überstehen wird?

Ein neues Jahr

Casablanca, 1432. Angekommen in einer anderen Welt, in einem neuen Jahr. In Marokko gehen die Kalender anders. Hier haben sie den Jahreswechsel schon hinter sich. Man schreibt jetzt das Jahr 1432. Planungssicherheit für den Beginn des neuen Jahrs gab es auch dieses Mal nicht. Wieder einmal hat ein Würdenträger des Islam den Mond befragt. Und der Mond hat ihm durch seine Stellung verraten, dass ein Wechsel des Jahres eher früher als später angebracht wäre. Danach haben die Schulen sofort ganz viele SMS verschickt, mit dem Hinweis, dass sie am darauf folgenden Tag geschlossen bleiben. Ebenso geschlossen wie die Ämter. Doch wer Marokko mit dem Mittelalter in Verbindung bringen will, wird schnell eines Besseren belehrt. Schon auf dem Weg vom Flughafen in die Vier-Millionen-Stadt Casablanca fällt auf, dass im Königreich nicht nur viele dicke, dunkle Autos auf der Überholspur unterwegs sind. Es wird auch viel gebaut und dabei vergleichsweise wenig in den Sand gesetzt. Allah oder vielleicht auch nur die Erd-Geschichte, irgendjemand hat es mit dem Land nicht so gut gemeint. Jedenfalls nicht so gut wie mit den meisten anderen Ländern in der arabischen Liga: Marokko kann nicht auf eigenes Erdöl bauen. Doch irgendwie scheint es, als wäre gerade dieser Startnachteil ein Ansporn für die Marokkaner. Wer sich nicht auf seinen Gewinn bringenden Öl-Feldern ausruhen kann, muss ordentlich Gas geben. Apropos: Nach einem Abstecher zur gigantisch großen Moschee von Casablanca geht es schon morgen früh mit dem Auto durch den Süden der Maghreb-Region.