"Wir stießen auf geschlossene Türen und Gesprächs-Verweigerung"

Dokumentarfilmer Hubert Canaval: "Auch Positivbeispiele sollten im Film nicht fehlen, Menschen die Alternativen gefunden haben." © Bild: Thimfilm

Serie Klima-Insider: Der österreichische Regisseur Hubert Canaval über die Dreharbeiten zu seiner aktuell in den Kinos laufenden Doku "Macht Energie".

Wir stießen auf geschlossene Türen und Gesprächs-Verweigerung

Mag. Stefan Hofer | über "Macht Energie"

Frage: "Vom Athabasca River bis zum Bui-Damm in Ghana - wo hat Sie das Schicksal der Menschen und die Ausmaße der Umweltzerstörung persönlich am tiefsten getroffen? Und haben die Energiekonzerne während den Dreharbeiten Druck auf Sie ausgeübt, Herr Canaval?

Hubert Canaval: Der Gedenktag zu Fukushima bedeutet für mich ein Gedenken in doppelter Hinsicht. Denn die Idee zum Film MACHT ENERGIE wurde unter dem Eindruck dieser Katastrophe geboren. Es war der richtige Zeitpunkt für so einen Film, das haben wir alle, der Produzent Helmut Grasser, die Co-Autorin Corinna Milborn und ich, damals gefühlt. Dass die Energiewirtschaft weiter machen würde wie bisher, schien unmöglich. Japan schaltete die Atomkraftwerke ab. Angela Merkel vollzog Ihre bemerkenswerte Wende.

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© Bild: Thimfilm

Bild: Umweltschäden in Fort McMurray, Alberta, Kanada

Doch der anfängliche Optimismus stellte sich sehr rasch als unangebracht heraus: Weiterhin wurden und werden Atomkraftwerke geplant und gebaut. Immer tiefer und immer nördlicher wurde und wird nach Öl gebohrt. Keine Katastrophe hat jemals zu irgendeiner Umkehr beigetragen. Auch Deepwater Horizon nicht. Das damit verbundene Medienspektakel blendet, wo es beleuchten sollte. Realität wirkt dadurch exotisch, fern und irreal. Also sollte der Blick auf den Alltagsbetrieb der Energieproduktion gerichtet werden. Was läuft schief, wenn angeblich alles in Ordnung ist? Und damit niemand sagen kann, alle Probleme seien von diktatorischer Intransparenz, technischer Unterentwicklung und mangelnder Bildung verursacht worden, wurden die Schauplätze vorwiegend in Demokratien der so genannten ersten Welt gesucht und gefunden. Was uns dabei begegnete, hatten wir trotz eines gewissen Pessimismus nicht erwartet. Wir stießen auf geschlossene Türen und Gesprächsverweigerung. Einzig die Gazprom hat uns empfangen. Als Europäer und Demokraten hat mich das schwer irritiert.

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© Bild: Thimfilm

Bild: Zaun der Wiederaufbereitungsanlage La Hague, Frankreich

Das Thema Energie ist in einem Ausmaß interessengesteuert, dass es kaum unabhängig erforschte Fakten gibt, sondern vor allem gezielte Informationspolitik. Nicht die Wissenschaft definiert, was eine Tatsache ist, sondern ein Vergleich vor Gericht. Die Kollateralschäden, die der Normalbetrieb der Energieproduktion verursacht, sind enorm. Und es herrscht offene Ratlosigkeit, wie damit anders umgegangen werden kann, als die Wahrheit zu verdrängen. Wer die Dinge öffentlich macht, wird unter Druck gesetzt und mit ziemlicher Brutalität verfolgt.

Eine Frau musste feststellen, dass ihr Wasser explosiv ist

Der Film zeigt unter anderem, was einem Arzt widerfährt, der wissen will, warum in Fort Chipewyan so viele Menschen an Krebs sterben. Eine Frau musste plötzlich feststellen, dass ihr Wasser explosiv ist. Ein Mann will seine Fehler bei der Lagerung von Plutonium wieder gut machen. Für alle führt das zu einem jahrelangen Kampf. Auch Positivbeispiele sollten im Film nicht fehlen, Menschen die Alternativen gefunden haben. Sie stehen mit beiden Beinen im Leben und können nicht als naive Utopisten abgetan werden. Sie leben vor, dass dezentrale und regionale Energieproduktion funktioniert und nicht nur ökologisch sondern auch ökonomisch sinnvoll ist.

Hubert Canaval

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Erstellt am 13.03.2014