Buchcover "Ein guter Tag hat 100 Punkte".

© Stefan Hofer

über das neue Buch von Biorama-Herausgeber Weber
01/20/2015

Geht doch mal jagen, Vegetarier!

"Biorama"-Herausgeber Thomas Weber ruft in seinem neuen Buch zur Tat auf.

von Stefan Hofer

Geht doch mal jagen, ihr Vegetarier!

Mag. Stefan Hofer | über das neue Buch von Biorama-Herausgeber Weber

Das geht ruck, zuck: Zuerst betäubt man das Tier (mit einem Stockhieb auf den Kopf oder einem Schlachtbolzenschuss), dann sticht man es mit einem Messer ab."

Die folgenden Sätze vom Durchtrennen der Halsschlagader und den letzten Muskelzuckungen erspare ich Ihnen, werter Leser. Thomas Weber ist mutig. Er macht das nicht - und beschreibt aus eigener Erfahrung im Detail die tiergerechte Tötung eines Huhns. Der Herausgeber von Biorama, dem "Magazin für nachhaltigen Lebensstil", hat im Residenz-Verlag ein Buch mit dem Titel "Ein guter Tag hat 100 Punkte" vorgelegt.

Das Grundkonzept: Der Ressourcenverbrauch ist zu hoch; die Menschheit lebt, wir wissen es längst, auf Pump. Im Buch wird daher eingangs die vorarlbergerisch-schweizerische OpenSource-Kampagne EinguterTag.org vorgestellt: "Alles Tun, alle Produkte des Alltags werden mit Punkten bewertet." Fahre ich etwa mit einem VW Golf (16 Punkte) zehn Kilometer in die Arbeit, verbrauche ich mein tägliches 100-Punkte-Budget schneller auf, als wenn ich mit dem Rad fahre (0 Punkte).

Weber hantelt sich anhand des Punktesystems geschickt von Kapitel zu Kapitel: Beim Bauern einkaufen; einen fleischfreien Tag pro Woche einlegen; mieten statt kaufen; reparieren statt wegwerfen. Natürlich, wer sich in seinem Alltag bereits intensiver mit nachhaltiger Lebensweise auseinandergesetzt hat, für den mag manch gut gemeinter Rat banal wirken. Doch für Leser, die sich erstmals mit veganer Ernährung, umweltschonender Mobilität oder Reparaturnetzwerken beschäftigen, leistet der in gut portionierten Häppchen aufbereitete und flüssig geschriebene Erfahrungsbericht eines Experten einen guten Einstieg in die aktuell laufenden Debatten im Bereich Nachhaltigkeit. Jedes Kapitel endet praktischerweise mit Tipps zu weiterführender Recherche.

Auch gehe es ihm nicht um Bevormundung und Moral, betont Weber. Diese Erkenntnis ist wichtig.

Am stärksten ist das Buch gerade deshalb an den Stellen, wo Weber mit Esprit aus eigener Erfahrung von Schwierigkeiten, vom Versuchen, vom möglichen Scheitern erzählt - und Klischees über "Öko-Jünger" eben nicht bestätigt. So hebt Weber Veganer nicht auf einen Thron und stempelt Fleischesser (wegen des massiven Ressourcenverbrauchs bis zum Endprodukt Fleisch) nicht von vornherein zu schlechteren Menschen ab. Wer eigenständig ein Tier geschlachtet habe, lerne das Leben zu achten.

Absolviere einen Jagdkurs

Ein weiterer Vorgeschmack, Seite 87: "Am besten absolvierst du einen Jagdkurs, der dich - nach erfolgreich abgelegter Prüfung - befähigt und berechtigt, Jagdkarten zu lösen..." Bewusst aus dem Zusammenhang gerissen, mag dieses Zitat martialisch klingen. Liest man das Buch zu Ende und weiß mehr über Nutztiere und globale Massentierhaltung, klingt es einleuchtend.

Das Buch ist im Residenz-Verlag erschienen und kostet 18 Euro. Eine kleine Anregung an Verlag und Buchdesigner: Die rote Schrift mag zwar hip wirken, schwarz auf weiß liest sich aber noch immer am besten. Fazit: Ein guter Werkzeugkoffer, um aus einem konventionellen Leben ein nachhaltigeres zu zimmern.

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