© Raphaël Thiémard

saß in der sechsten Klasse
11/04/2014

Kein Thema im Geschichtsunterricht

von Elisabeth Holzer

Deshalb hat man mich in der Zeit oft mit Schere und Klebstoff gesehen.

Dr. Elisabeth Holzer | saß in der sechsten Klasse

Ich war 15, saß in der sechsten Klasse AHS und erinnere mich vor allem daran, dass wir im Deutschunterricht (!) Aufsätze über den Mauerfall geschrieben haben. Ich glaube, dass wir in Englisch „Wind of Change“ auch übersetzt hätten. Aber das war’s dann, zumindest von der Seite der Bildungseinrichtung her. Ich erinnere mich nicht daran, dass der Mauerfall Thema im Geschichteunterricht meines Gymnasiums in Graz gewesen wäre. Interessiert hat’s mich dennoch: Erstens, weil überhaupt schon als Jugendliche geschichte-affin und zweitens, weil wir Verwandte im damaligen West-Berlin, aber auch in Westdeutschland (in Trier) hatten (und haben). Dadurch war schon ein direkter und persönlicher Bezugspunkt zu dem vorhanden, was da in Deutschland gerade passierte.

Deshalb hat man mich in der Zeit oft mit Schere und Klebstoff gesehen: Ich habe mich über jeden Zeitungsbericht hergemacht, der zum Thema zu finden war, habe ihn ausgeschnitten und in eine Mappe eingeklebt. Ich habe mir auch aus Deutschland Berichte kommen lassen. Diese Mappe habe ich übrigens 20 Jahre lang aufgehoben und erst weggeworfen, als ich meine Wohnung teilweise neu eingerichtet habe. Heute tut mir dieser Akt der persönlichen Geschichtsbewältigung schon wieder ein bisschen leid.

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