über den Mauerfall
10/31/2014

Die großen Zusammenhänge

von Florian Plavec

Dass die Ungarn nicht nach Österreich reisen durften, war selbstverständlich.

Florian Plavec | über den Mauerfall

Der Ostblock war hässlich, der Ostblock war stinkig, der Ostblock war unfreundlich. Aber er war billig. Grund genug für meine Eltern, mit uns Kindern Anfang der 1980er-Jahre regelmäßig Urlaub in Ungarn zu machen – Radtour. Endlich spielte Geld keine Rolle, ich durfte Eis essen, so viel ich wollte. Neun pro Tag waren mein persönlicher Rekord. Dass die Ungarn nicht nach Österreich reisen durften, war selbstverständlich. Zu selbstverständlich.

Ein paar Jahre später, ich ein Jugendlicher mit anderen Interessen als Weltpolitik, fiel die Mauer. Dass da etwas Weltbewegendes geschah, machte mir mein Deutschlehrer in der AHS klar. Er verzichtete darauf, den Lehrstoff laut Plan vorzutragen. Er diskutierte, erklärte, schwärmte von dem, was in der Nacht zuvor in Berlin vorgegangen war. Er schaffte es in diesem Moment, uns die großen Zusammenhänge ein bisschen verständlicher zu machen. Seit diesem Tag vor 25 Jahren schalte ich bei der Zeit im Bild nicht mehr automatisch weg.

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