über den Alltag im Hypo-U-Ausschuss
07/15/2015

Inside Hypo: Lähmendes Frage-Antwort-Spiel

Mühsame, aber unerlässliche Aufklärungsarbeit. Wie es ist, als Berichterstatterin im U-Ausschuss zu sitzen.

'Dazu habe ich keine Wahrnehmung.' Es sind nur fünf Worte, aber sie sind der Horror eines jeden U-Ausschuss-Teilnehmers.

Mag. Leila Al-Serori | über den Alltag im Hypo-U-Ausschuss

Dazu habe ich keine Wahrnehmung." Es sind nur fünf Worte, aber sie sind der Horror eines jeden U-Ausschuss-Teilnehmers. Gleichzeitig sind sie wohl auch die häufigste Konstante, kein Satz wird öfter gesagt.

Als regelmäßige Berichterstatterin bleibt in erster Linie der Eindruck: Ein U-Ausschuss ist eine lähmende Angelegenheit. Selbst wenn es um ein Milliarden-Desaster wie die Hypo Alpe Adria geht.

Stundenlange Befragungen bestimmen den Alltag, in denen Zeugen von untergeordneter Bedeutung dasselbe immer und immer wieder wiederholen. Nicht selten ist eine Sitzung zwölf Stunden lang. Abgeordnete kommen und verlassen den klimatisierten Saal, das Mobiltelefon dient als Ablenkung.

Kein Wunder, dass der U-Ausschuss sich so der Kritik stellen muss, eine Posse zu sein. Eine frustrierende noch dazu, die sich kaum voranbewegt. Und dabei sind es nicht nur die Wortspenden, die manchmal verzichtbar sind.

Da sind auch die Fragen der Fraktionen, die meistens nicht akkordiert sind und sich deshalb wiederholen. So entsteht der Eindruck, dass Partei-Interessen der Aufklärungsarbeit nicht selten im Weg stehen. Wer angreifen kann, greift an.

Das neue Regelwerk kommt erschwerend hinzu, juristisches Neuland, das in unzähligen Diskussionen erforscht wird. Ganz zu schweigen vom Theater um die geschwärzten Akten.

Doch dann kommen sie doch, die neuen Erkenntnisse, die die stundenlangen Befragungen nicht nur relevant, sondern unglaublich wichtig machen. Im Falle der Hypo sind es die Einblicke in das Versagen jeglicher Kontrolle, oder auch in den Zirkel rund um den verstorbenen Jörg Haider. Dann glänzt der U-Ausschuss, zeigt sich als transparentes Kontrollorgan, das minutiös die Causa zerlegt.

Skurrile Momente

Nicht selten ist ein Tag im U-Ausschuss auch witzig. Wenn sich ein Dutzend Journalisten den Hals ausrenkt, um die Schuhe des Herrn Petzner zu erspähen (schwarz mit grüner Neon-Schrift).

Oder wenn von der "Erregung des Kärntner Landeshauptmannes" in einer Landtagssitzung die Rede ist, und das Wort "Erregung" an die vierzig Minuten lang wiederholt wird, bis es fast groteske Züge annimmt.

Wichtige Erkenntnisse

Selbst wenn die Befragungen stundenlang dauern, sich als zermürbender Kraftakt für alle Beteiligten herausstellen: Ohne U-Ausschuss geht es nicht. Denn nur hier sagen Personen aus, die in der Öffentlichkeit sonst nie Rede und Antwort stehen müssten.

Nur durch einen U-Ausschuss bleibt das Hypo-Debakel medial präsent, kann kontinuierlich beleuchtet werden. Und manchmal ist selbst ein "Dazu habe ich keine Wahrnehmung" zielführend.

Denn nichts ist entlarvender als dieser Aussage mit Fakten auf der parlamentarischen Bühne zu begegnen.

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