Wrack im Frack

Foto: ali schafler/orf

Mein Speichenkopf hat sich verabschiedet. Ein guter Moment, um ernst zu werden.

Bin ich also noch in der Show. Ich habe mir das schon gedacht, befürchtet wäre hier charmant, aber gelogen. So ist es ein guter Moment um klarzustellen: Ich anerkenne diese Tanzshow als ebensolche. Das werde ich beweisen. Nicht blödeln, zumindest soweit es mein genetisches Gefängnis zulässt.

Genauer: Kommende Woche ist Gruppentanz, da muss ich mich drüber bringen oder von meiner reizenden, aber nur halb so schweren Trainerin drüber bringen lassen. Kollege Nowak , ebenfalls marod, schlug vor, wir treten als Litfaß und Säule in einem neugegründeten Paar auf. Aber das wäre gegen den großen Plan: Am 1. April steht mir der Jive ins Haus. Oder ich dem Jive. Jedenfalls werde ich ungeachtet des Datums einen ernstzunehmenden Auftritt hinlegen. Nicht dass alle nur glauben und wieder sagen: Der Chmelar blödelt sich nur weiter.

Dabei wäre es gescheiter, einarmig zu tanzen, weil ich habe mir das Speichenköpfchen gebrochen. Aber reden wir nicht darüber. Denn gescheiter ist keine Kategorie für mich. Gescheiter sind die Philosophen, Wittgenstein etwa, dessen Bruder Pianist war. Der hat sich, nachdem er im Krieg einen Arm verloren hatte, Stücke für eine Hand schreiben lassen.

Aber das als Anlass zu einer Einarm-Choreografie, wäre kokett. Ich bin arm dran, aber der Arm ist dran. Also Ernst. Denn schon der kleine große Hans Moser hat gesagt: Wer keinen Spaß versteht, versteht meistens auch keinen Ernst.

(kurier) Erstellt am
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